ZDF-Talkshow

"Illner": Habeck über Selenskyj – "Würde nicht anders reden"

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Maybrit Illner im Portrait

Maybrit Illner im Portrait

Maybrit Illner ist nur seit über 20 Jahren das Gesicht der gleichnamigen Sendung "maybrit illner" im ZDF. Beruflich erfolgreich, hat Illner auch privat ihr Glück gefunden.

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Berlin  Die Rede des ukrainischen Präsidenten sorgte am Donnerstag für viel Aufsehen. Habeck hat Verständnis – zeigt aber auch eine Grenze auf.

Maybrit Illner heißt am Donnerstag Theo Koll. Die Moderatorin war am Vormittag positiv auf das Coronavirus getestet worden und fiel aus, wie das ZDF vor der Sendung mitteilte. Illner habe "sämtliche Erkältungssymptome", hieß es weiter. Der Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios moderierte deshalb die Sendung, in der er von seinen Gästen wissen wollte, ob Deutschland alles macht, was möglich wäre, um die Ukraine zu unterstützen.

In einer Videoschalte hatte sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj an den Bundestag gewandt. Darin fand er Worte der Dankbarkeit, bat um weitere Unterstützung, warf Deutschland aber auch vor, nicht genug getan zu haben. Deutschland habe daran mitgewirkt, eine Mauer zu errichten, um die Ukraine zu isolieren und Russland auszuliefern: "Sie sind wie durch eine Art Mauer von uns getrennt. Es ist eine Mauer zwischen Freiheit und Unfreiheit und sie wird mit jeder Bombe größer", sagte Selenskyj.

Nach der Selenskyjs Rede gab es im Bundestag keine Debatte zum Krieg. "Das war heute der würdeloseste Moment im Bundestag, den ich je erlebt habe", kommentierte CDU-Politiker Norbert Röttgen. Europastaatsminister Michael Roth (SPD) sagte dazu: "Im Nachhinein war es sicher ein Fehler."

"Maybrit Illner" – Das waren die Gäste:

  • Robert Habeck (Die Grünen), Vizekanzler, Bundeswirtschaftsminister
  • Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Deutschen Bundestag
  • Andrij Melnyk, Botschafter der Ukraine in Deutschland
  • Kevin Kühnert (SPD), Generalsekretär
  • Erich Vad, Brigadegeneral a. D., ehem. u.a. militärischer Berater von Angela Merkel
  • Michael Roth (SPD), Deutscher Staatsminister für Europa

Strack-Zimmermann nennt Selenskyjs Worte bei "Illner" "diplomatisch"

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) nennt die Worte des ukrainischen Präsidenten in der Sendung "diplomatisch". "Ich habe mit noch deutlicheren Worten gerechnet", sagt sie. Vizekanzler Robert Habeck (Grüne), mit dem zu Beginn ein Interview gezeigt wird, spricht von berührenden Worten, "verstörend, anklagend und aus seiner Sicht sicher komplett berechtigt".

Aus Sicht der Bundesregierung seien sie aber nicht komplett berechtigt, so der Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz. Deutschland tue sehr viel für die Ukraine, auch Dinge, die bis vor wenigen Wochen noch unvorstellbar gewesen seien, wie etwa Waffenlieferungen. "Wäre ich in der ukrainischen Regierung, würde ich nicht anders reden", gibt Habeck aber zu. Dennoch dürfe aus deutscher Sicht eine Grenze nicht überschritten werden. "Wir wollen keine Kriegspartei mit einer atomaren Streitmacht werden", so der Vizekanzler.

Brigadegeneral a.D. bei "Maybrit Illner" im ZDF: "Putin könnte zur Atomwaffe greifen"

"Wenn Putin mit dem Rücken zur Wand steht, könnte er zur Nuklearwaffe greifen", sagt der Brigadegeneral a.D., Erich Vad. Man müsse eine Atommacht wie Russland anders behandeln, so seine Einschätzung. Vad spricht sich deshalb gegen die viel diskutierte Flugverbotszone aus.

Roth hingegen findet, dass Angst der schlechteste Ratgeber in dramatischen Situationen sei. "Wir dürfen uns von Putin nicht mehr einschüchtern lassen", sagt er. Ob Deutschland dann in Sachen Sanktionen nicht moralisch verpflichtet sei mehr zu tun, will Theo Koll von seinen Gästen wissen. Habeck und Roth verweisen auf bereits bestehende harte Sanktionen, inzwischen sei man beim vierten Paket, das man anwende.

Maßnahmen, die Andrij Melnyk, dem Botschafter der Ukraine in Deutschland nicht ausreichen. Statt eines kompletten Energie-Embargos bringt er ein Energie-Moratorium für Öl, Gas und Kohle aus Russland ins Spiel. In einer Testphase von ein oder zwei Monaten könne Deutschland auf Energie aus Russland verzichten und so die Sanktionen verstärken, so Melnyk.

Einen Blick in die Zukunft will der Botschafter an diesem Abend genauso wenig wagen, wie die anderen Gäste. "Die Ukraine muss wissen, wie weit sie gehen kann und möchte", sagt Strack-Zimmermann im Hinblick auf mögliche Friedensverhandlungen, aber auch auf die mögliche Dauer von Putins Krieg. "Wir können nur mental an der Seite stehen, aber die Entscheidungen darüber obliegen alleine der Ukraine.

Dieser Artikel erschien zuerst bei waz.de

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