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Angelika Swirszczuk, Schulleiterin der Sommer-Schule in Rudolstadt, wehrte sich gestern vor Journalisten gegen pauschale Vorwürfe von Pfarrer Reiner Andreas Neuschäfer. (Foto: OTZ/Peter Scholz)
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Rudolstadt wehrt sich nach Kräften gegen die Rassismusvorwürfe eines Pfarrers
Von OTZ-Redakteur Thomas Spanier
Können Sie sich vorstellen, wie Kinder sich fühlen, wenn sie bundesweit als rechtsradikale Schläger dargestellt werden? Angelika Swirszczuk, Schulleiterin der Rudolstädter Anton-Sommer-Schule, sah fragend in die Gesichter der gut zwei Dutzend Journalisten, die sich zur Pressekonferenz im Alten Rathaus versammelt hatten. In das Gesicht von Reiner Andreas Neuschäfer sah sie nicht. Der Rudolstädter Pfarrer, der es inzwischen zu einiger Berühmtheit gebracht hat, hatte die nach einem Heimatdichter benannte Grundschule via Medien zum Hort des Rassismus gemacht. Tatsächlich, so bestätigte die Schulleiterin, habe es in drei Schuljahren drei verbale Beschimpfungen gegen die Neuschäfer-Kinder gegeben. Einer hatte Nigger gesagt, ein anderer Chinese, jemand Du hast deine Haut mit Scheiße eingeschmiert. Über all das habe man intensiv mit den Kindern geredet. Die Schulhofprügelei vom 25. April vorigen Jahres habe nachweislich keinen fremdenfeindlichen Hintergrund gehabt, sagte Swirszczuk. Die Polizei in Saalfeld bestätigte diese Darstellung. Wie die Schulleiterin nutzte auch Rudolstadts Bürgermeister Jörg Reichl die Gelegenheit, seine Empörung und sein Entsetzen auszudrücken über das, was einer Rudolstädter Familie hier passiert ist. Es gebe bei einigen wenigen Mitbürgern fremdenfeindliches Gedankengut, räumte Reichl ein. Die Mehrheit der Rudolstädter ist aber fremdenfreundlich.
Der Bürgermeister verurteilte die mediale Darstellung von Rudolstadt als rassistischer und rechter Hochburg. Er hob die Bemühungen um Kunst, Kultur und Jugendarbeit hervor. Das Tanz- und Folkfest beispielsweise sei gelebte Fremdenfreundlichkeit. Man wolle die Vorwürfe gemeinsam aufklären und entsprechende Schritte einleiten, sagte Reichl, der am Rande der Pressekonferenz erstmals seit Bekanntwerden der Vorwürfe mit Pfarrer Neuschäfer reden konnte. Dabei wurden weitere Gespräche vereinbart.
Christhard Wagner, als Bildungsdezernent der evangelischen Kirchen in Mitteldeutschland der Dienstvorgesetzte von Neuschäfer, sagte, die Kirche habe der Familie mehrfach Hilfe angeboten. Auf die Frage, wo die Familie wohnt, habe ihm Neuschäfer noch im Februar geantwortet: in Rudolstadt. Da waren die Kinder schon seit Monaten von der Schule abgemeldet.
Alltagsrassismus sei ein gesamtdeutsches Problem, das man auch in Bochum oder Berlin antreffe, sagte Wagner. Er habe keine Zweifel, dass es die fremdenfeindlichen Pöbeleien gegen die Familie Neuschäfer gegeben habe. Was konkrete Situationen in der Schule oder im Christlichen Kindergarten betreffe, wolle man diese aufklären und dazu auch die Betroffenen hören.
Vorwürfe aus der Ferne sind eher kontraproduktiv, sagte Peter Taeger, Superintendent des Kirchenkreises Rudolstadt-Saalfeld. Als Pfarrer stelle man sich den Problemen vor Ort. Dies habe er bei Neuschäfer vermisst, der auch dem Pfarrkonvent gestern fernblieb. So mussten wir über ihn statt mit ihm reden, so Taeger.
Positioniert hat sich zu dem Thema auch das Team des Tanz & Folkfestes. Man bedauere, dass sich die Familie Neuschäfer veranlasst sah, Rudolstadt zu verlassen. Über den Anteil am Verhalten der Familie an der nicht geglückten Integration wollen wir nicht spekulieren, heißt es in der Erklärung.
Über geglückte Integration berichtete übrigens auch Schulleiterin Angelika Swirszczuk: Bei Kindern nichtdeutscher Herkunft, die in unsere Schule gingen und gehen, sind uns keine fremdenfeindlichen Aktivitäten bekannt geworden.
Zitat: "Vorwürfe aus der Ferne sind eher kontraproduktiv."
Superintendent Peter Taeger
Ostthüringer Zeitung 10.4.2008
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