Bakterien-Alarm für Trinkwasser könnte auf Messfehler beruhen
Porträt
Die etwa 230.000 betroffenen Verbraucher des Versorgers ThüringenWasser (ThüWa) sind wegen Kolibakterien aufgerufen, vor dem Verbrauch das Leitungswasser mindestens fünf Minuten abzukochen oder Mineralwasser zu verwenden. Foto: Marco Kneise
Das Erfurter Trinkwasser ist möglicherweise gar nicht so hoch mit Darmbakterien belastet wie bisher angenommen. Die Behörden schließen fehlerhafte Messungen nicht aus. Das Institut für Wasser- und Umweltanalytik weist indes Vorwürfe möglicher Messfehler zurück und erhebt seinerseits Vorwürfe.
Erfurt/Luisenthal. Der bisherige Verlauf der Messergebnisse schließt nicht aus, dass auch Fehler eine Rolle spielen könnten. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums wollte dies nicht bestätigen. Seinen Angaben zufolge wird jede Probe fortan aber von zwei unabhängigen Instituten geprüft. Laut dem Ministerium schwankten die Messergebnisse sehr. Die positiv ausgefallenen Proben waren offenbar alle in einem Labor getestet worden. Am Montag war der Fund von Darmkeimen im Erfurter Trinkwassernetz bekannt geworden. Daraufhin wurde ein Abkochgebot erlassen, dass inzwischen für 280.000 Verbraucher gilt.
Labor wehrt sich gegen Vorwurf falscher Messungen
"Wir schließen einen Fehler kategorisch aus", sagte Geschäftsführer Wolfgang Möller am Donnerstag in Luisenthal (Landkreis Gotha). Möller sagte weiter, er habe am Freitag vergangener Woche den Fund von Koli-Bakterien gemeldet. Erst am Montag hätten die Versorger regiert. Die Behörden hätten wohl erst ab Dienstag eigene Kontrollen durchgeführt. "Die Beamten arbeiten wohl am Wochenende nicht." In Thüringen hat es indes bisher keinen Anstieg von Durchfall-Erkrankungen infolge des verunreinigten Trinkwassers gegeben. "Wir haben nicht mehr Fälle als normal", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag in Erfurt. Die Erkrankung durch Koli-Bakterien sei meldepflichtig, die Gesundheitsämter müssten daher informiert werden. Am Montag waren im Trinkwassernetz die Darmkeime gefunden worden. Derzeit sei nicht davon auszugehen, dass das daraufhin erlassene Abkochgebot für etwa 280.000 Betroffene aufgehoben wird, sagte der Sprecher. Zunächst müsse die Quelle der Verunreinigung gefunden werden. Zu Wochenbeginn waren Experten davon ausgegangen, dass das Gebot in der Region Erfurt am Donnerstagabend aufgehoben werde. "Die jüngsten Ergebnisse der Wasserproben ergaben indes keine neue Gefährdung", sagte Ralf Rauch, Hauptgeschäftsführer der Thüringer Fernwasserversorgung, am Mittwoch unserer Zeitung. In den bisher untersuchten Proben seien keine weiteren Krankheitserreger außer den bereits bekannten Kolibakterien entdeckt worden: "Viele der Proben waren gänzlich ohne Erreger", sagte Rauch. Um die Kolibakterien abzutöten, werde das Trinkwasser seit Montag mit Chlor versetzt.
Weiterhin gilt: Trinkwasser fünf Minuten lang abkochen
Von dem belasteten Trinkwasser betroffen sind vor allem Erfurt und Umgebung, der Landkreis Sömmerda sowie die Gemeinde Kutzleben im Unstrut-Hainich-Kreis. Hier gilt unverändert die Empfehlung der Gesundheitsämter: Trinkwasser fünf Minuten lang abkochen. Derzeit wird das Wasser alle sechs Stunden kontrolliert. "Mit dem Untersuchen unserer Proben sind externe Labors beauftragt", erklärte der Biologe Hartmut Willmitzer, der bei der Thüringer Fernwasserversorgung für die Wasserqualität verantwortlich ist.
