Wartburgkreis. Eine Kettenreaktion löste am Wochenende einen Feuerwehr-Großeinsatz im Wartburgkreis aus. Eine Familie wird evakuiert.

  • In der Nacht zum Sonntag muss der Gefahrgutzug des Wartburgkreises ausrücken
  • Schwierige Analyse der giftigen Dämpfe brauchte Experteneinsatz
  • Den Umfang des Schadens muss jetzt ein Gutachter ermitteln

Bürgermeister Maik Klotzbach (SPD) wurde seit seinem Amtsantritt schon mit mehreren unbekannten Altlasten in der Stadt Werra-Suhl-Tal konfrontiert. Am Samstagabend erreichte ihn die nächste Hiobsbotschaft, die mit einem Großeinsatz von Feuerwehren und Rettungskräften verbunden war.

Im Keller der ehemaligen Brauerei sorgten dort seit Jahrzehnten gelagerte, aber aus dem Blick der Öffentlichkeit verschwundene chemische Substanzen aus dem Brauereibetrieb für eine Havarie – ausgelöst durch marode gewordene Lagerungshilfen, zerbrochene Glasbehälter und eine chemische Kettenreaktion.

Zu einem mehrstündigen Großeinsatz wurden Feuerwehren und Rettungskräfte am Samstagabend an die ehemalige Brauerei geholt, wo es im Keller eine  Kettenreaktion von unbekannten Chemikalien gab.
Zu einem mehrstündigen Großeinsatz wurden Feuerwehren und Rettungskräfte am Samstagabend an die ehemalige Brauerei geholt, wo es im Keller eine Kettenreaktion von unbekannten Chemikalien gab. © Maik Klotzbach | Maik Klotzbach

Die Ursache stellte sich jedoch erst im Nachhinein heraus. Nach dem von einer ukrainischen Familie abgesetzten Notruf war man von einer defekten Wasser- oder Gasleitung ausgegangen. Auch ein vermuteter Schwelbrand nach Kohlenmonoxid-Messung zeigte sich als Fehlanalyse, heißt es auf Anfrage aus dem Landratsamt.

Defektes Kellerfenster gibt giftige Dämpfe frei

Durch ein kaputtes Fenster im Kellerbereich waren Gerüche und gar Dämpfe ausgetreten, die eine in der Wohnung in der Brauerei lebende ukrainische Flüchtlingsfamilie zuerst bemerkte und Alarm schlug. Die Familie wurde in einer Behelfsunterkunft untergebracht.

Neben zehn Feuerwehren waren ab etwa 21. 30 Uhr der Gefahrgutzug des Wartburgkreises, Kräfte des DRK Eisenach, Fachberater der Feuerwehr Bad Hersfeld sowie der Einsatzleitdienst und die Polizei vor Ort.

Es wurde eine lange Nacht für alle beteiligten Einsatzkräfte. Unter Vollschutz agierten die Fachleute. Die Trupps des Gefahrgutzuges waren unter Schutzanzügen, mit Messgeräten und Prüfröhrchen im Einsatz. Da nicht festzustellen war, um welchen Stoff es sich genau handelt, wurde eine Umweltdiensteinheit aus Bad Hersfeld angefordert.

Eine für Gefahrguteinsätze typische Anlage samt Waschzelt wurde aufgebaut. Nach Erkundung und Probennahme konnte ein Gemisch aus Phosphor-, Salpeter- und Schwefelsäure ausfindig gemacht werden. Dämpfe und Gerüche basierten auf einer chemischen Kettenreaktion, heißt es.

Der ausgelaufene Stoff wurde schließlich gebunden, die Einsatzstelle abgesichert. Die Beseitigung und Beräumung des Kellers wird durch eine Spezialfirma gewährleistet, die von der Stadtverwaltung beauftragt werden muss. Bürgermeister Maik Klotzbach ahnt, was auf die Kommune zukommt, nicht nur die Rechnung für den Großeinsatz. Für den neuen Stadtrat wird diese Havarie und deren Folgen eines der ersten Themen sein.

Auf die Stadt Werra-Suhl-Tal kommen hohe Kosten zu

Bürgermeister Klotzbach sieht Kosten in dieser Sache für die Stadt entstehen. Die Verwaltung hat einen Gutachter mit der Schadensanalyse beauftragt. Die im Keller der ehemaligen Brauerei gelagerten Chemikalien wurden vermutlich zur Fassreinigung und Waschvorgängen im Brauereibetrieb verwendet.

Dank sprachen die Einsatzkräfte übrigens der nahen Gaststätte zur Post und Anwohnern aus, die in einem mehrstündigen Einsatz für die Versorgung mit Kaffee und Kuchen sorgten.

Nach der Wende endete der Brauereibetrieb in Berka/Werra

Die Brauerei Zinn in Berka/Werra wurde 1865 gegründet, 1921 an die Aktienbrauerei Eisenach angegliedert, in den 1960er Jahren volkseigener Betrieb, später Teil eines Kombinats. Sie entwickelte sich zu einer der größten Brauereien in der Wartburgregion. Der Betrieb wurde mit der Wende 1991 eingestellt. Die Immobilie ging an die Stadt Berka/Werra.

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