Arnstadt. Das britische Kult-Ensemble feiert mit Bach, Händel und Scarlatti den Komponisten-Jahrgang 1685.

Enorm profitiert die lebendige Bach-Pflege in Arnstadt von dem weisen Entschluss, den Blick über den lokalen Horizont zu erheben, Kräfte zu bündeln und das örtliche Festival in den weit größeren Rahmen der Thüringer Bachwochen einzubinden. So erst sind Top-Acts wie die Auftritte des britischen Kult-Ensembles Solomon‘s Knot und der ruhmreichen Gaechinger Cantorey binnen dreier Tage finanzierbar – und auswärtige Fans der Alten Musik buchen ihr verlängertes Wochenende gern im westlichen Thüringen.

Zum Beispiel das junge Paar aus Nürnberg, das – Bachwochen-Stammgäste – am Freitagabend die Bankreihe in der proppenvollen Arnstädter Bachkirche mit uns teilt und eine klare Idee davon hat, was uns erwartet. Solomon‘s Knot treten in minimalistischer Besetzung ohne Dirigent auf und singen auswendig; das verleiht ihrem Vortrag eine stupende Unmittelbarkeit und Authentizität. In sieben Jahren sind sie fünfmal der Einladung des Bachwochen-Chefs Christoph Drescher gefolgt und nehmen sogar Strapazen auf sich, um nun am letzten Festival-Jahrgang des versierten Kulturmanagers aus Erfurt teilzuhaben.

Vom Londoner Festival direkt nach Arnstadt

Noch am Vorabend seien sie mit demselben Programm beim Handel Festival London aufgetreten, erzählt ihr Anführer Jonathan Sells. Mag sein, dass bei der einen oder anderen Solo-Stimme eine Spur Müdigkeit hörbar, dass die wundervolle Reagibilität im Aufeinander-Hören und Miteinander-Agieren ein wenig gemindert ist. Aber das bemerken nur die wenigsten der kundigen Zuhörer, und sie verzeihen‘s leichthin.

Den besternten Komponisten-Jahrgang 1685 – Bach, Händel und Domenico Scarlatti – feiern Solomon‘s Knot zuerst mit dem Stabat Mater des Italieners: Aus den subtilen Farbmischungen einer zehnstimmigen Polyphonie erwächst im Klagegesang eine nachhaltig kontemplative Kraft, die Andacht und innere Einkehr stiftet: Über einem behutsamen instrumentalen Continuo-Fundament entsteht pure Magie.

Größere Strenge verlangt Johann Sebastian Bachs experimentelle Kyrie-Gloria-Messe BWV 234; jede Aria wirkt da etwas gravitätisch, vergrübelt. Aber spätestens jetzt befinden sich Atmung und Puls, Sinnlichkeit und Ausdruck der Sänger in vollkommenem Einklang, und die forsche Motorik im effektvollen „Dixit Dominus“ des jungen Georg Friedrich Händel gewinnt einen unwiderstehlichen Swing, der das Publikum mitreißt.

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Ohne Zugabe werden Solomon‘s Knot nicht aus der ihnen längst liebgewordenen Bachkirche entlassen. Und von den Nürnberger Festival-Freunden verabschieden wir uns mit einem fröhlichen „Bis morgen!“ – dann zum Konzert in Eisenach und am Sonntag wieder für Rademanns Gaechinger Parade-Ensemble zurück in Arnstadt.

www.thueringer-bachwochen.de