Die Ursache für die Koli-Verunreinigung sei allerdings noch nicht gefunden worden, räumte Rauch ein. Fest stehe aber: "Die Ohratalsperre und das Wasserwerk in Luisenthal können als Quelle ausgeschlossen werden." In Luisenthal beginnt die Trinkwasserfernleitung. Die Wasserexperten vermuten, dass sich die Ursache für die Belastung mit Kolibakterien zwischen Luisenthal und dem Hochbehälter Bienstädt im Kreis Gotha befindet. Als Auslöser seien "tierische Rückstände" wahrscheinlich. Wie diese in das sterile Trinkwassersystem gelangt sein könnten, ist bisher jedoch unklar.
Ursachenforschung hält an
"Wir haben noch einmal eine gründliche Besichtigung der dafür infrage kommenden Anlagen und Bauwerke angeordnet", so Rauch. Zunächst sollen dafür auch zwei Hochbehälter mit jeweils 10.000 Kubikmeter Wasser abgelassen werden. Erste positive Proben von Kolibakterien wurden bereits vergangenen Freitag entdeckt. Diese Ergebnisse seien durch die Gegenproben vom Sonntag aber nicht bestätigt worden, sagte Hartmut Willmitzer von der Fernwasserversorgung. Es dauere mindestens 24 Stunden, bis die Ergebnisse mikrobiologischer Untersuchungen vorliegen. In weiteren Proben vom Montag seien wieder Kolibakterien gefunden worden. Daraufhin schickte das Gesundheitsamt die Warnung heraus: Im Gebiet von Erfurt und Umgebung solle das Leitungswasser mindestens fünf Minuten lang abgekocht werden. Positive Proben fanden die Experten an sechs Stellen des Wasserversorgungssystems. Betroffen waren die Hochbehälter in Arnstadt, Gotha/Seebergen und Bienstädt sowie eine Messstelle hinter dem Wasserwerk Luisenthal und zwei Abzweigungen von Rohrleitungen bei Ohrdruf im Kreis Gotha.
Kein aggressiver Keim gefunden
Im Mai 2011 versetzte das Ehec-Bakterium die Deutschen in Angst und Schrecken. Foto: Alexander Volkmann
Erst am Mittwoch konnten die Koli-Proben der vergangenen Tage im Labor ausgewertet werden. Es dauert mindestens 24 Stunden, ehe die "Zucht" auf dem Nährboden der Petrischalen (siehe Bild) gedeiht. Glücklicherweise handelt es sich bei den gefundenen Erregern nicht um aggressive Keime. Die "Escherichia coli" genannte Bakterie kommt im menschlichen und tierischen Darm vor. Sie gilt als "Fäkalindikator". Sollte sie in Lebensmitteln oder Trinkwasser nachgewiesen werden, ist dies ein Hinweis auf Verunreinigungen tierischen oder menschlichen Ursprungs. Die Bakterie muss aber nicht krankheitsauslösend sein.
Bakterien-Alarm für Trinkwasser könnte auf Messfehler beruhen
Kommentare
13.07.12 - 10:35
Der, dessen Name nicht genannt werden darf
An alle, die sich für "Trinkwasser-Experten" halten: Wenn man keine Ahnung hat,... Wie sich mir der Magen umdreht, wenn ich mir diese Seite (Artikel und Kommentare) durchlese. Da wird irgendwelches Halbwissen postuliert, Unternehmen in den Dreck gezogen und sich auf Gesetze berufen, die es seit elf Jahren nicht mehr gibt. Aber was rege ich mich auf? Am Ende weiß es eh jeder besser. Für die, die sich angesprochen fühlen und die Artikel der TLZ wohlwollend lesen, anbei noch ein Link zu einer vergleichbaren Gazette zum selben Thema: http://tinyurl.com/bqqn7pb
12.07.12 - 22:01
Stinkstiefel
@Christian Bauer: Das Medium(Mittel) kann die Qualität der Information nur so wiedergeben, wie es das Medium erhalten hat. Die Zeitung ist am Chaos nicht schuld, sie transportiert nur das Chaos aus den verantwortlichen Stellen. Über die Qualität verantwortlicher Stellen in Thüringen ist jeder Kommentar überflüssig. Wenn nichts mehr erklärt werden kann wird wohl die alte SED Seilschaft oder die Stasi herhalten nmüssen. ;-)
12.07.12 - 21:05
christian bauer
einfach menschliches versagen, panikmache und volksverdummung. zu viele leute kümmern sich um zu kleine angelegenheiten. "viele köche verderben den brei". die TA berichtet nur was andere vom besten geben. die zeitung schlecht zu reden ist ebenfalls unqualifiziert. erst nachdenken dann reden & schreiben.
