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"Markus Lanz": FDP-General Djir-Sarai gerät unter Beschuss

Sebastian Kohler
| Lesedauer: 5 Minuten
Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Seine Talkshow ist ein Dauerbrenner im ZDF: Wir zeigen im Video die beruflichen Stationen von Markus Lanz, seine Leidenschaft und seine kaum bekannte Ehefrau Angela Gessmann.

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Berlin  Neben den Brennpunkt-Themen Ukraine-Krieg und Klimakrise stand bei "Markus Lanz" gestern erneut die Ampel-Koalition auf dem Tableau.

Nach dem Abschluss der Koalitionsverhandlungen stand die FDP trotz des geringsten Stimmenanteils in der öffentlichen Wahrnehmung als Gewinnerin dar. Drei Tiefschläge in den vergangenen drei Landtagswahlen später, stecken die Liberalen in einer tiefen Krise. Markus Lanz diskutierte mit dem neuen Generalsekretär der Partei Bijan Djir-Sarai über die Gründe.

Ob in der Verkehrswende, der Verteidigungspolitik, oder der öffentlichen Kommunikation, die FDP steht im Schatten der beiden Koalitionspartner und gibt nicht immer ein überzeugendes Bild ab. Seit einem Monat bekleidet Bijan Djir-Sarai den Posten des Generalsekretärs, Welpenschutz bekam er in der Talkrunde aber keine.

"Markus Lanz" – Das waren die Gäste:

  • Bijan Djir-Sarai, FDP-Generalsekretär
  • Ulrike Herrmann, "taz"-Redakteurin
  • Prof. Mojib Latif, Meterologe
  • Sascha Lobo, Autor

Djir-Sarai wird von "taz"-Journalistin Herrmann überrumpelt

Schon bei der ersten Frage zur Verteidigungspolitik geriet der Liberale in die Defensive. Angesprochen auf die Vorhaltung des polnischen Präsidenten Andrzej Duda, Deutschland sei im Zuge der Nachlieferung von Panzern anlässlich des Ringtauschs mit der Ukraine wortbrüchig geworden, gab Djir-Sarai zu: "Das habe ich selbst aus der Presse entnommen." Die Verärgerung könne er aber verstehen. "Jetzt bin ich irritiert, wie Herr Duda", wunderte sich Lanz, und fragte mit Bezug auf die Koalitionspartner: "Sprechen die nicht mit Ihnen?"

Journalistin Ulrike Herrmann sah "eine ganz andere Geschichte". Duda wolle sich mit Druck auf Deutschland in der eigenen Bevölkerung profilieren, außerdem spekuliere er auf neue Leopard-Panzer im Austausch gegen die über 30 Jahre alten T-72-Panzer, "eine seltsame Vorstellung der Polen". Verwundert registrierte Hermann, dass Djir-Sarai Dudas "Verärgerung" für einen regierungsinternen Skandal nutzen wolle. Als Djir-Sarai bekannte, von dessen Manöver nichts gewusst zu haben, lieferte Herrmann den nächsten Schlag: "Ich will sie nicht komplett schockieren, aber ich weiß das aus der Presse."

Angenehmer wurde es für den neugewählten Generalsekretär nicht, als Lanz auf die desaströsen Landtagswahlen im Saarland, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein abhob. Djir-Sarai verwies auf landespolitische Themen, während Herrmann ein "strukturelles Problem" attestierte. Die Senioren habe man verloren, Frauen und Migranten nie erreicht, "bleibt nur noch die Gruppe junger, Männer, die gut verdienen." Und selbst in der Gruppe drohe eine Abwanderung zu den Grünen.

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Lanz: "FDP ist Regierung und Opposition in Personalunion"

Sascha Lobo kommentierte: "Dafür, dass die FDP die marktnächste Partei ist, vermarktet sie sich sehr schlecht." Djir-Sarai versprach, sich für mehr Diversität einzusetzen. Sein Ziel sei, den Frauenanteil von derzeit 24 Prozent in der nächsten Bundestagsfraktion auf 40 Prozent zu steigern. Konfrontiert mit den Störfeuern der Verteidigungsexpertin Strack-Zimmermann wollte Markus Lanz wissen: "Die FDP ist immer Regierung und Opposition in Personalunion. Ist das Strategie?"

Und auf Christian Lindners FDP-Clique um Verkehrsminister Wissing, Justizminister Buschmann und ihn selbst gemünzt bohrte er weiter: "Wie gut muss man eigentlich Christian Lindner kennen, um in der FDP Karriere zu machen?"

Bevor sich die Runde dem zweiten Thema des Abends widmete, drängte Lanz Djir-Sarai noch weiter in die Ecke und konfrontierte ihn mit dem "Liberalen Mittelstand". Welchen Einfluss die Lobbygruppe, die bis vor kurzem ständiges Gastrecht im Bundesvorstand genoss, auf die Tankrabatte hätte, fragte der Südtiroler. Eine überzeugendere Antwort als ein halblebiges Dementi und "die sitzen nicht mehr im Bundesvorstand" war aber nicht herauszubekommen.

Ist die ökologische Energiewende eine Milchmädchenrechnung?

Der zweite Teil der Gesprächsrunde drehte sich um den Klimawandel. Der Meteorologe Professor Mojib Latif, der sein neues Buch "Countdown" bewarb, forderte "mehr Ernsthaftigkeit in der Debatte" und an den FDP-Politiker gerichtet ein Tempolimit. Obwohl die Bundesrepublik aktuell nur für zwei Prozent der Treibhausemissionen verantwortlich sei, gehöre Deutschland historisch zu den fünf größten CO2-Produzenten. Latif plädierte für eine tiefgreifende Energie- und Verkehrswende.

Ulrike Herrmann bezeichnete die Kalkulationen über das Potenzial von Wind- und Sonnenergie als "Milchmädchenrechnung". Grund dafür seien die begrenzten ökobasierten Speicherkapazitäten während sogenannter "Dunkelflauten", also Zeiten ohne Wind und Sonne. Eine klimaneutrale Bundesrepublik sei nur durch ein "Grünes Schrumpfen" zu erreichen, so Herrmann. "Die Frage also ist: Wie können wir aus dem Kapitalismus aussteigen, also aus dieser permanenten Wachstumsmaschine?"

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Dieser Artikel erschien zuerst bei waz.de.