Aurich/Berlin. Ein grausiger Fall von Selbstjustiz hält das Team um Kommissarin Klaasen in Atem. Auslöser für die Mordserie ist offensichtlich ein Buch über ungeklärte Straftaten.

Wenn Menschen in den Ruhestand gehen, kommen sie oft auf seltsame Ideen. Der frühpensionierte Ex-Kripochef Ubbo Heide (Kai Maertens) aus Aurich entdeckt seine literarische Ader und schreibt ein Erinnerungsbuch mit dem schönen Titel „Die ungelösten Fälle“. Diese nur notdürftig fiktionalisierte Sammlung von nie aufgeklärten Straftaten, gespickt mit reichlich Spekulationen und Vermutungen, inspiriert einen Psychopathen, sich zum Vollstrecker aufzuschwingen und vermeintlich Schuldige, die aber aus Mangel an Beweisen nie verurteilt wurden, ein für alle Mal zu bestrafen. Mithilfe eines sehr langen Messers. In der neuen Folge des „Ostfriesenkrimis“ im ZDF rollen die Köpfe. Die reichlich blutgetränkte Episode „Ostfriesenschwur“ läuft am Samstag um 20.15 Uhr im Zweiten.

An die betont düstere bis morbide Stimmung der Krimireihe aus dem hohen Norden haben wir uns ja längst gewöhnt, aber in diesem Fall haben Drehbuchautorin Ulla Ziemann („Krügers Odyssee“) und Regisseur Stephan Lacant („Schlafende Hunde“) schon etwas dick aufgetragen. Der erste Kopf kommt per Post zum Hobby-Literaten Ubbo Heide nach Hause. Das Opfer ist ein Familienvater, der im Verdacht stand, mehrere Kinder ermordet zu haben.

Aufgegeben wurde das makabre Paket von der anscheinend völlig verängstigten Svenja Moers (Anja Knauer), die selbst unter Mordverdacht stand. Sie kommt aber als Rächerin nicht infrage, vielmehr wird sie von dem Psychopathen gefangengehalten und für spezielle Aufgaben eingesetzt. Die reichlich krude Story geht weiter mit einem kopflosen Toten, der aus einem Kanal gefischt wird. Das dritte Opfer stirbt in der Sauna.

Für die Ermittler Ann Kathrin Klaasen (Picco von Groote), Frank Weller (Christian Erdmann) und Rupert (Barnaby Metschurat) entwickelt sich dieser Rachefeldzug eines Wahnsinnigen zum Alptraum, weil sie immer einen Schritt zu spät am Tatort sind. Mit dem galoppierenden Wahnsinn eines selbsterklärten Vollstreckers können sie nicht mithalten. Dann klopft mit Martin Büscher (Wolf Bachofner) ein neuer Chef an die Tür und wird von allen erst einmal argwöhnisch geäugt. Als ob das nicht reichte, scheinen Gespräche auf dem Polizeirevier direkt beim Mörder zu landen. Wer ist der Maulwurf?

Etwas Leben in diesen sehr sinistren Krimi mit zu viel Hauen und Stechen und zu wenig Feinschliff bringt dann ausgerechnet der als Chaot abgestempelte Rupert. Erst schläft er bei einer stundenlangen Beschattung im Auto ein, aber dann trägt er mit beherztem Einsatz dazu bei, dass dieser gruselige Rachefeldzug unter ewig grauem Himmel ein Ende findet.