Thüringer Solarbranche hofft: Experte sieht Solarenergie bald billiger als Heizöl
Porträt
Der Solarmarkt hat Zukunft. Foto: Christine Schimmel
Die Thüringer Solarbranche steckt noch nicht auf: Beim 8. Erfurter Technologie-Dialog ging es gestern um das Potenzial der Fotovoltaik auf städtischen Dächern. Berliner Wissenschaftler sieht Solarenergie bald billiger als Heizöl.
Erfurt. Die deutsche Energiewende verläuft konzeptlos und viel zu langsam. Dabei könnten, sagt Volker Quaschning, Solaranlagen allein auf städtischen Gebäuden schon 2035 mehr als 20 Prozent des gesamten Strombedarfs decken. Matthias Machnig
(SPD) ist begeistert. Die Stichworte Solar und Städte habe bisher noch keiner in einem entwickelten System zusammen gedacht, sinniert der Thüringer Wirtschaftsminister. Dabei liege die Idee auf der Hand. Der Basistrend weltweit heiße Urbanisierung, schon heute lebt die Hälfte der Weltbevölkerung in Metropolen. Und die verbrauchen bekanntlich viel Strom. Gut wäre, sie würden ihn schadstofffrei selbst produzieren. "Fotovoltaik wird dabei eine Leitbranche sein, trotz der aktuellen Diskussionen", ist Machnig überzeugt. Volker Quaschning auch. Der Professor für regenerative Energiesysteme mit Lehrstuhl an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin legte gestern beim 8. Erfurter Technologie-Dialog dar, warum Solarenergie trotz vieler gegenteiliger Meinungen eine kostengünstige Option darstellt. Sie drücke schon heute die Strompreise, sagte er.
"In den Mittagstunden des sonnigen Pfingstwochenendes im Mai hatten wir 40 Prozent Solarstrom im Netz", verdeutlichte der Wissenschaftler den erreichten Ausbaustand der solaren Energieerzeugung in Deutschland. Nach Quaschnings Meinung werde Solarenergie in wenigen Jahren preiswerter sein als Heizöl. Vorausgesetzt, die Preise entwickelten sich so wie bisher: die der Solaranlagen nach unten, die für fossile Energieträger stetig nach oben. Für Hausbesitzer werde das immer interessanter, auch wenn die solare Einspeisevergütung, um die sich Bundestag und Bundesrat gerade streiten, weiter zurückgefahren werden sollte. Schon heute könnten Eigenheimer ihren Strom auf dem Dach mit rund 18,5 Cent pro Kilowattstunde billiger erzeugen, als er im Netz angeboten wird. Nur müssten sie ihn dann auch selbst verbrauchen, um den Preisvorteil ohne Subvention mitnehmen zu können. Minister Machnig ist klar, dass der Pferdefuß der Fotovoltaik bei der Grundlast liegt. Nachts scheint nun mal keine Sonne. Beim Abschied von der Kernenergie und von der Kohle, die zu viel Kohlendioxid produziert, müssen für die Grundlast neue Gaskraftwerke her. Die aber kommen nicht mehr auf rentable Betriebstunden, je mehr erneuerbare Energie ins Netz gespeist wird. Wer investiert also in neue Gaskraftwerke? "Die nächste Bundesregierung, egal wie sie aussieht, wird ein ganz neues Marktdesign für den Energiesektor machen müssen", ist Machnig deshalb überzeugt. Die Zukunft der Fotovoltaik, in die bis 2010 allein in Thüringen rund eine Milliarde Euro Fördermittel flossen, dürfe man nicht einfach den Chinesen überlassen. Nur wer auf Ballhöhe spiele, werde auch in den nächsten Jahren dabei sein. Prof. Quaschning sieht einen riesigen Solarmarkt vor sich. Er rechnet in den nächsten zehn bis 20 Jahren mit einer Verhundertfachung der solaren Kapazitäten weltweit.
Thüringer Solarbranche hofft: Experte sieht Solarenergie bald billiger als Heizöl
Kommentare
19.06.12 - 17:12
Realist
Solarenergie ist was Gutes, wenn die Zwischenspeicherung sichergestellt ist und sie für maximal 6 Cent/kWh ins Netz eingespeist wird. Das ist nämlich der abgabenbefreite Preis für die Kilowattstunde. Also muss es zur Pflicht werden, zu jeder Solaranlage entsprechende Akkus inclusive Wechselrichter zu installieren, um auch bei Nacht die Lücke füllen zu können. Alles andere ist netztechnischer Schwachsinn. Ich kann nicht bei Sonne Gigawatt einspeisen, die dann plötzlich innerhalb von Stunden fehlen. Sollte das nicht so kommen, dann ist die Solarenergie komplett abzulehnen.