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Bischof nimmt Stellung zu Pfarrer Neuschäfer
Erfurt (OTZ/WS). In die Debatte um Vorwürfe des alltäglichen Rassismus in Rudolstadt hat sich der evangelische Landesbischof Christoph Kähler eingeschaltet.In einer Kanzelabkündigung, die gestern in Gottesdiensten in Rudolstadt verlesen wurde, verweist der Bischof auf schwere Beschuldigungen. Pfarrer Andreas Neuschäfer hatte in unter anderen mehreren Medien Rudolstadt als fremdenfeindlich bezeichnet.
Wortlaut der Kanzelabkündigung von Landesbischof Christoph Kähler für Kirchgemeinden in Rudolstadt
Liebe Schwestern und Brüder in Rudolstadt,
Pfarrer Andreas Neuschäfer hat in verschiedenen Zeitungen erklärt, mit seiner Familie Rudolstadt wegen Fremdenfeindlichkeit verlassen zu müssen. Dabei haben er und seine Frau schwere Beschuldigungen ausgesprochen, die nun die Bürger und Gemeindeglieder belasten.
Fremdenfeindlichkeit ist kein Kavaliersdelikt. Wir müssen ihr entschieden entgegen treten und Betroffene unterstützen. Dafür gibt es gute Beispiele wie die Kirchgemeinde Rudolstadt-Volkstedt, die sich erfolgreich gegen rechtsradikale Übergriffe in Zusammenarbeit mit der Stadt und ihren Bürgern gewehrt hat.
Wichtig ist uns aber auch der Grundsatz, dass Schuld nachgewiesen werden muss und Vorverurteilungen unstatthaft sind. Eine pauschale Verdächtigung einer ganzen Stadt und ihrer Gemeinden hilft weder der Wahrheitsfindung noch dem Bemühen, Fremdenfeindlichkeit zu verhindern und zu unterbinden. Das hat auch der Fall des ertrunkenen Jungen aus der Stadt Sebnitz deutlich gemacht. Wir werden uns als Kirchenleitung ernsthaft und gründlich mit den Vorwürfen auseinandersetzen und sie auf ihre Stichhaltigkeit überprüfen, soweit wir das als Kirche können. Aber wir werden ebenso deutlich falsches Zeugnis zurückweisen.
Der Kirchenleitung war bekannt, dass Familie Neuschäfer sich in Rudolstadt nicht wohl fühlte. Darum gab es mehrere Angebote, die Situation genauer zu besprechen und die Stelle zu wechseln. Diese Vorschläge hat Pfarrer Neuschäfer nicht angenommen, ja eine Zeit lang sogar den Zuständigen die Situation und den Aufenthaltsort seiner Familie verheimlicht. Ebenso hat er die Vorwürfe, die wir jetzt aus den Medien erfahren, vorher nicht an uns weitergegeben. So konnten wir sie bisher nicht mit ihm besprechen. Das werden wir nachholen. Wir bemühen uns in diesen Tagen, die Vertreter der Medien sachgerecht zu informieren und auf die Pflichten einer fairen Berichterstattung hinzuweisen. Ich hoffe sehr, dass das zunehmend möglich wird.
Wir bitten Gott, dass es gelingt, möglichst allen Beteiligten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
Ihr Christoph Kähler Landesbischof
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