12.07.12 - 20:47
Korrektur!!!
Zitat:" Verbraucher in der Region Erfurt sind dazu angehalten, Trinkwasser vor dem Trinken, Kochen oder Zähneputzen fünf Minuten abzukochen. Betroffen sind die gesamte Landeshauptstadt sowie die Gemeinden des Trinkwasserzweckverbandes Erfurter Becken. Im Leitungswasser in Erfurt und Umgebung wurden Kolibakterien nachgewiesen." Zitat Ende. Auch diese melkdung ist nicht ganz korrekt, es muss heissen: "Die Verbraucher sind 5 Minuten vor dem Trinkwassergenuss abzukochen." Mal sehen, welche Ente nun passt. Kann auch sein, auf den Kulturen der Beprobung hatte sich Weihrauch aus dem Eichsfeld niedergeschlagen bzw eine heilige Stuhlprobe ist ausgebüxt.
12.07.12 - 19:17
zwiebel
Ich lese hier immer wieder, dass Leute ihr ABO kündigen wollen. Wusste garnicht, dass dieses Wurstblatt überhaupt noch Abonennten hat.
12.07.12 - 19:05
ein zahlender Bürger
Messfehler...? Der arme Bürger welcher sein Wasser aus Angst jeden Tag 5 min hat kochen lassen, wer übernimmt jetzt einen Teil seiner Stromrechnung. Aber so haben wenigstens die Stadtwerke durch den verkauften Strom und das Gas und der Mineralwasserhändler sein Geschäft gemacht, gab es da vielleicht eine Absprache.
12.07.12 - 15:18
Online-Redaktion
@ Benson: Der Artikel wird in wenigen Minuten aktualisiert.
12.07.12 - 14:23
Benson
Hallo liebe Redakteure.....Ist es euch möglich einfach und verständlich für den Leser zu vermitteln was nun los ist....?? Schaut mal auf MDR.de da wird euch geholfen!!!
12.07.12 - 13:41
Thorsten Berger
@TA-Leser: Abo-Kündigungen sind aber die einzige Sprache, die man bei einer Zeitung versteht (ausser vielleicht ein Paul-Josef "Doppel-D" Raue).
12.07.12 - 13:28
ich
wie soll das chlor an jeden hausanschluss kommen, wenn keine ausreichende abnahme mehr erfolgt ? das leitungsnetz dürfte noch seeeeeeeehr lange mit den bakterien voll sein. ich will gar nicht wissen, was da teilweise für alte leitungen noch drin liegen, da können sich keime wunderbar einnisten. eigentlich müsste es irgendwelche schnelltests für jeden verbraucher geben, damit man relativ sicher sein kann. aber wenn die quelle nicht gefunden wird, ist es alles andere als sicher. mal schauen wie das noch eiter geht.
12.07.12 - 13:05
BLA
"Kein aggressiver Keim gefunden" - Bin ich der einzige der dies nicht versteht... Bisher gab es keine Informationen um welchen Stamm es sich genau handelt. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, das es bei dem Stand der heutigen Technik so lang dauern soll um den genauen Stamm zu ermitteln! Also bitte einmal genauere Informationen!!!!!
12.07.12 - 11:42
Joachim F.
