Berlin. Ein archäologischer Fund zeigt eine grausame Foltermethode aus der Steinzeit – die heute noch verwendet wird. War es ein Ritualmord?

Die Leichen dreier Frauen, zwei von ihnen in ungewöhnlichen Positionen: Was nach einem TV-Krimi klingt, ist in Wahrheit ein archäologischer Fund. Gemacht haben ihn Wissenschaftler in einem rund alten Grab in Frankreich, das aus der Jungsteinzeit stammt. Gelebt haben die Frauen vor rund 6000 Jahren – den Tod fanden sie womöglich bei einem Ritualmord. War es gar ein Menschenopfer?

Darauf deuten die Positionen hin, in denen die Körper gefunden wurden. Während die älteste Frau in der Mitte platziert war und laut der zugehörigen Studie in einer für diese Zeit übliche Haltung begraben wurde (seitlich, mit leicht angewinkelten Knien), befanden die anderen beiden sich in für Gräber sehr untypischen Positionen.

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Archäologen entdecken möglichen Ritualmord – Methode nutzt heute die Mafia

So lag eine der anderen Frauen auf dem Rücken und wurde wohl von einem Felsblock, der auf ihren Brustkorb drückte, auf den Boden gepresst. Der Tod sei in dieser Position relativ schnell eingetreten, mutmaßen die Archäologen. Auch die zweite Frau ist der Analyse nach nicht eines natürlichen Todes gestorben. Sie wurde wohl an Knöcheln und Hals gefesselt und so in eine gekrümmte Haltung gezwungen, in der sie sich durch das Seil langsam selbst erdrosselte.

„Heutzutage wird diese als incaprettamento bezeichnete Foltermethode mit der italienischen Mafia in Verbindung gebracht und manchmal zur Bestrafung von Personen eingesetzt, die als Verräter angesehen werden“, schreiben die Autoren der Studie. Warum die Frauen diese grausamen Tode sterben mussten, ist unklar. Die Archäologen vermuten aber, dass es sich um Menschenopfer handeln könnte. Auch ob die Frauen lebendig begraben wurden, oder erst nach ihrem Tod in die Positionen gebracht wurden, in denen sie gefunden wurden, ist nicht klar.

Menschenopfer in der Steinzeit kein Einzelfall

Doch wie es scheint, waren die rituellen Tötungen kein Einzelfall. Nach ihrer Entdeckung suchte das Archäologenteam in der Literatur nach weiteren Fällen, in denen menschliche Überreste aus der Jungsteinzeit in ungewöhnlicher Position gefunden wurden. Sie entdeckten 20 Fälle in verschiedenen europäischen Regionen, bei denen die Position auf eine ähnliche Tötung hindeutet. Dabei handelte es sich nicht nur um Frauen, sondern auch Männer und Kinder wurden offenbar als Menschenopfer brutal getötet.

fgö