Erfurter Bahn stellt Regioshuttle 1 für das Ostthüringer Dieselnetz vor. Halt am Bahnhof in Triptis. Foto: Tino Zippel
Die Erfurter Bahn übernimmt nach der gewonnenen Ausschreibung ab 10. Juni viele Linien in Ostthüringen von der Deutschen Bahn. Die Fahrgäste müssen sich an neue Fahrzeuge gewöhnen: Die OTZ stellt den Regioshuttle 1 vor.
Gera. Morgen in einer Woche bricht im Ostthüringer Bahnverkehr ein neues Zeitalter an. Die Erfurter Bahn fährt unter dem Markennamen Elster-Saale-Bahn vor und will täglich 14 000 Fahrgäste befördern. Der Übergang erfolgt stufenweise, weil der Hersteller von 37 neuen Fahrzeugen erst 13 geliefert hat. Wir wagen vorab einen Blick in einen Triebwagen vom Typ Regioshuttle 1, der 1,8 Millionen Euro kostet. 1. Spurtstarke Motoren
Klaus Schneppe aus Weimar steuert seit elf Jahren die Züge der Erfurter Bahn.
Triebfahrzeugführer Klaus Schneppe lobt die Fahrleistungen. Der RS 1 fährt maximal 120 Kilometer pro Stunde. Zwei Motoren mit je 265 Kilowatt gewährleisten eine flottere Beschleunigung, so dass die Züge auf einigen Strecken ein paar Minuten weniger brauchen als bislang. Die Motoren erfüllen modernste Abgasnormen durch den Zusatz von Harnstoff in der Reinigungsanlage. 2. Variabler Fahrgastraum
Blick in die zweite Klasse.
Jeder Triebwagen verfügt über 70 Sitzplätze, darunter sieben in der mit einer Glasscheibe abgeteilten ersten Klasse, und 70 Stehplätze. Mitgezählt sind bereits die Klappsitze in den Mehrzweckbereichen für Rollstühle und Kinderwagen. Einige Fahrräder finden Platz - im Sommer will die Erfurter Bahn auf stark beanspruchten Linien drei Sitzreihen ausbauen, um zusätzliche Stellplätze zu schaffen. Das Raumangebot ist geringer als in den bisherigen Triebwagen der Baureihe 642. Jedoch will die Erfurter Bahn bei 60 Prozent der Fahrten mit mehr als einem Wagen fahren. Auf stark ausgelasteten Strecken von Gera nach Weimar mit 4000 bis 5000 Fahrgästen pro Tag sollen bis zu vier Wagen im Verbund fahren. 3. Fahrscheine im Zug
Zugbegleiterin Ramona Schäfer mit dem Fahrkartenautomat
Im Gegensatz zu heute verkaufen die Zugbegleiter wie Ramona Schäfer wieder regulär Fahrkarten. Mehr Züge als bislang sind mit Servicepersonal besetzt, um Kundenfragen zu beantworten. Zudem steht in jedem Wagen ein Fahrscheinautomat bereit, der Münzen und Geldscheine, aber auch EC- und Kreditkarten akzeptiert. Mobile Reinigungstrupps - gebucht von der Deutschen Bahn - säubern tagsüber unterwegs die Züge.
4. Geräumige Toilette
Die behindertengerechten Toiletten sind mit einem Wickeltisch ausgerüstet.
