Arnstadt. Hans-Christoph Rademann und die Gaechinger Cantorey euphorisieren ihr Publikum

Einen Höhepunkt des Wochenendes bei den Thüringer Bachwochen (bis 14. April) versprach der Auftritt der Gaechinger Cantorey in Arnstadt – und an einem wahrlich besternten Sonntagabend fand das kundige Publikum seine hohen Erwartungen sogar übertroffen. So etwas wie Anspannung war dem Dirigenten Hans-Christoph Rademann nicht anzumerken; für den gebürtigen Dresdner, der wie nur wenige bei Bach buchstäblich zu Hause ist, bedeutete das Konzert in der Bachkirche wohl im doppelten Sinne ein Heimspiel.

Hoch konzentriert – aber eben in aller Seelenruhe – gehen er und sein Stuttgarter Ensemble zu Werke. In getragenem Tempo wird die kurze Sinfonia fein ausmusiziert, dann tost dramatisch der chorale Kampf um das Leben Jesu: „Christ lag in Todesbanden“. Mühelos füllt die Cantorey, zweifellos eine Speerspitze der internationalen Bachpflege, in kleiner Besetzung das Arnstädter Gotteshaus mit farbmächtigem Klang. Rademanns Truppe spielt und singt völlig souverän, wie losgelöst, und liefert eine unerhört plastische und transparente Interpretation der berühmten Kantate BWV 4, die dennoch niemals objektiv, gar sachlich erscheinen, sondern zu Empathie mitreißen will. Und so geschieht‘s.

Eine authentische Haltung beseelt die Osterkantaten

Trost, ja Jubelstimmung folgt mit Pauken und Trompeten im Anschluss: mit den freudvoll motivierten Kantaten „Der Himmel lacht! Die Erde jubilieret“ BWV 31 und „Erfreut euch, ihr Herzen“ BWV 66, die ebenfalls den Osterfesttagen gelten. Klug moderiert Rademann ein weit ausgreifendes Temporegime, doch weder wirkt Andächtig-Besinnliches jemals gravitätisch noch diffundieren chorale Stimmenstürme in euphorischer Unschärfe.

Der Dirigent kann auf seine Ensembles und auf die vier Solisten – aus den Reihen der Cantorey – vollauf vertrauen und gewährt bei den Soli, sich aufs Begleiten beschränkend, erdenkliche Freiheit. Trotzdem zeigen diese Kantaten keine opernhaften Affekte. Man spürt bei diesem stupenden, fesselnden Vortrag die ehrliche, menschliche Haltung der Ausführenden, die eben auch meinen, was sie singen – und diese besondere Authentizität macht unter den Spitzenensembles der Bach-Exegese halt einen Unterschied aus.

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Natürlich kommen die Stuttgarter in Arnstadt nicht ohne Zugabe davon. Beglückt, ja beschenkt machen die Zuhörer sich danach auf den nahen oder entfernteren Heimweg, und die fränkische Fraktion unter den Bachwochen-Fans hat weiß Gott noch nicht genug: Bis nächstes Wochenende!, heißt die Devise zum Abschied.

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