Mehr als 8000 Fans feiern "In Extremo" auf dem Petersberg
Porträt
Mehr als 8000 Fans pilgerten zum Jubiläumskonzert der Berliner Mittelalterrockband "In Extremo". Foto: Maik Ehrlich
Niederknien vor Götz Alsmann. In Extremo-Sänger "Das Letzte Einhorn" (alias Michael Rhein) holte den bekannten Jazz-Musiker erst zur Zugabe auf die Bühne. Er kniete nach dem gemeinsamen "Spielmann" vor dem Musiker nieder, bevor sich beide in die Arme fielen und von der Bühne gingen.
Erfurt/Altstadt. Auch Rhein hatte da schon eine Wandlung vollzogen, tauschte die bunte In-Ex-Jacke gegen den feinen Zwirn. 15 Jahre Bandjubiläum feierte die Mittelalterrockband aus Berlin mit dem Sänger aus dem thüringischen Dingelstedt auf der Zitadelle Petersberg. Und er Ort war nicht zufällig gewählt, Rhein: "Erfurt ist eine wunderschöne Stadt, vieles hier kenne ich aus meiner Kindheit. Die Zitadelle bietet das richtige Ambiente und liegt mitten in der Stadt".
8000 waren dazu bei angenehmen Temperaturen auf den Petersberg gepilgert, um auch Bands wie Ohrenfeindt aus Hamburg zu sehen, die ein wenig klangen wie das deutsche Pendant zu AC/DC. Oder Oomph, die selbst schon das 21-jährige Bandjubiläum feiern können. Oder Pothead. Einer Band, ebenfalls aus Berlin mit Wurzeln in Seattle, die normalerweise bekannt dafür ist, dass sie ihr eigenes Ding macht. Zuletzt haben sie vor 13 Jahren als Support für die Stoner-Rock-Giganten Helmet gespielt, drei Shows. Sonst kommen Pothead ohne Vorband oder als Vorband. Sie spielen zwei Stunden, trinken ein Bierchen und sind lautlos wieder verschwunden. Doch dieses Mal wurden sie eingeladen. Vom Gastgeber höchstpersönlich. In-Extremo-Sänger Michael Rhein: "Ich bin ein bekennender Pothead-Fan". Dabei hatten sie es anfangs schwer, bevor die Masse Zugabe skandierte: Denn bei Pothead geht es um die Musik, dort gibt es keine Show. Ganz anders das Bühnenbild bei denen, die Geburtstag feierten. In-Extremo hatten aufgetafelt: Feuerwerk, Feuerschalen, die Bühne hergerichtet mit Steuerrad und im Hintergrund immer wieder Dias aus vergangen Tagen. Die in schwarz-weiß, als die Jungs noch bubihaft wirkten. Und die, die in Farbe die Anfang 2000er in Schnappschüssen festgehalten haben. Worauf aber In-Extremo skandierende Fans am meisten warteten, war die einzigartige Musik der Berliner. Als Vorreiter in dem Genre haben sie einen Trend gesetzt, der inzwischen zu einer ganze Musiksparte geworden ist. Mit ihrem Song "Raue See" legte "Das Letzte Einhorn" einen umjubelten Start hin. Spielte dann 18 Titel bis Alsmann im Anzug auf die Bühne kam. Während sich die Gästen am Sonntag am Nachmittag auf dem Mittelaltermarkt vergnügten, nahm das Festival gegen 17.15 Uhr mit Fiddlers Green, die ebenfalls schon oft in Erfurt gespielt haben, irisch-Bayerischen Fahrtwind auf. Danach wurde es erneut bunt auf der Bühne: Die finnischen Korpiklaani brachten ebenfalls mittelalterliche Instrumente mit, bevor In Extremo ebenso furios und farbenprächtig in ihr zweite Konzert an diesem Wochenende starteten und es gegen 22 Uhr ausklingen ließen.