Die Wagen sind nach neuesten Normen für behinderte Menschen ausgestattet. Rampen helfen Rollstuhlfahrern, vom Bahnsteig ins Innere zu kommen. Die Erfurter Bahn empfiehlt, den Reisewunsch vorher anzumelden, um den Zug mit einer Servicekraft zu besetzen. Prinzipiell sei es aber mit Rollstuhl möglich, ohne Voranmeldung mitzufahren, sagt Geschäftsführer Michael Hecht. Die Toilette ist extra geräumig ausgelegt, auch ein Wickeltisch vorhanden. Am Stellplatz für Rollstühle befindet sich für den Notfall eine Wechselsprechanlage zur Fahrerkabine. 5. Aktuelle Fahrtinfos
Auf Bildschirmen wird über die nächsten Halte informiert. Neu ist, dass schon vor der Ankunft alle Anschlüsse aufgeführt werden, die zu erreichen sind. Dabei fließen die aktuelle Ankunftszeit und eventuelle Verspätungen der anderen Züge in die Vorhersage ein. 6. Imbiss am Platz
Oliver Höpfner von der NVS Thüringen testet die Sitze der zweiten Klasse.
Die dunkelblauen Sitze sind hart, verfügen aber über Armlehnen und teils über Klapptische. So findet auch der Laptop seinen Platz. Negativ: Steckdosen fürs Netzteil fehlen. Damit auch Becher oder Flaschen sicher stehen, will die Erfurter Bahn kleine Vertiefungen in die Klapptische nacharbeiten. Schließlich sollen Imbiss und Getränke in 30 Prozent der Züge im Angebot sein. Die Erfurter Bahn hat zunächst einen Dienstleister für die Hauptstrecken engagiert. "Dort klappt es mit dem Feierabendbier im Zug", sagt Hecht.
Das Streckennetz
Die Erfurter Bahn übernimmt folgende Linien von der DB Regio: Leipzig-Gera-Saalfeld, Saalfeld-Erfurt, Saalfeld-Blankenstein, Gera-Zeulenroda-Hof, Gera-Jena-Weimar, Jena-Pößneck und Apolda-Weimar-Kranichfeld
Das Streckennetz umfasst 456 Kilometer. Erbracht werden jährlich 4,6 Millionen Fahrplankilometer.
Nun haben wir die Erfurter Bahn fast seit einem halben Jahr auf der Strecke von Leipzig nach Gera. Vielleicht zuerst was Positives: Es gibt wieder Zugbegleiter. Dies ist aber ein Verdienst der Ausschreibung und nicht der Erfurter Bahn. Ansonsten gibt's regelmäßig kleinere und größere Verspätungen. Jetzt kommt der Winter und am 27.10. gab's die ersten drei Krümel Schnee und mit den Krümeln gab's auch die ersten Zugausfälle. Was es nicht gab, waren Informationen darüber. Beschwerden beim Vorstand werden nur selbstherrlich beantwortet. Da ist wohl einigen der Ausschreibnungserfolg zu Kopf gestiegen.
10.06.12 - 18:22
Theo Bach
Natürlich wurden von der "Erfurter Bahn" vor Monaten Steckdosen im sog. Dieselnetz Ostthüringen versprochen. Da hat die NVS wohl bei der Ausschreibung sparen wollen und bewirbt das dann noch als Fernverkehrszubringer... @ Peter: Es soll die Möglichkeit verschiedenen Materials auf verschiedenen Strecken eines Netzes bestehen. Zwischen Weimar-Gera können die "Personenzüge" wegen der geringen Kapazitäten oft leider nicht die üblichen Verspätungen der "Eilzüge" ausgleichen, was das Angebot faktisch auf einen Stundentakt herabstuft. Und wer sich die Züge zwischen Naumburg/Großheringen und Saalfeld ansieht, weiß, dass man zum Beispiel die Fahrradmitnahme wesentlich geräuschloser als mit irgendwelchen Regioshuttles über die Bühne bringen kann (und die Doppelstockwagen sind sehr auf die Platzwirtschaftlichkeit ausgerichtet)!
