Greiz. Die 11. Greizer Triennale der Karikatur bietet die geballte Ladung an Humor. Zugleich trauert sie um zwei Teilnehmer.

Meint ein Abt zum anderen: „Stören Sie ihn jetzt nicht. Der Herr Kardinal denkt über seine Sünden nach“. Vorn im Bild sitzt besagter Würdenträger und lächelt süffisant, selbstzufrieden, ja auch etwas lüstern. Die Karikatur von Gösta vom Felde trifft ins Mark. Grandios überspitzt sie den schändlichen Umgang der Katholischen Kirche mit den Missbrauchsskandalen.

„Rücksicht“ von Uwe Krumbiegel.
„Rücksicht“ von Uwe Krumbiegel. © Uwe Krumbiegel | Uwe Krumbiegel

Vom Feldes Zeichnung ist eines von rund 300 humoristischen Werken, die die 11. Triennale der Karikatur ab Samstag, den 1. Juni, im Greizer Sommerpalais präsentiert. Die nach Zahl der Künstler größte Karikaturenausstellung Deutschlands hat zum wiederholten Mal einen Teilnehmerrekord verzeichnet: Sie vereint Werke von 126 Satire-Künstlern.

„Hans im Glück“, gezeichnet von RIL alias Lutz Richter.
„Hans im Glück“, gezeichnet von RIL alias Lutz Richter. © RIL | RIL

Das diesjährige Triennale-Thema „Ich denke, also spinn‘ ich“ ist eine ironische Abwandlung der berühmten Erkenntnis des Philosophen René Descartes „Ich denke, also bin ich“. Das Motto spannt den Bogen vom Spinnen als innovative menschliche Kreativleistung bis zu weltverschwörerischen Spinnereien, die gerade in den aktuellen Krisenzeiten weite Verbreitung finden.

„Lehrling 2023“, eine Zeichnung der Karikaturistin Birgit Dodenhoff.
„Lehrling 2023“, eine Zeichnung der Karikaturistin Birgit Dodenhoff. © Birgit Dodenhoff | Birgit Dodenhoff

Ihren Ursprung hat die alle drei Jahre stattfindende Triennale in der Zeit der DDR. Inzwischen kommen jedoch 60 Prozent der Künstlerinnen und Künstler aus den westlichen Bundesländern sowie eine Handvoll aus Österreich und der Schweiz, wie Ulf Häder sagt, Leiter der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz. Neben vielfach ausgezeichneten Karikaturisten wie Beck, Hauck und Bauer, Barbara Henniger, Petra Kaster, Harald Kretzschmar, Cleo-Petra Kurze, Til Mette, Mock, Klaus Stuttmann und Tetsche seien auch jüngere Künstler vertreten wie Gösta vom Felde. Zu den Thüringer Akteuren gehören Nel und Christian Habicht.

Karikatur „Ernährungspropheten“ von Petra Kaster.
Karikatur „Ernährungspropheten“ von Petra Kaster. © Petra Kaster | Petra Kaster

Wobei die Triennale tragischerweise auch um zwei inzwischen verstorbene Vertreter der Zunft trauert: Rainer Hachfeld aus Berlin und Werner David aus Leipzig. „Zwei alte Hasen, die Greiz die Treue gehalten haben“, wie Ulf Häder sie beschreibt. Werner David hatte bereits Zeichnungen für die Triennale herausgesucht und arbeitete gerade an einem Entwurf, als er verstarb. „Die Tochter hat uns dann die für Greiz bestimmten Arbeiten gebracht“, sagt Häder. Rainer Hachfeld stand sogar noch diese Woche in Mailkontakt mit dem Sommerpalais. Zwei Tage später kam die Nachricht seines Todes.

Sarah Brandt, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit im Museum, mit der Sommerpalais-Karikatur des Erfurter Zeichners Nel.
Sarah Brandt, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit im Museum, mit der Sommerpalais-Karikatur des Erfurter Zeichners Nel. © Ulrike Merkel | Ulrike Merkel

Eröffnet wird die Ausstellung vom Thüringer Nel. Er schuf mit seiner hübschen Karikatur „Denkfabrik - Satiricum“ fast so etwas wie das inoffizielle Plakat: Darauf setzt er vors Sommerpalais einen Aufsteller mit dem Aufruf „Spinner gesucht“.

Museumschef Häder und seinem Team ist eine ungemein facettenreiche, humorvolle und wunderbar hintersinnige Ausstellung geglückt. Zur Eröffnung bietet sich zudem die Chance, von knapp 30 Künstlern Autogramme zusammenzutragen, etwa im aktuell erscheinenden Katalog. Das sei bei einigen Triennale-Fans gang und gebe, berichtet Häder.

Die Vernissage am Samstag, 1. Juni, beginnt 11 Uhr. Auch am Nachmittag wird gefeiert – mit Musik und dem Illumat, dem Illustrationsautomaten aus Weimar. Zu sehen ist die Triennale diesmal einen Monat länger, bis 3. November.

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