Erfurt. Wir verraten, warum der Hit „Firestarter“ von The Prodigy ohne die Indie-Bands Pixies und The Breeders nie entstanden wäre. Christian Werner über „Last Splash“, das erfolgreichste Album von The Breeders.

Es dauert zuweilen eine ganze Generation, bis ein Kunstwerk wiederentdeckt wird. Im Fall von The Breeders sind es lediglich vier Jahre, als ein Sample eines Songs ihres Albums „Last Splash“ sich durch die Nachtclubs, Charts und Heavy Rotation der Musiksender regelrecht fräst: The Prodigy nutzt ein Gitarrenriff (und ein bisschen den Breakbeat) des Instrumentalstücks „S.O.S.“ für ihren künftigen Trademark-Song „Firestarter“.

  • Vergleich zwischen Original („S.O.S.“) und gesampelter Version anhören („Firestarter“):
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„Last Splash“ war zu dem Zeitpunkt indes schon kein Geheimtipp. Das zweite Album der Breeders verkauft sich 1993 millionenfach und ist ein feminin (drei der vier Musiker sind Frauen) geprägtes Flaggschiff der Alternative-Musik Anfang der 90er-Jahre – trotz seiner teils sperrigen Songs. Kim Deal (Pixies) und Tanya Donelly (Throwing Muses) hatten die Band Ende der Achtzigerjahre als Nebenprojekt gegründet – je nach Sichtweise aus Verlegenheit oder Frust: In ihren Hauptbands konnten sie ihre Kreativität nicht ausleben.

„Last Splash“ ist das berühmte Album nach dem Ende der Hauptband

Die Pixies lösen sich Anfang 1993 auf und The Breeders werden vom Neben- zum Hauptjob. Donelly hat die Gruppe inzwischen verlassen, dafür gehört Kim Deals Zwillingsschwerster Kelley zu dem Quartett.

Das Original-Cover des Albums „Last Splash“ von The Breeders aus dem Jahr 1993.
Das Original-Cover des Albums „Last Splash“ von The Breeders aus dem Jahr 1993. © 4ad/Beggars Group/Indigo
Das Cover des Albums „Last Splash“ (30th Anniversary Edition) von The Breeders aus dem Jahr 2023.
Das Cover des Albums „Last Splash“ (30th Anniversary Edition) von The Breeders aus dem Jahr 2023. © 4ad/Beggars Group/Indigo

Mit „Divine Hammer“ und vor allem mit „Cannonball“ haben Kim Deal und ihre Bandkumpanen sogar zwei Hits. „Cannonball“ gehört inzwischen zu den berühmten Bassgitarrenriffs der Rockgeschichte, in einer Liga wie „Under pressure“ von Queen und David Bowie oder „It’s all over now, Baby blue“ in der Version von Them.

