Rena Erfurth in der neuen Ausstellung "Hier und weg" im Glockenmuseum Apolda. Foto: Dieter Urban
In Apolda gehört es seit Jahren zum guten Ton, zeitgleich in unterschiedlichen Häusern in der Bahnhofstraße zwei Ausstellungen zu eröffnen. Das macht neugierig auf die jeweils andere und bündelt zudem Kräfte.
Während derzeit also im Kunsthaus Avantgarde Apolda zauberhafte Aquarelle und Radierungen zu "Reisen mit William Turner" locken, lädt das benachbarte Glockenmuseum ein, sich mit der eigenen Stadt auseinanderzusetzen. Nicht von ungefähr, denn das ob seiner einst blühenden Textilindustrie als "ManchesterThüringens" gefeierte Apolda kämpft mit argen Strukturproblemen und hat zudem eine ungünstige demographische Entwicklung zu bewältigen. Was lag da näher, als sich in einem Kunstprojekt mit diesen Problemen zu beschäftigen, sagte sich Museumsleiterin Rena Erfurth. Und lud dazu die Kölner Künstlerin Sandy Craus ein, die auf Apoldaer Wurzeln verweisen kann und in Zusammenarbeit mit Jugendlichen der Stadt auf Spurensuche gegangen ist. "Hier und weg", heißt die Ausstellung, die hinter marode Industriearchitektur und die Fassaden einst prächtiger Fabrikantenvillen blickt und Fragen stellt wie: Welche Gründe sprechen für ein Weggehen, welche für ein Hierbleiben? Wie gelingt die Identifikation mit der eigenen Stadt und wo liegen die Perspektiven für junge Leute? Wunschkonzert und Kreisverkehr Bereits im Vorfeld blickte Sandy Craus in Workshops mit den Jugendlichen in die Zukunft. Die entstandenen Interviews laufen als Videoschleife auf einem Monitor. In einem anderen Bereich findet sich eine Installation mit Pappschildern, auf denen Argumente und Aussagen Apoldaer Bürger zu finden sind. Irgendwie gleicht der Parcours einem wenig erfreulichen Kreisverkehr, denn Bemerkungen wie "Nüscht los hier", "Hier kann man nix machen" oder "Dankt einem eh keiner" kommen einem sehr bekannt vor. Aber ist das wirklich so? Auch mit der Kamera war Sandy Craus unterwegs und hat den Fokus auf verwinkelte Straßen und schmale Gassen, auf Details an den Häusern und die Gesichter der Menschen gerichtet. Als schmales Band aneinandergereiht, können sich Besucher dadurch selbst ein Bild von der Stadt machen. Interessant ist das "Wunschkonzert" im Flur, bei dem die Künstlerin eine Reihe weißer Ballons gebündelt hat, die unter der Decke schweben und deren Fäden bis auf den Boden reichen. Der Besucher ist aufgefordert, seine Wünsche, Vorstellungen und Zukunftsvisionen von Apolda auf kleine Zettel zu schreiben und diese an die Schnüre zu kleben. Die Ausstellung, und das macht sie zu etwas ganz Besonderem, ist längst nicht fertig. Mit jedem Besucher, der sich mit seinen Bedenken, Hoffnungen und Überlegungen von einer lebenswerten Stadt einbringt, nimmt sie weiter Gestalt an. Eine kluge Idee, sich ausgerechnet in einem Museum mit der Zukunft zu beschäftigen.
Ab Mitte April widmet das Kunsthaus Honoré Daumier, dem "Michelangelo der Karikatur" eine Ausstellung, das Glockenmuseum ist dann den Mythen Islands auf der Spur. ! Zu sehen: bis 9. April, Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr
Das Kunsthaus der Avantgarde und das Apoldaer Glockenmuseum stellten am Dienstag ihre Jahresprogramme für 2012 vor. Die diesjährigen Besucherzahlen sind nicht zu toppen. Kunst, Erz und Klang öffnet am Vorabend des Weltglockengeläuts.
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Das Andersen-Märchen vom Kaiser, der sich von zwei Betrügern für viel Geld neue Gewänder weben lässt, die gar nicht existieren, gehört wohl zu den klügsten Märchen überhaupt und hält vor allem den Erwachsenen den Spiegel vor. Der Schwindel nämlich fliegt erst auf, als ein Kind erschrocken ausruft, der Kaiser habe ja gar keine Kleider an.
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