Bekannter Gitarrist veranstaltet Workshop für Musikschüler aus Rudolstadt
Porträt
Der Berliner Songwriter "Lüül" übt mit den Rudolstädter Musikschülern Elli, Clara und Maximilian (v. links) für das gemeinsame Konzert. Foto: Roberto Burian
Zeitreise mit Berliner Musiker: Songwriter und Autor Lüül gibt Rudolstädter Musikschülern bei Workshop Einblicke in sein bewegtes Leben.
Rudolstadt. Alles groovt am Donnerstagnachmittag in einem Unterrichtsraum der Musikschule in Rudolstadt-Volkstedt. Der Berliner Lutz Graf-Ulbrich, alias Lüül, einst einer der profiliertesten Gitarristen der Krautrock-Szene und heute eher folkiger Liedermacher, ist nach Rudolstadt gekommen. Die Jugendlichen bekommen im Workshop Einblicke in ein bewegtes Musikerleben und erarbeiten mit der Don Stefano Band einige seiner Lieder. Der Weitgereiste steht für fast fünfzig Jahre deutsche Musikgeschichte. Er war in Las Vegas, verbrachte mit Velvet-Underground-Diseuse Nico einige Jahre auf der Bühne und wurde ihr Liebhaber, holte sich seine Ideen für die Musik bei den Punks auf den Straßen von Mexico und lebte in Berlin und New York. Mitte der 90er Jahre hat er die Band 17 Hippies mitbegründet. 2003 gastierte die beim Tanz- und Folkfest. Vor ein paar Jahren hat er ein Buch über seine Geschichte als Musiker geschrieben. Lüül fängt mit seinen Erzählungen nicht nur Momente seines eigenen Lebens ein, sondern hält Empfindungen und Geschehnisse einer ganzen Generation zwischen diesen Seiten fest.
Klar, dass die Jugendlichen nun ganz besonders aufgeregt sind, als sie mit dem prominenten Gast musizieren dürfen. Maximilian (13) spielt seit drei Jahren Keyboard und findet das Ganze "supercool". Auch Clara, die bereits seit sieben Jahren das Gitarrespielen erlernt, macht dem Berliner, ebenso wie Freundin Elli (beide 12), die Akkordeon spielt, ein Kompliment. "Er ist total sympathisch und kann gut erklären", sagen die beiden. Dann wird ein Tango geprobt. Für die Teenager eine Herausforderung, denn der Gast spielt dazu Banjo. Clara rockt wenig später auf ihrer E-Gitarre "Apache" von den Shadows, ein Lieblingssong aus Lüüls Jugendzeit. Gestern Abend zum Konzert in der Volkstedter Porzellanmanufaktur zeigen dann alle, was sie einstudiert haben. Unterstützt wird Lüül vom Amelie-Ensemble und den Musikern der Formation Artista del Silencio aus der Musikschule. Letztere spielen das Stück "Moabit", das mit stampfendem Rhythmus und trauriger Melodie von der Trostlosigkeit dieses Berliner Bezirks erzählt. Der Song die "Welle" beschreibt dagegen, wie Lüül fast im Meer ertrank. Mit der Don Stefano Band hat der Songwriter ein Feuerlied komponiert, das gestern Premiere feierte. Es wurde, wie das ganze Konzert, vom Publikum begeistert aufgenommen.