Reimann unterschreibt Vertrag bei FC Carl Zeiss Jena
Porträt
Stürmer Christian Reimann (links) unterschrieb einen Ein-Jahres-Vertrag bei FC Carl Zeiss Jena. Foto: Tino Zippel
"Wir werden Kanonenfutter in der dritten Liga." Der bekannte Zeiss-Fan hält die Hand vor den Mund, als er das flüstert. Am Rande des Jenaer 11:0-Testspielsieges gegen Eintracht Eisenberg sorgten sich viele Fans, der Kader sei wegen der Finanzprobleme viel zu schwach.
Eisenberg. Jenas Trainer Jürgen Raab, der zum ersten Mal auf der Bank saß, ließ Linksverteidiger Ronny Nikol und Angreifer Christian Reimann (Foto) debütieren. Vor allem über letztere Personalie diskutierten die Zuschauer leidenschaftlich. Der 30 Jahre alte Stürmer, der aus Stadtroda stammt, unterschrieb einen Ein-Jahres-Vertrag, der allerdings noch vom Zeiss-Aufsichtsrat bestätigt werden muss. Reimann spielte erst eine Saison in der dritthöchsten Spielklasse, traf damals in der Regionalliga in 15 Spielen für Magdeburg einmal. "Mich spornt unglaublich an, nun in die dritte Liga zu kommen", sagt der Angreifer, dem Wundersames widerfuhr: vom Fünftligisten aussortiert, vom Drittligisten verpflichtet. Vorige Saison stürmte er für RB Leipzig, die nach dem Aufstieg mit eisernem Besen kehrten und sogar einen Großteil des Gehaltes weiter tragen, um den Stürmer loszuwerden. "Er hat einen guten Zug zum Tor, ist bissig", sagt Raab. Und Reimann untermauert, er wolle "rackern und kämpfen, um den Sprung in die Mannschaft zu schaffen". Sein Können ließ er aufblitzen, traf doppelt gegen das Landesklasse-Team. Er empfahl sich als Vorlagengeber, war in einigen Situationen gar zu uneigennützig und spielte ab statt zu schießen.
Sein Kollege Orlando Smeekes lief eher auf Sparflamme. Ihm war anzumerken, dass er sich vor dem Probetraining bei Coventry City bloß nicht verletzen will. Gestern fuhr der Niederländer nach Österreich, wo das englische Zweitliga-Team ein Trainingslager absolviert. Überzeugt Smeekes beim einwöchigen Vorspielen, wechselt er gegen 200.000 Euro Ablöse und die Jenaer haben ein weiteres Loch im Kader. Besonders düster sieht es in der Innenverteidigung aus. Denis Osadchenko brach sich in Eisenberg ohne gegnerische Einwirkung den Mittelfuß. Ab Montag spielen gleich vier Innenverteidiger vor. Nur der Name Kai Gehring (22, Wehen-Wiesbaden) war gestern von Sportdirektor Lothar Kurbjuweit zu erfahren. Noch bis Dienstag bleibt der Verein im Ungewissen, ob Torhüter Carsten Nulle wechselt. "Wir wollen konkurrenzfähig sein", formuliert Raab das oberste Ziel für die verbleibenden drei Wochen bis zum ersten Punktspiel. Der hohe Sieg in Eisenberg, wo Hähnge (2), Mayombo (2), Reimann (2), Tobias Kurbjuweit, Wuttke, Smeekes, Truckenbrod und Riemer trafen, ist keinerlei Maßstab dafür.