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Der Text des Berliner Korrespondenten der Mitteldeutschen Zeitung Halle über die Pfarrersfamilie Neuschäfer aus Rudolstadt hat weite Verbreitung gefunden. Bis hin zur Netzeitung im Internet und der Frankfurter Rundschau. Wie es aussieht, ist die Wirklichkeit vor Ort allerdings viel differenzierter. Überraschend ist das nicht, siehe Sebnitz, Mölln, Potsdam, Mittweida oder Mügeln - tatsächliche oder angebliche Ereignisse mit fremdenfeindlichem Hintergrund. So mancher Bundes-Politiker, der seinen Empörungsreflex nicht beherrscht, musste zurückrudern. Den Schaden von Vor-Urteilen machen sie aber nicht wieder gut. Wenn es im Osten - und im Westen - Fremdenfeindlichkeit gibt, dann muss es kritisiert werden, gar keine Frage. Aber vorher genau hinsehen, sollte man schon. Dass Familie Neuschäfer Rudolstadt verlassen hat, ist schade. Der Pfarrer hat sich eingemischt, hat Gehör und Echo gefunden. Das braucht Rudolstadt auch weiterhin. Wie eben auch die Aufmerksamkeit aller. Denn nicht nur Rudolstadt, auch Fremdenfeindlichkeit hat viele Gesichter, fängt bei kleinen Sachen an, die aus der Distanz eine unwirkliche Größe annehmen können.
W.S.
Ostthüringer Zeitung vom 3.4.2008
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