Mannheim/Berlin (dpa/tmn). Aus dem Nichts kommt die Angst - und wie! Was tun, wenn man als Arbeitskollege, Freundin oder auch Fremde mitbekommt, dass jemand eine Panikattacke durchlebt?

Das Herz schlägt immer schneller. Der Atem bleibt weg. Der Körper schwitzt und zittert: Eine Panikattacke kommt mit Wucht. Und sie fühlt sich für Betroffene oft an wie: „Ich muss sterben - jetzt.“

Wer als Arbeitskollegin, als Freund oder als gute Bekannte eine Panikattacke mitbekommt, weiß oft nicht, was er oder sie nun am besten tun soll. Zwei Psychologinnen verraten, worauf es ankommt.

Das sind Anzeichen für eine Panikattacke

Eins vorab: Da Panikattacken unterschiedliche Symptome haben können, ist es für Außenstehende manchmal schwierig zu erkennen, ob tatsächlich eine vorliegt. „Betroffene haben das Gefühl, ohnmächtig oder verrückt zu werden oder gar zu sterben“, beschreibt die Ärztin und Therapeutin Mirriam Prieß.

Wenn jemand von einem starken Herzklopfen oder -rasen oder einem Engegefühl in der Brust mit Atemnot berichtet, kann dahinter eine Panikattacke stecken.

Auftreten können auch Übelkeit, Zittern, Taubheits- und/oder Kribbelempfindungen sowie Schwächegefühle in den Gliedmaßen. Außerdem Schwindel und damit einhergehend das Gefühl, ohnmächtig zu werden, wie Lisa Naab von MHFA Ersthelfer sagt. Das ist eine Organisation, die über Erste Hilfe bei psychischen Problemen aufklärt.

Weil die Symptome einer Panikattacke etwa denen eines Herzinfarktes ähneln, lautet der Rat von MHFA Ersthelfer: Wenn die Person noch nie eine Panikattacke hatte und selbst nicht glaubt, dass sie eine Panikattacke hat, gilt das Vorgehen für körperliche Notfälle. Heißt: Außenstehende wählen den Notruf 112.

Panikattacken können als Reaktion auf einen bestimmten Auslöser, einen sogenannten Trigger auftreten, zum Beispiel eine Prüfungssituation. Doch nicht immer gibt es so einen bewussten Trigger, sagt Lisa Naab. Deswegen kann eine Panikattacke komplett unerwartet passieren - sowohl für Außenstehende als auch für die betroffene Person.

Ruhig bleiben - und Ruhe vermitteln

Da ist der Verdacht, dass die Angst das Gegenüber überrollt hat? Dann ist es wichtig, ruhig zu bleiben, nicht selbst in Panik zu verfallen und die Person nicht alleine zu lassen, rät Lisa Naab. Am besten fragt man erstmal, ob die Person überhaupt Hilfe und Beistand möchte.

Auch wenn die Symptome bedrohlich wirken: Sie sind in aller Regel ungefährlich und die Dauer der Attacke ist begrenzt. Es kann helfen, das der betroffenen Person bewusst zu machen.

Sätze wie „Eine Panikattacke geht genauso, wie sie gekommen ist - sie ist endlich“ führen bereits zu einer ersten Entspannung, sagt Ärztin und Therapeutin Mirriam Prieß. So kann man als Außenstehender klarmachen, dass es sich bei den mit der Panikattacke verbundenen Szenarien nur um Befürchtungen handelt.

Behutsam ein Gespräch aufbauen - das lenkt ab

Wichtig ist es laut Mirriam Prieß, der betroffenen Person mit Offenheit und Mitgefühl entgegenzukommen. In vielen Fällen kennen die Betroffenen Panikattacken bereits. Sie wissen, was ihnen in dem Moment am besten tut. Außenstehende können also fragen, ob so etwas schon einmal passiert ist, was bisher geholfen hat und wie man selbst helfen kann.

So ein Dialog kann der betroffenen Person ermöglichen, wieder das Gefühl für sich selbst zurückzubekommen. Denn Panik entsteht laut Prieß dort, wo die betroffene Person keinen Zugang mehr zu ihrem eigenen Ich hat.

Das Gespräch sollte man ruhig und geduldig angehen. „Das Wiederholen von Fragen und das Sprechen in kurzen und langsamen Sätzen hilft der Person, das Gespräch aufrechtzuerhalten, was wiederum von den körperlichen Symptomen ablenkt“, sagt Lisa Naab.

Einen Bezug zur Realität herstellen

Die Panik der betroffenen Person wächst, je mehr sie sich in die Situation hineinsteigert oder versucht, sie zu bekämpfen.

Im Gespräch sollte man der betroffenen Person laut Prieß daher ein Bewusstsein für die Realität vermitteln, was Abstand zur Panik schafft. „Abstand heißt: Ich fühle in mir Panik, mache mir aber bewusst, dass ich nicht die Panik bin. Die Panik ist in mir, nicht ich in der Panik. Ich betrachte sie, lasse sie zu und steige jedoch nicht darauf ein“, sagt Mirriam Prieß.

Um Abstand zu schaffen, kann es auch hilfreich sein, den Raum und die Situation zu verlassen und die betroffene Person an einen ruhigeren Ort zu begleiten.

Und wenn die Panik vorbei ist? Dann kann man mit der Person laut Lisa Naab noch darüber sprechen, dass Panikattacken sehr verbreitet und gut behandelbar sind. Steht man der Person nahe, kann man sie auf der Suche nach professioneller ärztlicher und psychotherapeutischer Hilfe unterstützen.