06.06.12 - 16:01
Peter
Steckdosen waren meines Wissens nach in diesem Netz nicht vorgesehen. @ Theo Bach: Kann es sein, dass Sie das mit den elektrischen Fahrzeugen verwechseln, die gerade ausgeschrieben werden sollen? Im Übrigen besteht dieses Netz auch aus mehreren Nebenstrecken. Doppelstockwagen auf Weimar - Kranichfeld, Jena - Pößneck oder Erfurt - Saalfeld wäre schon sehr mit Kanonen auf Spatzen geschossen?!? Und selbst für Weimar - Gera sind bei den RegionalBahnen (und um die geht es hier) keine Doppelstockwagen notwendig. Schließlich sind wir nicht im Vorortverkehr von Frankfurt, Berlin oder Hamburg.
06.06.12 - 15:19
Theo Bach
In welchem schwarzen Loch verschwanden die versprochenen Steckdosen? Liebe NVS, wie war das doch gleich mit der Zubringerstrecke zum Fernverkehr und entsprechend ausgestatteten Zügen?! Erst Verbesserungen hochloben und dann mit noch deutlich gesenktem (bzw. auch restlich gestrichenem) Komfort daherkommen gibt 100 Punkte :-( Auf einer typisdchen Doppelstock-Strecke nur aus Kostengründen auf ausschreibungsergebnismindernde Schwächungen hinzuarbeiten zeigt ziemlich deutlich, dass man in Erfurt aus früheren Pleiten aus allen möglichen Teilen der Republik kein Bisschen gelernt hat. Und zur erfolgreichen Auslastungsverteilung tragen nochmals kleinere Teilgefäßgrößen auch nicht bei, das klappt schon beim trennungsfreierem 612/642 nicht...
04.06.12 - 07:17
Felix Kaiser
Ich pendle täglich Gera-Jena und im Nahverkehr sind die RS1 ganz okay, bin die selber schon im Erfurter Raum mitgefahren. Als Ersatz für einen Zug 2x642 taugen die aber eben nur wenn sie in Dreifachtraktion fahren. So war es bei der Ausschreibung für die Linie glaube auch formuliert, die Mindestplatzanzahl bedingt einfach drei der Triebwagen. Muss man beim Einsteigen dann eben noch etwas mehr schauen wo man einsteigt, also nicht nur vorne oder hinten, sondern dann eben auch in der Mitte. Wer aber mit dem RE auf der Strecke fährt kennt das sicherlich, da auch viel 3x612 gefahren wird. Das mit den Dumpinglöhnen ist (wie schon von anderer Seite angemerkt) quatsch, 97% aller Bahnunternehmen in Deutschland sind tariflich gebunden, gibt nur ganz wenige Ausnahmen wie die SBS (Städtebahn Sachsen) und da in Deutschland zzt. Lokführermangel herrscht und dann schlechter bezahlte Lokführer zumindest deutschlandweit sehr gute Chancen haben eine besser bezahlte Stelle zu finden, ist der Druck auf die verbliebenen 3% auch sehr groß!
03.06.12 - 17:15
West-Vieselbacher Vielfahrer
Ich empfehle dem "Ein Bahnfahrer" doch mal mitzufahren und sich von dem "Straßenbahnkomfort" zu überzeugen. Das müssen doch tolle Straßenbahnen sein, mit Toilette, Wickeltisch, Armlehnen und Tischen. :) Ich freue mich auf den neuen Service. Meckern kann man immer noch, wenn es nicht klappt.
03.06.12 - 16:33
falcao16
Wer von den tollen Kommentargebern ist denn "aktiver" Bahnfahrer? Auch wenn man mit vielen Sachen nicht zufrieden sein kann, wie Streckenstilllegungen und Fahrplanausdünnung, verbessert sich hier die Situation. Der ÖPNV muss mehr in den Focus, damit solche Verbesserungen zunehmen.
