Ariane Friedrich erreicht ohne Mühe das Hochsprung-Finale

  • Arian Friedrich will am Sonntag beim Hochsprung-Finale der Leichtathletik-EM auf dem Siegerpodest landen. Ihre in Nordhausen lebenden Großeltern drücken ihr vorm heimischen TV-Gerät die Daumen. Foto: Sascha Fromm
Zwei lockere Sprünge, dann war die Qualifikations-Norm von 1,92 m bei der EM erledigt. Die in Nordhausen geborene Hochspringerin Ariane Friedrich fühlt sich wohl in Barcelona.
Können Sie am Sonntag den EM-Titel gewinnen?

Ach, da gibt es viele Kandidaten. Blanka Vlasic, Spaniens Ruth Beitia, die Olympiasiegerin Tia Hellebaut aus Belgien. Und dann sind da noch andere. Auch ich. Das ist wie eine WM oder Olympia. Nur die Amerikanerin Chaunte Howard-Lowe fehlt. Da kann man mit zwei Metern schnell mal keine Medaille abbekommen.

Also kein Duell nur mit Vlasic wie in Berlin?

Nein. Das war es auch in Berlin nicht. Ich bin froh, dass der Trubel um mich in diesem Jahr viel geringer ausfällt. Ich bin viel entspannter als in Berlin. Auch wenn mein Leistungsvermögen nach etlichen Verletzungen nicht ganz so hoch ist wie 2009.

Wo tut's noch weh?

Rücken, Knie, Füße überall. Ich muss jeden Tag zur Physiotherapie. Aber es hilft. Ich bin beim Wettkampf nicht beeinträchtigt.

Sie springen im Training mittlerweile seit drei Jahren nicht mehr über die Latte. Was haben Sie gedacht, als ihr Trainer Günter Eisinger diese verrückte Idee hatte?

Ich dachte, ich verlerne das Hochspringen. Doch das ist nicht passiert. Für meinen Körper ist dieses alternative und zugleich schonende Training gut und die Konkurrenz staunt darüber.

Sie machen den Wettkampf fast immer zu einer Show. Mit Absicht?

Es ist einfach meine Art. Ich spiele das nicht. So kann ich meine beste Leistung bringen.

Gibt es Psycho-Spielchen untereinander?

Nicht wie bei Harting gegen Malachowski mit dem Diskus oder beim Fußball. Wir hauen uns nicht die Beine weg. Aber wir pokern mit dem Auslassen der Höhen. Sonst gehen wir respektvoll miteinander um.

Neben dem Hochsprung arbeiten Sie in Darmstadt als Kommissarin. Ihr Trainer möchte nicht von Ihnen verhört werden. Haben Sie schon einen Einbrecher überführt?

Polizei-Geheimnis. Aber es gibt Kollegen, die haben viel mehr Erfahrung im Verhören. Meine Arbeit befriedigt mich. Vor der EM war ich einen Tag noch mal fünf Stunden im Büro.

Wer drückt Ihnen in Thüringen die Daumen?

Natürlich meine Großeltern in Nordhausen. Und sicher auch meine vielen Fans. Leider habe ich zur Zeit kaum Gelegenheit, die Familie zu besuchen.

Hatten Sie schon Gelegenheit etwas von Barcelona zu sehen?

Nein. Ich muss mich auf den Wettkampf konzentrieren. Der Sand am Strand macht die Füße müde. Aber die Stadt gefällt mir. Da ich gerne Schinken esse, nehme ich mir vielleicht eine dieser tollen großen Keulen mit.


Dirk Pille / 30.07.10 / TA
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