ARD-Dokumentation

Inside GSG9: ARD-Doku zeigt Einblicke in Spezialeinheit

Berlin.  Eine Doku blickt hinter die Kulisse der Anti-Terror-Einheit GSG9, die abgeschottet von der Außenwelt agiert. Es gibt seltene Aufnahmen.

GSG9-Kräfte sollen Terroristen oder schwer bewaffnete Kriminelle unschädlich machen. Wer sind diese Männer?

GSG9-Kräfte sollen Terroristen oder schwer bewaffnete Kriminelle unschädlich machen. Wer sind diese Männer?

Foto: © rbb / rbb

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Den Mann, der in Sturmhaube und Kampfmontur vor der Fernsehkamera von Einsätzen im Kampf gegen den Terrorismus erzählt, nennen alle nur „Mopsi“. Sein richtiger Name darf nicht bekannt werden, sein Gesicht bleibt während der gesamten Aufnahmen verdeckt.

Innerhalb der Einheit geben sich die Polizisten Spitznamen. Vieles ist geheim, seit vielen Jahren, abgeschottet von der Außenwelt. „Mopsi“ leitet eine Gruppe der GSG9, die Spezialeinheit der Bundespolizei.

Der Polizist hockt gerade in einem Wagen und spricht über ein kleines Funkgerät mit seinen „Kameraden“. Der Auftrag: einen mutmaßlichen Terroristen kaltstellen, der mit chemischen Stoffen einen Anschlag vorbereiten soll. Den Gegner „neutralisieren“, sagt „Mopsi“. Es ist nur ein Training, aber es ist ein Szenario, mit dem die Polizei rechnet.

Ein Team des RBB durfte nun die Spezialeinheit begleiten – und seltene Aufnahmen aus dem Alltag der Elite-Polizisten machen. Ausgestrahlt wird die Dokumentation mit dem Titel „GSG9 — Terror im Visier“ am Montag, 2. Dezember, um 23 Uhr in der ARD.

GSG9: Gegründet nach der Geiselnahme von München

Die GSG9 wurde einst gegründet, 1972, als eine palästinensische Terrorgruppe die israelische Mannschaft bei den Olympischen Spielen in München als Geisel nahm — und die deutsche Polizei mit der Befreiung völlig überfordert war.

Doch auf die Geschichte gehen die beiden Filmemacher, Patricia Corniciuc und Michael Götschenberg, nicht ein. Sie begleiten die Spezialeinheit heute — in den Jahren nach den Anschlägen von Paris, Brüssel, Berlin.

Der Alltag einer Sondereinheit

Einen Sommer lang hat die Filmcrew die Einheit begleitet, war in ihrem Hauptquartier, drehte bei Übungen und auf den Fluren, wo die Einsatzkleidung auf der Wäscheleine hängt, interviewte einen Kommandeur. Es ist selten, dass eine Spezialtruppe vor einer Kamera so offen Einblick in ihre Arbeit gibt.

Sogar bis nach Israel folgen die Journalisten den Polizisten. Die GSG9 trainiert dort gemeinsam mit israelischen Spezialkräften „Yamam“. In einem Kibbuz sollen sie eine Terrorgruppe ausschalten.

Es ist interessant, die Spezialeinheiten durch die Kamera bei ihren Übungen hautnah zu folgen. Überraschend ist es nicht. Der Alltag der Polizisten spielt vor allem zwischen Training und Lagebesprechung, zwischen packen und planen, zwischen Stube und Übungsplatz.

Dokumentation ermöglicht Nähe

Die Stärke des Films ist die Nähe. Mehrere Szenen über begleitet das Team sogar die Putzfrauen in der Einheit. Es sind neben der Grünen-Expertin Irene Mihalic die einzigen Frauen, die in dem Film vorkommen. Die Polizisten, so sagen sie selbst, sehen die Putzfrauen häufiger als ihre Ehefrauen. „Er könnte mein eigener Sohn sein“, sagt eine der Putzkräfte in die Kamera — und streichelt „Mopsi“ über das Gesicht.

Die Familie, die Frauen — oftmals wirkt das für die Männer in der Spezialeinheit fast wie ein Störfaktor bei ihrem permanenten Training für den Ausnahmefall. „Kameradschaft“ dagegen sei wichtig, heben die Polizisten mehrfach hervor.

Und so spricht der Film auch an, was in den vergangenen Monaten vermehrt Schlagzeilen macht: Rechtsextremisten bei den Sicherheitsbehörden. Vor allem in den Spezialkräften. Gerade erst enttarnte der Militärgeheimdienst einen Neonazi im Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr.

Die Journalisten fragen danach. Der Einheitsführer „Mopsi“ antwortet allgemein: „Wir sind ein Spiegel der Gesellschaft, und ich gehe mal davon aus, dass es auch AfD-Wähler in der GSG9 gibt.“ Dann sagt er: „Ich erkenne hier aber überhaupt keine Tendenzen in diese Richtung. Wir haben alle auf die Verfassung geschworen. Und die beschützen wir auch.“

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Der schwere Kampf gegen den modernen Terrorismus

Selbst ein Filmteam, das die Truppe der Polizei länger begleitet, stößt hier an Grenzen. Gespräche bleiben an der Oberfläche. Dabei tut es der Dokumentation gut, dass sie auch Experten zu Wort kommen lässt. Dem Zuschauer wird so auch deutlich, wie schwer der Kampf gegen den modernen Terrorismus ist — selbst mit einer Spezialeinheit wie der GSG9.

Denn gerüstet ist die Truppe des Bundespolizei für Großlagen wie Geiselnahmen im Ausland, Razzien oder der Kampf gegen Schwerkriminelle, die ein Gebäude besetzt halten. Der Kampf gegen Terror ist nur eine Aufgabe der GSG9. Hier kommt es manchmal zu Überschneidungen: Wenn etwa gewaltbereite Islamisten Geiseln nehmen, so wie Ende 2015 in Paris.

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Der entscheidende Faktor ist die Zeit

Doch viele Anschläge verüben heute allein agierende Attentäter, ihre Waffen sind oftmals Alltagsgegenstände wie ein Messer oder ein Lastwagen, wie ihn der Berlin-Angreifer 2016 nutzte.

Ohne große Planung können Attentäter in nur wenigen Augenblicken Menschen auf Plätzen oder in Fußgängerzonen töten. Zeit, das sagen die Polizisten wie die Experten, ist ein entscheidender Faktor für die Einsätze der GSG9 geworden. Nur wie schnell kann die Truppe im Ernstfall am Tatort sein?

Der Film: „GSG9 — Terror im Visier“, ARD, Montag, 2. Dezember, 23 Uhr

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