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Geflügel kommt schon seit Jahrtausenden auf die Tische
Dumme Gans? Nix da. Überlieferungen zufolge sollen es genau diese langhälsigen Gefiederten gewesen sein, die durch ihre Aufmerksamkeit und lauthals warnendes Geschnatter das alte Rom vor der feindlichen Einnahme durch die Gallier bewahrt haben. Hausgeflügel wurde bereits vor 4000 bis 5000 Jahren gehalten. Archäologische Funde aus dem asiatischen Raum belegen die lange Tradition der Geflügelzucht. Selbst die künstliche Bebrütung von Eiern war schon im alten Ägypten bekannt. Und die Römer sagten aus Geflügeleingeweiden gar die Zukunft voraus. Hauptzweck der Geflügelzucht war aber und das hat sich bis heute nicht geändert die Versorgung der Menschen mit Fleisch. Nicht von ungefähr hat Heinrich IV. seinen Untertanen im 16./17. Jahrhundert wenigstens jeden Sonntag ein Huhn im Topf gewünscht. Dabei war Geflügel früher oftmals auch für gekrönte Häupter ein eher rarer Gaumenschmaus. So soll Kaiser Barbarossa während eines Kreuzzuges einmal acht Ochsen für ein Huhn zum Tausch angeboten haben. Die Zeiten sind zur Freude aller Genießer und auch der Ernährungsbewussten längst vorbei. Das Angebot an Geflügeltem ist so vielfältig, üppig und jederzeit für jedermann verfügbar, dass sogar der gute alte Goldbroiler schon fast aus dem öffentlich-kulinarischen Bewusstsein entschwunden ist. Obwohl, hin und wieder so ein knusprig-krosses Brathähnchen ist nicht zu verachten. Aber die vielen den Gaumen kitzelnden Alternativen! Die beflügeln den Drang nach Abwechslung derart, dass man einfach nachgeben muss. Geflügel bietet fast unüberschaubar vielfältige Zubereitungsmöglichkeiten und Rezeptvariationen, die Abwechslung auf den Speiseplan bringen, ist zudem reich an Eiweiß, Vitaminen und Mineralien und mit Ausnahmen relativ unkompliziert zuzubereiten. Brust oder Keule oder ungeteilter Genuss mit Gans ganz, Ente knusprig, gefüllt oder rosa das ist eigentlich nur eine Frage des Geschmacks oder auch liebgewonnener Tradition. Mehr als 80 Prozent der Deutschen, so haben Marktforscher ermittelt, bewirten Familie und Gäste an Weihnachtsfeiertagen mit deftigem Gänsebraten und folgen damit einer Sitte, die aus England stammt. Am Heiligen Abend des Jahres 1588 wurde Königin Elisabeth nicht nur eine Gans aufgetischt, sondern zugleich die frohe Kunde vom Sieg der britischen Flotte über die spanische Armada überbracht. Die Gans verankerte sich hernach wohl als eine Art symbolischer Glücksbringer im nationalen Gedächtnis und kam fortan jährlich als Gaumenschmaus auf die Festtafel. Aber es gibt ja auch noch anderes Federvieh: Truthahn und Pute, Hähnchen und Ente, Täubchen und Wachtel, Perl- und Rebhuhn, Fasan und Strauß. Der allerdings wurde hierzulande erst in den letzten Jahren als kulinarische Köstlichkeit entdeckt.
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