Neues Konzept für Jenaer Romantikerhaus vorgestellt

Jena  Beim Denken zugucken: Das neue Konzept für die Dauer-Schau des Romantikerhauses in Jena soll Ende 2020 stehen. Die Räume seien dann „halbwegs barrierearm“.

Nah an den Köpfen des Frühromantiker-Kreises von Caroline, August Wilhelm und Friedrich Schlegel: Stadtmuseumsdirektor Ulf Häder (links), Cornelia Ilbrig und Philipp Albrecht.

Nah an den Köpfen des Frühromantiker-Kreises von Caroline, August Wilhelm und Friedrich Schlegel: Stadtmuseumsdirektor Ulf Häder (links), Cornelia Ilbrig und Philipp Albrecht.

Foto: Thomas Stridde

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Die Frischzellenkur für das Romantikerhaus beginnt. — Langsam, aber sicher. Nach dem Ausscheiden des verdienstvollen Hausleiters Klaus Schwarz gibt der städtische Eigenbetrieb Jenakultur erste Antworten auf die Frage: Wie weiter mit dem berühmten Literaturmuseum?

Und so hat Ulf Häder, Direktor der Städtischen Museen, mit Philipp Albrecht jetzt eine Vertretungsbesetzung für die Leitung des Hauses präsentiert. – Erstens. Zweitens: Auf die Ausschreibung für die Erstellung eines Konzeptes zur neuen Dauerausstellung des Romantikerhauses hin wurde Cornelia Ilbrig gewonnen.

Die promovierte Germanistin ist im Frankfurter Goethe-Museum des Freien Deutschen Hochstifts wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Romantikabteilung. 2018 war sie eine der beiden Kuratorinnen der Romantikerhaus-Ausstellung für August-Wilhelm Schlegel, der als eine der frühromantischen Jenaer Lichtgestalten gilt. Zudem hat sie an der historischen kritischen Ausgabe über den Frühromantiker Clemens Brentano mitgewirkt. Kommentar Ulf Häder: „Eine willkommene Vertragsnahme!“

Publikum zu einem Drittel aus Schulklassen

Bis Ende 2020 arbeitet Cornelia Ilbrig am Konzept, das der Dauerausstellung ein neues Gesicht gibt. Wichtig: Die beiden Personalien sind verknüpft mit der nächsten vierjährigen Zuschussvereinbarung zwischen der Stadt und Jenakultur von 2021 bis 2024. In dieser Zeit soll das Konzept realisiert werden.

Philipp Albrecht war der „ideale Kandidat“, sagte Ulf Häder über seinen jungen Kollegen, der in Jena Volkskunde, Kulturgeschichte und Erziehungswissenschaften studierte, ehe er sich als Bundesfreiwilligendienstleistender anderthalb Jahre im Romantikerhaus einarbeitete. Ihm obliegt die „museumspädagogische Hausleitung“. Er soll neue Formate für Kinder und Erwachsene entwickeln.

Nach Albrechts Darstellung besteht das Besucherpublikum zu einem Drittel aus Schulklassen – selbst aus Bayern und Nordrhein-Westfalen. Zudem sei das Romantikerhaus mit seinen jährlich durchschnittlich 10.000 Besuchern „das konstanteste“ der drei Museen (neben Kunstsammlung und Stadtgeschichte in der Göhre), sagte Ulf Häder. Obendrein sei es das Museum mit dem geringsten Zuschuss je Besucher. Häder ist zuversichtlich, dass das Haus für eine Übergangszeit funktionstüchtig bleibt. „Es soll nicht auf Sparflamme gehalten werden.“ Gleichwohl müsse abgewartet werden, bis die Zuschussvereinbarung für 2021 bis 2024 steht.

Gesichert scheint bereits, dass die Nutzung der Räume gedreht wird: Dauerausstellung nach oben, Sonderausstellungen und Veranstaltungen nach unten. Sonderausstellungen im Erdgeschoss unterzubringen, gilt nach Cornelia Ilbrigs Beschreibung als üblich. „Wir müssen das Erdgeschoss halbwegs barrierearm halten“, sagte Ulf Häder.

Er sprach den internationalen Standard an, wonach Dauerausstellungen gemeinhin alle zehn Jahre zu erneuern seien. Umso mehr spreche es für die Qualität der 20 Jahre bestehenden Dauerausstellung des Romantikerhauses, dass Cornelia Ilbrig Elemente daraus übernehmen wolle, möge die bisherige Schau auch relativ stark im „Experten-Modus“ verhaftet sein.

Ulf Häder schweben Angebote vor, „die einen breiteren Ausschnitt aus der Gesellschaft erreichen“.

Cornelia Ilbrig will den Zugang zu den Frühromantikern noch verbessern, zum Beispiel mit einem einführenden Film, der erzählt, wie Jena zum romantischen Zentrum wurde. Sie möchte die Besucher mit den Personen des Frühromantiker-Kreises „richtig vertraut machen – teilweise minuziös“, wie sie sagte. Ein digitaler Kalender solle überdies belegen, wie das Leben zwischen 1796 und 1801 lief.

Heute gelte es als guter Weg, über das Biografische den Zugang zu den Werken zu verschaffen. Und ja, die Frühromantiker würden heute noch oft verkannt. Etwa das Etikett der Esoteriker – „das stimmt nicht“, sagte Cornelia Ilbrig. „Die Romantiker wollten einen Rezipienten, der beim Denken zuguckt.“ Und so passe das romantische Popularitätskonzept zum partizipativen Ansatz einer künftigen Dauerausstellung.

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