Berlin. Das Leben eines erfolglosen Wissenschaftlers gerät plötzlich aus der Kontrolle. „Linoleum“ erzählt mit feinfühligem Humor eine besondere Familiengeschichte.

Cameron ist ein erfolgloser Wissenschaftler, der tief in einer Midlife-Crisis steckt. Seine Karriere und seine Ehe stehen kurz vor dem Scheitern. Zu allem Übel bekommt sein neuer Nachbar Camerons langersehnten Job. So die Ausgangslage der Tragikomödie „Linoleum – Das All und all das“. Dann liegen eines Morgens Teile einer abgestürzten Raumkapsel in Camerons Garten. Er beginnt, in der Garage eine Mondrakete daraus zu bauen und seinen unerfüllten Kindheitstraum von einer Astronautenkarriere wiederzubeleben.

Mit feinfühligem Humor erzählt US-Regisseur Colin West eine emotionale Familiengeschichte, die gleich mehrere große Themen des Lebens ergründet. Comedy-Star Jim Gaffigan übernimmt eine lustige Doppelrolle - er spielt nicht nur Cameron, sondern auch seinen boshaften neuen Nachbarn. Gaffigan (67) besticht mit Witz und viel Gefühl. Er verschafft beiden Figuren emotionale Tiefe. Auch seine Frau Erin, gespielt von Rhea Seehorn („Better Call Saul“), agiert mit viel Charme an der Seite ihres Mannes. „Linoleum“ ist ein abenteuerliches, herzerwärmendes Kinoerlebnis.

Camerons spießiges und eingefahrenes Leben nimmt plötzlich immer seltsamere Züge an. Es passieren unerklärliche Dinge. Der Familienvater wirkt zunehmend gedankenversunken. Auch der Look des Films und die träumerische Musik deuten darauf hin, dass er fortwährend von der Realität abgleitet. Und da taucht plötzlich immer wieder diese mysteriöse ältere Frau in seiner Nähe auf.

Regisseur West verwebt in seinem Film mehrere Erzählstränge. „Linoleum“ spielt in mehreren Zeiten mit denselben Figuren gleichzeitig. Erinnerungen des Protagonisten kollidieren mit der Gegenwart. Das ist aber zu keinem Zeitpunkt zu verworren oder undurchsichtig.

„Linoleum - Das All und all das“ erzählt eine subjektive Geschichte, die, wie der Zuschauer bald erfährt, zusehends von alten Erinnerungen überlagert wird – das hat einen bestimmten Grund, der mit der psychischen Verfassung des Protagonisten zusammenhängt. West sei zum ersten Mal auf die Idee für den Film gekommen, als er vor einigen Jahren seinen demenzkranken Großvater besuchte. „In seinem Kopf schien die Realität anderen Regeln zu folgen – so außerweltlich, dass sie sich fast wie Science-Fiction anfühlten.“