Toronto. Das Regiedebüt von Cord Jefferson thematisiert die Stereotype über Schwarze in der US-Literaturindustrie. Beim Filmfestival in Toronto begeisterte die Satire das Publikum.

Cord Jeffersons beißende Satire „American Fiction“ über einen afroamerikanischen Akademiker, der Stereotype gegenüber Schwarzen in der Literaturindustrie anprangert, ist der Siegerfilm beim 48. Toronto International Film Festival (TIFF).

Basierend auf Percival Everetts Roman „Ausradiert“ porträtiert Jeffersons Regiedebüt einen desillusionierten Autor (Jeffrey Wright), der sich darüber ärgert, dass Bücher von schwarzen Schriftstellern offenbar nur dann Erfolg haben, wenn sie sich auf Sklaven-, Trauma- oder Armutsgeschichten beschränken.

Als ihm sein Agent (John Ortiz) sagt, dass sein neustes Werk eben nicht „schwarz genug“ sei, heckt Thelonious „Monk“ Ellison (Wright) einen Plan aus: Unter einem Pseudonym schreibt er ein Buch, das seiner Meinung nach die schlimmsten und anbiederndsten Klischees der Darstellung von Schwarzen enthält. Doch das als Parodie gedachte Werk wird zum sensationellen Erfolg - und Monk muss die Scharade fortsetzen.

Begeistertes Publikum

Wright spielt den verärgerten Monk mit zynischer Präzision: Sein Frust über die Frage, wer das „Schwarze“ definiere, macht ihn schnell selbst zu jemandem, der andere in Schubladen steckt. Seine Besessenheit, zu beweisen, dass er nicht dem Klischee des armen, inhaftierten Schwarzen entspricht, wird für seine schwarzen Schriftstellerkollegen zur Beleidigung und macht ihn zunehmend herablassend.

„American Fiction“, in dem auch Sterling K. Brown und Tracee Ellis Ross mitspielen, begeisterte das Publikum in Toronto, das beim TIFF traditionell anstelle einer Jury den Gewinner wählt.

„Vielen Dank für diese unglaubliche Ehre. Diese Auszeichnung zu gewinnen, übertrifft meine kühnsten Träume“, sagte Jefferson nach der Bekanntgabe des Gewinnerfilms in einer Videonachricht auf X, vormals Twitter. Der erfahrene TV-Autor hat an Erfolgsserien wie „Watchmen“ und „Succession“ gearbeitet. Seinen ersten Film beim TIFF vorzustellen, „war die größte Ehre meines Lebens“, so Jefferson.

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Der zweite Platz ging an Alexander Paynes „The Holdovers“ („Die Überbleibsel“) mit Paul Giamatti in der Hauptrolle als griesgrämiger Internatslehrer, der in den 1970er Jahren eine Handvoll Schüler über die Weihnachtsferien bei sich aufnehmen soll. Hayao Miyazakis Anime-Film „The Boy and the Heron“ kam auf Platz drei.

Bester Dokumentarfilm: „Mr. Dressup: The Magic of Make-Believe“

Zum besten Dokumentarfilm wählte das Publikum Robert McCallums „Mr. Dressup: The Magic of Make-Believe“ über das Leben und die Karriere des Kindershow-Entertainers Ernie Coombs. Platz zwei ging an „Summer Qamp“ von Jen Markowitz, gefolgt von Lucy Walkers „Mountain Queen: The Summits of Lhakpa Sherpa“.

Den Platform Award, der von einer internationalen Jury vergeben wird, erhielt das Drama „Dear Jassi“ von Tarsem Singh Dhandwar. Die Platform-Jury bestand in diesem Jahr aus Barry Jenkins, Nadine Labaki und Anthony Shim.

Bei dem zehntägigen Filmfest in Toronto konkurrierten knapp 240 Filme um die Gunst der Zuschauer. Unter anderem feierten auch Hanna Slaks Drama „Kein Wort“ mit Maren Eggert, sowie „Achilles“ von Farhad Delaram und das Roadmovie „Arthur & Diana“ (Sara Summa) beim TIFF Weltpremiere. Die 48. Saison des Filmfestes stand dabei unter dem Einfluss des Hollywood-Streiks - es kamen wesentlich weniger Stars nach Toronto als in den Vorjahren.