"Die Gefahr ist gebannt" – es gibt nur noch E.Coli ????--------------------------------------???? Was gab es vorher noch????- denke ich nach den oben zitierten Äußerungen von Herren Ralf Rauch, wenn es jetzt nur noch E.Coli gibt!!!!!!!!!------------- Wer hat eigentlich zu verantworten, dass die ersten Ergebnisse des Nachweises von e.Coli im Leitungsnetz, das unter anderem auch Erfurt versorgt, vom Freitag, d. 06.07.2012, also mehrere Tage bevor das Gesundheitsamt und die Stadtwerke Erfurt am 09.07.2012 informierten, nicht sofort mitgeteilt wurden? Nach aktuellen deutschen Gesetzen (Trinkwasserverordnung, Seuchenschutzgesetz,...) sind solche Ergebnisse vom Untersuchungslabor und den Betreibern direkt und sofort an das zuständige Gesundheitsamt zu melden. Nach dem Vorliegen der Gegenprobe ist erneut darüber zu unterrichten. Seit Freitag hatte man auch genügend Zeit um durch Anlegen von Kulturen und deren Untersuchung den genauen Typ des e.Coli zu bestimmen. Die Verantwortlichen haben dieses bis heute nicht veröffentlicht, oder die beauftragten Labore sind das Geld für dieses Untersuchungen nicht Wert. Man kann natürlich den genauen Stamm vertuschen wollen weil er gefährlich sein könnte und zum Beispiel EHEC und HUS auslösen. Um umfassende und wahrheitsgemäße Antworten, nicht solchen Schwachsinn wie die "Gefahr ist gebannt" sollte sich die TA im Rahmen ihres Informationsauftrages kümmern. Bis jetzt hat man den Eindruck, dass dort echter investigativer (die Ursachen erforschender) Journalismus nicht gewollt oder nicht gekonnt ist. Bestes Beispiel hierzu ist der Beitrag: "Nachrichten-Überblick zur Verunreinigung des Leitungswassers in Thüringen. Verbraucher in der Region Erfurt sind dazu angehalten, Trinkwasser vor dem Trinken, Kochen oder Zähneputzen fünf Minuten abzukochen. Betroffen sind die gesamte Landeshauptstadt sowie die Gemeinden des Trinkwasserzweckverbandes Erfurter Becken. Im Leitungswasser in Erfurt und Umgebung wurden Kolibakterien nachgewiesen. Dies hat Auswirkungen auf viele Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens. Anja Derowski / 10.07.12 / tag Z85C7AG260267 " Ich hoffe dafür hat man nicht noch Honorar oder Arbeitszeit bezahlt. Bezüglich einiger angebrachter Kommentare zu den Artikeln der Berichterstattung über e.Coli ist es Beschämend zu sehen, welchen Intellekt einige hier zum Besten geben, oder besser gesagt, welchen Schwachsinn manche von sich geben. Diese sind keinen Deut besser als diejenigen, die das Informationsdefizit bewusst oder unbewusst verursacht haben und weiter verursachen. Immerhin sind nach der EHEC Welle im Jahr 2011 laut Abschlussbericht des RKI (Robert-Koch-Institut) 35 Patienten an HUS und 18 an Gastroenteritis, gesamt 53 Personen verstorben.
12.07.12 - 10:19
TA-Leser
@kein Kranich: Wenn aber keiner mehr die gedruckte TA liest, wage ich zu behaupten, dass es Online auch nicht mehr viel zu lesen gibt. Wo wollen Sie denn dann über die schlechten Regionalnachrichten meckern, wenn es keine mehr gibt?
12.07.12 - 10:14
kein Kranich
@R.Köhler: die qualität und die art der berichterstattung lassen schon lange zu wünschen übrig, da gibt es nur eine lösung: abo kündigen
12.07.12 - 08:38
Holger
Die Thüringer Allgemeine wäre wohl mittlerweile mit dem zusätzlichen Prädikat BILD treffender deklariert.
12.07.12 - 08:37
Genervter
Fehler korrigiert! Wie kleinkariert kann man sein. Ich empfehle den Duden zu studieren und die Bedeutung des Wortes gebannt nachzuschlagen. Was kann der Wasserversorger und die TA dafür, dass vorsorglich seitens des Gesundheitsamtes "empfohlen" wird, das Wasser noch bis zum Wochenende abzukochen. Zudem wird auch beschrieben, dass es sich um nicht krankheitsauslösende Keime handelt. Damit ist die "Gefahr"-Bedeutung bitte im Duden nachschlagen-gebannt.
12.07.12 - 08:11
Wasserkocher
Da muss ich Herrn Köhler aber recht geben. Wenn die Gefahr gebannt wäre, gäbe es doch kein Abkochgebot mehr. Korrekterweise sollte die Überschrift wohl heißen, dass die Gefahr frühestens am Wochenende vollständig gebannt sein kann.
12.07.12 - 07:48
R. Köhler
Die heutige Schlagzeile der TA: "Wasserversorger: Koli-Gefahr in Thüringen ist gebannt" ist schlicht weg falsch. Dem Leser wird damit suggeriert, dass das Trinkwasser wieder bedenkenlos getrunken werden könne. Im Text des Artikels wird dann auf das weiterhin bestehende Abkochgebot verwiesen. Ich hätte nicht gedacht, dass die TA so weit geht und die Bürger bewusst belügt. Ich werde wohl die TA abbestellen nun müssen. Das es mit der "freien" Presse einmal soweit kommt, hätte 1990 niemand gedacht.