Augenzeuge hegt Zweifel an sprechenden Hunden in Leutenberg

  • In der Villa Viola, hier ein Blick vom Garten, befand sich die Hundesprechschule. Foto: Thomas Spanier. In der Villa Viola, hier ein Blick vom Garten, befand sich die Hundesprechschule. Foto: Thomas Spanier.
Zur Hundesprechschule "Asra", die die Fabrikantentochter Margarethe Schmidt Mitte des vorigen Jahrhunderts in Leutenberg betrieb, hat sich jetzt ein weiterer Zeitzeuge zu Wort gemeldet. Werner Dietzel sah im Winter 1945/46 eine Vorführung der Hundelehrerin im Gasthaus Triebel in Kaulsdorf - und war wenig angetan.
Leutenberg. "Die Hunde-Schmidten, so hieß sie bei uns, zog damals durch die Kneipen und Säle der Umgebung", erinnert sich der 78-Jährige. Vier Hunde, einen großen stämmigen und drei kleinere, habe sie in Kaulsdorf dabei gehabt. "Die sollten sprechen, aber das hat nicht geklappt. Es hieß dann, dass das an der Kälte lag", so Dietzel, der heute in Saalfeld-Gorndorf lebt. Auch die Rechnerei habe ihn nicht überzeugt.

Er sei allerdings schon vorher skeptisch gewesen, weil er zuvor im Zirkus in Saalfeld ein rechnendes Pferd gesehen hatte. "Das war eindeutig Schwindel", sagt der Rentner.

Die von englischen Zeitungen verbreitete These, dass die Nazis die Erkenntnisse der Hundelehrerin für Kriegszwecke nutzen wollten, hält Dietzel für falsch: "Wenn sie etwas mit Nazis zu tun gehabt hätte, hätte sie nach dem Krieg nicht mehr auftreten dürfen".

Britische Zeitungen hatten in der vergangenen Woche berichtet, dass die Fabrikantentochter Margarethe Schmidt in ihrer Villa in Leutenberg- heute ein Wohnheim für straffällige Jugendliche - Hunden das Sprechen, Rechnen und Denken beibringen wollte. Laut Prospekt kannten die Tiere auch die Uhrzeit, verbesserten Schreibfehler und konnten Menschen charakterisieren.

Sogar das Militär habe sich damals dafür interessiert, um die Tiere für Kriegszwecke einzusetzen. Einem schwedischen Arzt zufolge soll sich Hitler persönlich für die Leutenberger Schule eingesetzt haben.

Darüber können alte Leutenberger allerdings nur staunen. Margarethe Schmidt, die "Hunde-Grete", sei ein bisschen komisch gewesen, habe keinen Mann gehabt und sei nach dem Krieg "nach drüben gemacht", erzählen die Einwohner, die sie noch gekannt haben.


Thomas Spanier / 31.05.11 / OTZ
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