Berlin. Einige Menschen waren schon einmal untreu – die Gründe dafür sind unterschiedlich. Und auch das Alter scheint eine Rolle zu spielen.

In einer monogamen Beziehung gilt Vertrauen als fundamentaler Bestandteil. Geht ein Partner fremd, wird dieses Vertrauen gebrochen. Der Betrogene fühlt sich meist verraten und ist verletzt.

Doch auch wenn Untreue große emotionale Wunden hinterlassen kann, kommt sie immer wieder vor. Viele haben es wohl schon einmal aus dem Bekanntenkreis gehört oder sogar selbst erlebt: Etwa heißt es dann, er hat jemand anderen geküsst oder sie hatte ein Verhältnis mit dem Nachbarn. Auch in Filmen, Büchern und der Musik ist der Seitensprung ein beliebtes Thema.

Wie viele Menschen wirklich fremdgehen, bleibt trotzdem oft schwer einzuschätzen. Auch Statistiken darüber sind meistens mit Vorsicht zu genießen: Schließlich schweigen viele vermutlich lieber über ihre Untreue oder definieren diese unterschiedlich. Trotzdem gibt es Studien und Umfragen, in denen versucht wurde, das Ausmaß von Fremdgehen in romantischen Beziehungen zu erfassen und einen Überblick zu geben.

Fremdgehen: So viele Menschen in Deutschland waren bereits untreu

Laut einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2017 etwa, die im Deutschen Ärzteblatt erschienen ist, gaben 17 Prozent der 2.524 befragten Erwachsenen an, während einer Partnerschaft sexuellen Kontakt außerhalb ihrer Beziehung gehabt zu haben. Die Studienautoren schreiben: „Der Anteil von Personen mit sexuellen Außenkontakten ist im Vergleich zu vorherigen Studien eher gering.“ Somit scheinen den Forschern zufolge viele Partner dem weitverbreiteten Wunsch nach Treue in Partnerschaften gerecht zu werden.

Eine Umfrage der Dating-App Parship aus dem Jahr 2021 zeigt ein ähnliches Bild: Demnach hat rund jede beziehungsweise jeder fünfte Deutsche seinen Partner oder seine Partnerin schon einmal betrogen. 16 Prozent gaben an, bereits einen oder mehrere One-Night-Stands gehabt zu haben. Eine oder mehrere Affären, obwohl man selbst vergeben ist, hatten laut der Befragung sieben Prozent schon einmal. Eine Affäre wird allgemein als wiederholtes Fremdgehen mit derselben Person definiert.

Wer vom Partner betrogen wurde, dürfte erst einmal geschockt sein. Laut einer Umfrage ist bereits jeder Fünfte schon einmal fremdgegangen.
Wer vom Partner betrogen wurde, dürfte erst einmal geschockt sein. Laut einer Umfrage ist bereits jeder Fünfte schon einmal fremdgegangen. © iStock | Larisa Stefanuyk

Wer gerade darüber nachdenkt, ob er oder sie dem Partner das Fremdgehen verzeihen sollte, dürfte vielleicht ein etwas mulmiges Gefühl bei einem weiteren Ergebnis der Umfrage bekommen: Über die Hälfte der Personen, die schon einmal untreu waren, gaben an, ihre Handlung nicht zu bereuen. Unter den 40- bis 49-Jährigen waren das sogar 72 Prozent.

Affäre und Seitensprünge: Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Die Gründe für den Seitensprung unterscheiden sich je nach Geschlecht. Während Frauen vor allem betrogen, weil sie in ihrer Beziehung unglücklich waren, spielte für Männer auch der Wunsch nach Abwechslung beim Sex und der Reiz des Verbotenen eine Rolle. Ein Drittel der Frauen gab als Grund an, sich wieder begehrt fühlen und den Selbstwert steigern zu wollen. Bei den Männern sagten das hingegen nur 17 Prozent über sich.

Offenbar gibt es beim Thema Fremdgehen also Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Das spiegelt sich nur in den Gründen für den Vertrauensbruch wider. Gaben in der Studie von 2017 aus dem Ärzteblatt noch 15 Prozent der Frauen und 21 Prozent der Männer an, schon einmal während einer Partnerschaft sexuelle Außenkontakte gehabt zu haben, sieht das in einer repräsentativen ElitePartner-Studie von 2020 schon gänzlich anders aus.

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Von den insgesamt 5.593 Befragten sind über 17 Prozent der Frauen nach eigener Angabe in einer festen Beziehung schon einmal untreu gewesen – aber nur knapp 11 Prozent der Männer. Dies gilt sowohl für aktuelle als auch vergangene Beziehungen. Bei einer Affäre unterscheiden sich die Geschlechter kaum: jeder zehnte Mann und sieben Prozent der Frauen hatten schon einmal eine Außenbeziehung.

Sex außerhalb der Partnerschaft hatten laut einer Umfrage aus 2021 schon einmal rund 16 Prozent der Befragten.
Sex außerhalb der Partnerschaft hatten laut einer Umfrage aus 2021 schon einmal rund 16 Prozent der Befragten. © iStock | PeopleImages

ElitePartner-Expertin und Psychologin Lisa Fischbach schreibt über die Ergebnisse: „Die sexuelle Emanzipation von Frauen spielt hier eine Rolle: Auch wenn Frauen heutzutage immer noch im Vergleich zu Männern für lustvolle und vielfältige Sexualität gesellschaftlich anders bewertet werden, trauen sie sich zunehmend, ihren sexuellen Bedürfnissen nachzugehen und offener darüber zu sprechen.“ Außerdem komme hinzu, dass Frauen Untreue anders definierten, ihr Untreue-Radar deutlich früher anschlage. „Reicht bei ihnen meist schon ein Kuss, sind viele Männer erst bei Seitensprüngen oder Affären der Meinung, dass es sich um Fremdgehen gehandelt hat“, ordnet die Expertin die Studie ein.

Untreue hat mit dem Alter zu tun? Studie überrascht

Ein typisches Fremdgeh-Klischee ist wohl, dass Menschen gerade in jungen Jahren oft experimentierfreudiger seien und dazu neigen würden, verschiedene romantische und sexuelle Erfahrungen sammeln zu wollen. Umso überraschender sind Studien, die zu einem gegenteiligen Ergebnis kommen.

So fanden die zwei Forscher Adam L. Alter und Hal E. Hershfield von der New York University und der University of California 2014 in sechs Studien heraus, dass Menschen sich anders und extremer verhielten, wenn sie kurz vor einem runden Geburtstag stehen. Den Wissenschaftlern zufolge neigen insbesondere Menschen im Alter von 39 Jahren dazu, den Partner zu betrügen. Auch 29- und 49-Jährige seien davon öfter betroffen, so die Erkenntnisse von Alters und Hershfields.

Für ihre Untersuchung nutzten die Wissenschaftler Daten von einer Online-Dating-Seite, die sich an Menschen richtete, die bereits in einer Beziehung waren. Allerdings wurden für die Studie nur männliche User betrachtet. Auch ob diese auf der Online-Plattform ihr richtiges Alter angegeben hatten, ist nicht nachweisbar.