02.06.12 - 21:41
schmidtchen
Ahhhh da war er wieder der Sturzgeburtenbeitrag. DAAAANKE! Die Massen von Krölpa-Ranis, Zschachenmühle, Paulinzella werden das sicher genauso sehen... Sturzbetrinken werden Sie sich aber schon können Sauron - siehe letzte Satz, das ist doch was für Sie? So wie der nette Herr von der NVS lächelt, können die Sitze gar nicht soo hart sein - und der hat noch kein Feierabendbier bekommen. Kostenlos mit Studentenausweis wird man sicherlich nur fahren können, wenn man beim Studentenwerk seine Bedürftigkeit offen legt - sonst wird das bezahlte Semesterticket über den Studentenausweis als Fahrschein gelten. Und weniger Sitzplätze? Dafür mehr Türen pro Sitzplatz im Durchschnitt ;-)
02.06.12 - 17:18
Pendler
Die Sitze sind der große Schwachpunkr dieser Fahrzeuge. Ich habe schon mehrmals gehört, dass sie sehr hart sein sollen. - - - @Ein Bahnfahrer: Der richtige Name ist des Netzes ist "Elster-Saale-Bahn". Durchgangswagen gibt es bei Triebfahrzeugen prinzipbedingt nicht. Fahrkartenverkauf im Zug: Wurde von der DB abgeschafft, wird aber von der NVS bei Neuausschreibungen wieder gefordert. Wie gut das es Ausschreibungen gibt... :) - - - @Erfurter: Vielleicht weniger Sitzplätze pro Fahrzeug, aber nicht unbedingt pro Zug. - - - @Rainer: Ja, natürlich. Die EB und die DB sind tariflich gleichgestellt. Man kann sogar sein DB-Zeitkartenabo behalten. An den Fahrkarten wird sich für die Fahrgäste nichts ändern. - - - Stammtisch-Ergüsse habe ich überlesen. :)
02.06.12 - 16:31
Sauron
Sturzgeburten und Schleudertraumata sind in diesen holprigen Vieseler-Vieh-Wägelchen vorprogrammiert! Aua!
02.06.12 - 16:29
Rainer
Kann man in den Zügen der EB mit einem Studentenausweis umsonst fahren?
02.06.12 - 15:00
Gerscher Löwe
Ausschreibung mit Hilfe von Lohndumping gewonnen! Einfach toll, wie innovativ dieser Vieselbacher Fahr-Toiletten-Berieb doch ist. Vielen Dank auch an unsere Polit-Kasper in Vieselbach, für solch einen Akt sozialer Nächstenliebe!
02.06.12 - 14:50
Erfurter
Weniger Sitzplätze? Na das ist doch mal ein Service. Wer lässt sich so etwas einfallen? Kein Wunder, dass Bier verkauft wird. Wahrscheinlich erträgt man es nur noch im Suff....
02.06.12 - 14:14
Ein Bahnfahrer
Wie heißt sie nun wirklich, lt. OTZ Saale-Elster-Bahn oder wie am abgebildeten Fahrzeug Elster-Saale-Bahn ?Der Komfort der neuen Fahrzeuge, wenn sie denn dann mal alle geliefert sind, hält sich in Grenzen. Bei 70 Sitzen(die Klappsitze mitgezählt!) stehen die gleiche Anzahl Stehplätze zur Verfügung. Das ist allenfalls Straßenbahn-Komfort, aber für Zugläufe über 140 km (Saalfeld-Leipzig) absolut nicht angemessen. Hinzu kommt, dass man dann nach dem Einstieg nicht mehr von Wagen zu Wagen durchgehen und einen freien Platz suchen kann. Der Fortschritt des 19.Jahrhunderts waren sog. "Durchgangswagen", die man jetzt im 21.Jahrhundert in Thüringen wieder abgeschafft hat. Der einzige Zuwachs an Komfort sind die Fahrkarten-Automaten, die nicht nur Bargeld(bei der DB Scheine nur beschränkt in Fahrpreishöhe) sondern auch Karten akzeptieren.Ausländer werden trotzdem nicht verstehen, warum man in roten Zügen Strafe bezahlen muß, wenn man ohne Fahrkarte einsteigt, hingegen in grün-weißen Zügen die Fahrkarte im Zug kaufen kann.