Thüringer holt bei "Wetten Dass" die Sterne vom Himmel
Porträt
Thomas Gottschalk mit Wettkönig Günter von Lojewski. Foto: Carmen Sauerbrei/ZDF
Der Erfurter Günter von Lojewski riet bei "Wetten Dass" unter 5000 Sternen die drei richtigen heraus. Am Ende einer langen, turbulenten Show wurde er der Wettkönig von Salzburg und feierte das bis fünf Uhr morgens.
Salzburg/Erfurt. Aus der Puppenstube ins Stadion. Das ungefähr ist die Dimension. Günter von Lojewski erläuft sie mit wenigen Schritten. Er steht im Scheinwerferlicht, vor ihm sitzen einige hundert Zuschauer. Er sieht sie kaum, das Scheinwerferlicht blendet. Es macht optimale Bilder für knapp zehn Millionen Menschen in den Wohnzimmern. Wer sich das vorstellen kann, ist ein Angeber. Günter von Lojewski ist Lehrer für Mathematik, Physik und Informatik am Berufschulzentrum Gotha-West und 62 Jahre alt. Als ihm Techniker das Mikrofon und die Kabel in die Kleidung stecken, denkt er noch: Du alter Esel, was tust du hier? Du kannst dreimal daneben liegen, und alle werden lachen. Es herrscht eine Hektik, das halten deine Nerven nicht mehr aus. Am Samstagnachmittag um 15 Uhr muss er als einziger Wettkandidat zur Zusatzprobe. Üblicherweise proben am Donnerstag alle, am Freitagabend gibt es die Generalprobe. Am Samstag haben die Wettkandidaten Ruhe bis zum Abend. Günter von Lojewski muss öfter erscheinen. Dabei hat er bereits vor vier Wochen in Erfurt vier Stunden lang geprobt. Die Wette soll den Zuschauern plausibel übermittelt werden und so, dass niemand Schummelei unterstellt. Beim Fernsehen reden viele mit. In Salzburg wird die Variante von Erfurt zunächst vertan. Am Samstag gegen 16 Uhr ist eben die wieder aktuell. Günter von Lojewski bleibt in der Halle. Er hat eine kleine Lounge. Dahin zieht er sich zurück. Die Augen müssen ausgeruht, die Netzhaut bei voller Empfindlichkeit sein, sonst kann er gleich einpacken. Er isst etwas aus Vernunft und schenkt freudig überrascht in Österreich eine Vita-Cola ein. In der Tasche wartet noch Thüringer Waldquell. Wasser als Mutmacher aus der Heimat. Die Frau und einige Schüler sitzen im Publikum. Tochter Franziska arbeitet in Chicago. Sie ruft an, um zu sagen, dass sie die Sendung sehen kann. Er betritt die Bühne, äußerlich ruhig wie immer. Innen brodelt alles. Dazu kommt ein Schreck. Die Kulisse sah er so noch nie. Offensichtlich wurde bis zuletzt gebaut. Michelle, die seine Wette weiß, sitzt im Publikum. Thomas ist unkundig und soll Anna Netrebko einweisen. Nichts geschieht wie in der Probe. Immerhin sind die Schüler da. Sie halten tapfer ihr Transparent hoch. Günter von Lojewski lässt das Pult wegrücken. Er braucht einen bestimmten Abstand, er muss den Knüppel blind benutzen und dabei auf das Sternenbild schauen. Während er sich warm schaut, merkt er, dass die Notlampen der Sitzreihen auf dem Bild wie Sterne blinken. Sie waren während der Proben vor leeren Reihen natürlich nie an. Als Nörgler kommt er rüber, wenn er das jetzt anmerkt? Soll er es besser hinnehmen und die Niederlage riskieren? Die Fragen jagen durch den Kopf. Er könnte davonlaufen.
Notlampen müssen sein. Das Stören hat keiner vorausgedacht. Gottschalk spannt das Publikum ein. Anna Netrebko ist geschickt. Ein Stern, noch einer. Der dritte Stern wird der schwerste. Sie löscht einen halben Doppelstern. Damit hat Lojewski nicht gerechnet. Die Anspannung schärft seine Sinne. Gottschalk hat Momente lang seine Gesichtszüge nicht in der Gewalt, er guckt, als glaubt er zu träumen. Der Wettkandidat findet auch den dritten Stern. Zwischendrin sagt Michelle, er werde die Technik noch erklären. Dazu kommt es nicht, dafür fast zum Kniefall. Der Moderator verneigt sich tief. Und macht weiter im Programm. Günter von Lojewski kann seine Augen bewusst steuern, kann sie, wie er will, scharf stellen und diesen Zustand stabilisieren. Wenn der Mensch auf einen Gegenstand schaut, checken Hirn und Augen das normalerweise automatisch. Lojewski sieht bei der Wette nicht direkt auf das Bild mit den Sternen. Er stellt die Schärfe anders ein, sieht anders, was er sich über Jahre antrainierte. Er geht erleichtert hinter die Bühne und denkt: Drei derart schwierige Sterne hättest du in der Probe niemals gefunden. Überall hängen Monitore. Die Anspannung schwindet allmählich. Die Sendezeit ist lange überzogen, als die Kandidaten gemeinsam zur Bühne müssen. Das noch, dann ist es geschafft. Die Wetten mit Wurstwasser, Klettertunnel und Eiern sind weniger gefragt. Der Treppenläufer und das Superhirn sind im Finale. Günter von Lojewski gewinnt. Er reißt die Arme hoch. Ein Physiklehrer, der mit seinen Augen machen kann, was er will, und bald aus dem Schuldienst geht, wird in Europas größter Live-Show Wettkönig. Der Abspann läuft, es ist vorüber. Günter von Lojewski, weitläufig verwandt mit dem Journalisten Wolf von Lojewski und wie der mit lebenslanger Entdeckerlust gesegnet, kann es kaum glauben. Er erledigt die Formalitäten. Ein Chauffeur bringt ihn von der Halle zum Hotel, wo die Party nach der Show beginnt. Es ist ein Tisch reserviert. Günter von Lojewski feiert mit seiner Frau, der Schuldirektorin aus Gotha, und den Schülern, die mitreisen konnten, bis in den Morgen. Beinahe hätte er das Handy überhört. Franziska (33) meldet sich aus Chicago: "Papa, du bist toll."
Thüringer holt bei "Wetten Dass" die Sterne vom Himmel
Kommentare
31.03.10 - 14:44
Hermann Schaare
Sind Gottschalk/ZDF in der letzten ?wetten das?, vom ?Wettkönig?, wenn nicht betrogen, so doch massiv belogen und verarscht worden, und haben es nicht bemerkt ? Oder haben sie es gewußt und die Verarschung absichtlich an die Zuschauer weitergegeben ? Der ?Wettkönig? behauptete, sich 20 Jahre lang Sternenbilder eingeprägt zu haben, damit er erkennen kann wenn aus 5000 Sternen einer entfernt wird. Mitnichten. Die Sache ist viel einfacher, beruht auf der Parallaxenverschiebung der menschlichen Augen und ist von mindestens jedem 2. Menschen innerhalb kurzer Zeit erlernbar. Ich wette: Wenn man dem ?Wettkönig? die linke oder rechte (jeweils identische) Hälfte seiner Sterne entfernt hätte, oder ihm ein Auge zugehalten hätte, wäre er nicht mehr in der Lage gewesen, bei den verbliebenen (nur) 2500 Sternen einen fehlenden zu erkennen.