30 Jahre „Last Splash“ – ein Klassiker des Alternative-Rock

The Breeders im Jahr 2023: (von links) Kim Deal, Josephine Wiggs, Kelley Deal und Jim Macpherson. Die Band hat ihr berühmtes Album „Last Splash“ wiederveröffentlicht.
The Breeders im Jahr 2023: (von links) Kim Deal, Josephine Wiggs, Kelley Deal und Jim Macpherson. Die Band hat ihr berühmtes Album „Last Splash“ wiederveröffentlicht. © 4ad/Beggars Group/Indigo | K. Rector
The Breeders 1993: (von links) Kelley Deal, Josephine Wiggs, Kim Deal und Jim Macpherson. Vor 30 Jahren erschien ihr Album „Last Splash“.
The Breeders 1993: (von links) Kelley Deal, Josephine Wiggs, Kim Deal und Jim Macpherson. Vor 30 Jahren erschien ihr Album „Last Splash“. © 4ad/Beggars Group/Indigo | Kevin Westenberg
Die Band hatte Ende der 80er-Jahre als Duo begonnen. 1993 war sie ein Quartett: (von links) Kelley Deal, Josephine Wiggs, Jim Macpherson und Kim Deal.
Die Band hatte Ende der 80er-Jahre als Duo begonnen. 1993 war sie ein Quartett: (von links) Kelley Deal, Josephine Wiggs, Jim Macpherson und Kim Deal. © 4ad/Beggars Group/Indigo | Kevin Westenberg
Kelley Deal (links) und Kim Deal sind Zwillinge, Schlagzeuger Jim Macpherson und Bassistin Josephine Wiggs gehören ebenso zur Besetzung, die das berühmte Album eingespielt hat.
Kelley Deal (links) und Kim Deal sind Zwillinge, Schlagzeuger Jim Macpherson und Bassistin Josephine Wiggs gehören ebenso zur Besetzung, die das berühmte Album eingespielt hat. © 4ad/Beggars Group/Indigo | Kevin Westenberg
Das Original-Cover des Albums „Last Splash“ von The Breeders aus dem Jahr 1993.
Das Original-Cover des Albums „Last Splash“ von The Breeders aus dem Jahr 1993. © 4ad/Beggars Group/Indigo
Das Album wurde mehrmals wiederveröffentlicht. Hier eine Variante des Albumcovers.
Das Album wurde mehrmals wiederveröffentlicht. Hier eine Variante des Albumcovers. © 4ad/Beggars Group/Indigo
Zum 30-Jährigen im Jahr 2023 hat die Band das Album remastered und mit zwei zusätzlichen Songs wiederveröffentlicht. Auch das Cover wurder angepasst.
Zum 30-Jährigen im Jahr 2023 hat die Band das Album remastered und mit zwei zusätzlichen Songs wiederveröffentlicht. Auch das Cover wurder angepasst. © 4ad/Beggars Group/Indigo
Kim Deal (oben links) spielte bei den Pixies.
Kim Deal (oben links) spielte bei den Pixies. © 4ad/Beggars Group/Indigo | Kevin Westenberg
Sie gründete The Breeders, weil sie sich bei ihrer Hauptband künstlerisch nur eingeschränkt verwirklichen konnte.
Sie gründete The Breeders, weil sie sich bei ihrer Hauptband künstlerisch nur eingeschränkt verwirklichen konnte. © 4ad/Beggars Group/Indigo | Kevin Westenberg
Bei den Breeders ist sie die Hauptsongschreiberin.
Bei den Breeders ist sie die Hauptsongschreiberin. © 4ad/Beggars Group/Indigo | Kevin Westenberg
Kim Deal (zweite von links) hat Songs wie „Cannonball“ geschrieben.
Kim Deal (zweite von links) hat Songs wie „Cannonball“ geschrieben. © 4ad/Beggars Group/Indigo | Kevin Westenberg
In der Band gab es mehrere personelle Wechsel, heute spielt sie wieder in der Besetzung von 1993. Hier ein Bild aus dem Jahr 2023: (von links) Jim Macpherson, Josephine Wiggs, Kelley Deal und Kim Deal.
In der Band gab es mehrere personelle Wechsel, heute spielt sie wieder in der Besetzung von 1993. Hier ein Bild aus dem Jahr 2023: (von links) Jim Macpherson, Josephine Wiggs, Kelley Deal und Kim Deal. © 4ad/Beggars Group/Indigo | K. Rector
Das Album „Last Splash“ verkaufte sich millionenfach.
Das Album „Last Splash“ verkaufte sich millionenfach. © 4ad/Beggars Group/Indigo | K. Rector
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„Last Splash“ erinnert ein bisschen an George Harrisons „All Things must pass“, sein erstes und prall gefülltes Album nach dem Ende der Beatles: Eine Platte voller Songs, die die anderen Bandmitglieder warum auch immer abgelehnt hatten, plus ein paar neue Kompositionen.

Bandbreite des Alternative-Rocks und mehr

Hauptsongschreiberin Kim Deal bespielt die gesamte Bandbreite des Alternative-Rocks und erweitert diese spielerisch: Noise-Rock und Punk gehören ohnehin zu ihrem Repertoire. Weiter verarbeitet sie Elemente der beginnenden Grunge-Szene, des Surf-Rocks („No Aloha“ und „Flipside“), aus dem Shoegaze („Mad Lucas“) und probiert Soundexperimente („Roi“).

Es sind Rocksongs, die sich gern dekonstruieren, ohne Muckertum dargeboten, aber zum Headbangen einladen. Das trashige Grundelement wird immer mitgedacht. Einen Country-Song („Drivin‘ on 9“) gibt es obendrauf als gelungenen Rausschmeißer.

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Die Band hat über die Jahre mehrere Wiederveröffentlichungen von „Last Splash“ aufgelegt. Zum 30-Jährigen im vergangenen Jahr gab es erneut eine remasterte Fassung des Albums mit zwei „neuen“ Songs: Das launige „Go Man go“ sowie eine rauere Version von „Divine Madness“ unter dem Titel „Divine Mascis“ mit J Mascis (Dinosaur Jr.) an Gitarre und Mikrofon.

The Prodigy haben der Platte übrigens ein zweites Mal gehuldigt: Im Jahr 2009 verwendet die Band ein Sample des Breeders-Songs „I just wanna get along“ für ihren Track „World’s on Fire“.

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Wir stellen in #langenichtgehört vergessene, verkannte oder einst viel gehörte Alben vor. Alle Folgen gibt es hier.