Dortmund. Im neuen „Tatort“ führt ein Mordfall die Dortmunder Ermittler um Peter Faber ins Sportwetten-Milieu. Hauptkommissar Jan Pawlak ist dort allerdings schon länger verstrickt. Wie tief ist er gesunken?

Augenringe, bleiches Gesicht, hängende Schultern - „Tatort“-Ermittler Jan Pawlak (Rick Okon) sieht nicht gut aus. In einem Dortmunder Sportwettenbüro starrt er angespannt auf die Fernsehbildschirme mit Wettquoten und Gewinnchancen, zündet sich die nächste Kippe an, setzt 300 Euro auf ein laufendes Fußballspiel, die er bald darauf verlieren wird. Schon zu Beginn der nächsten Episode der ARD-Krimireihe (Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr) scheint der Dortmunder Ermittler längst tief drin im Spielsucht-Sumpf zu stecken. Es wird der letzte Fall für den jungen Hauptkommissar.

Bereits nach einer Vorab-Premiere der Folge Anfang Dezember hatte der WDR Rick Okons Ausstieg aus dem Sonntagabendformat und damit Pawlaks Ausscheiden aus dem Dortmunder Ermittler-Team um Peter Faber (Jörg Hartmann) bekannt gegeben. 13 Folgen lang verkörperte er den wortkargen, scharfsinnigen und vom Schicksal gestraften Polizisten. Den Kampf um seine drogensüchtige Frau hat er in den vergangenen Jahren längst verloren, nun sucht er im fortdauernden Sorgerechtsstreit mit seiner Schwiegermutter verzweifelt nach Möglichkeiten, Zeit mit seiner Tochter zu verbringen.

Wie für den Dortmunder „Tatort“ charakteristisch, nimmt sich auch die Folge „Cash“ (Buch: Jürgen Werner; Regie: Sebastian Ko) reichlich Zeit für die serielle Weiterentwicklung ihrer Ermittler-Figuren. Die starken Szenen mit Pawlak, der immer tiefer in kriminelle Machenschaften verstrickt ist, Faber, der noch immer nicht mit dem Tod seiner Kollegin Bönisch hat abschließen können, und Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger), die in ihrer Rolle als vorübergehende Leiterin der Mordkommission um Führungsstärke ringt, stellen den eigentlichen Fall um eine Gewalttat im Sportwetten-Milieu in den Schatten.

In seiner Wohnung mit einem Pokal erschlagen wurde ein frisch gebackener, gleichwohl verantwortungsloser Vater, der selbst dem Glücksspiel und Affären zugetan ist. Eingeheiratet ist das Opfer in die Familie Celik, Betreiber jenes Sportwettenbüros, in dem auch Pawlak Stammkunde ist. Der Schwager des Toten, Alkim Celik (Sahin Eryilmaz) - gezeichnet als fürsorglich-väterlicher Typ, der sich um das Wohlergehen Pawlaks sorgt - schwört Stein und Bein, dass sein Wettbüro so sauber ist wie seine eigene Weste.

Doch als Faber hört, dass der Laden Tarim Abakay (Adrian Can) gehört, ist er sicher, dass der zwielichtige Geschäftsmann mit dem Mord zu tun hat (O-Ton Faber: „Abakay, das ist so 'ne Art Großhändler. Bei dem kriegen Sie alles, was das Herz begehrt: Waffen, Drogen, Frauen, Leichen...“). Doch ob dem aalglatten Abakay, dem Faber schon in anderen Folgen begegnet ist, dieses Mal etwas nachzuweisen ist? Fabers Stimmung ist durch die Aussicht, den Widersacher nun möglicherweise am Wickel zu haben, merklich gehoben. Abakays Engagement für einen unterklassigen Fußballclub legt jedenfalls schon einmal nahe, dass es hier auch um Fußballspielmanipulationen im großen Stil gehen könnte.

Manipulation ist auch ein wiederkehrendes Motiv im Beziehungsgeflecht auf Ermittler-Seite: Wer benutzt hier eigentlich wen? Wo ist Loyalität echt und wo vorgetäuscht? Wessen Versprechen zählen etwas und welche sind dahergesagt, um eigene Ziele zu erreichen? Und in noch einer Frage darf der Zuschauer auf einen Fingerzeig hoffen: Wer könnte Jan Pawlak künftig im Ermittler-Trio ersetzen?