Leipzig/Hamburg (dpa/tmn). „Ihre Cholesterinwerte sind zu hoch.“ Fällt im Arztgespräch dieser Satz, sind Betroffene oft erst einmal beunruhigt. Statine, also Tabletten, müssen aber nicht immer sein.

Cholesterin - mit diesem Begriff verbinden wohl die meisten etwas Negatives. Dabei ist der Stoff wichtig für diverse Funktionen im Körper. Eine Rolle spielt er zum Beispiel für die Stabilität der Zellen, für Hormonproduktion und Gehirnfunktion.

Cholesterin ist aber nicht gleich Cholesterin: Unterschieden wird zwischen dem „guten“ HDL-Cholesterin und dem „schlechten“ LDL-Cholesterin. Bereiten erhöhte Cholesterinwerte Sorge, dann geht es um das LDL-Cholesterin.

„Ein hoher Cholesterinwert ist immer etwas, was man mit einem Arzt besprechen sollte“, sagt Prof. Ulrich Laufs. Er ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie im Universitätsklinikum Leipzig. Denn aufgrund von zu viel LDL-Cholesterin im Blut droht eine Verkalkung der Gefäße. Mögliche Folgen können Herzinfarkt oder Schlaganfall sein.

Es geht um das Gesamtbild

Doch wo setzt man am besten an, um die Werte zu senken? Kardiologe Laufs gibt zu bedenken: Man behandle den Menschen und nicht den Wert des Cholesterins. Daher müsse man schauen, ob weitere Risikofaktoren für die Gesundheit existierten. Das können etwa Übergewicht, Bluthochdruck, Nierenprobleme oder Diabetes sein.

Übrigens: Übergewicht und Hypercholesterinämie, also der medizinische Begriff für erhöhte Cholesterinwerte - das sollte man nicht miteinander verwechseln. „Das sind zwei unterschiedliche Probleme, auch wenn es eine große Schnittmenge gibt. Es gibt schlanke Personen mit sehr hohen Cholesterinwerten und es gibt adipöse Personen mit niedrigem Cholesterin“, sagt Laufs. Ein erhöhter Cholesterinwert sei häufig auch schlicht genetisch bedingt.

Es reicht nicht, nur einen Baustein des Lebenssteils zu ändern.
Es reicht nicht, nur einen Baustein des Lebenssteils zu ändern. © Christin Klose/dpa-tmn

Erst aus dieser Betrachtung ergibt sich eine Entscheidung, ob medizinische Cholesterinsenker, sogenannte Statine, zum Einsatz kommen sollen. Die Tabletten können Nebenwirkungen haben. Eine, vor der so einige Menschen Sorge haben: Muskelschmerzen. Doch zeigen sich solche Beschwerden, müssen nicht zwangsläufig die Tabletten die Ursache sein.

„Gerade im mittleren oder höheren Lebensalter sind muskuläre Beschwerden sehr häufig. Von zehn Personen, die unter diesen Beschwerden leiden, hätten neun diese auch ohne das Medikament“, lautet Laufs Einschätzung.

Ohne Veränderungen im Lebensstil geht es nicht

Doch Tabletten sind längst nicht der einzige Weg, die erhöhten Cholesterinwerte anzupacken. Die Ernährungsmedizinerin Anne Fleck hat die Erfahrung gemacht: Eine passende Veränderung des Lebensstils kann eine Alternative zur Statin-Therapie darstellen. Oder zumindest eine Reduktion der Dosis ermöglichen.

Ihr Rat: Vor und parallel zu jeder Therapie mit Medikamenten sollte eine individuelle Umstellung der Lebensgewohnheiten, vor allem der Ernährung, erfolgen.

Eier sind nicht verboten

Stichwort: Ernährung. Cholesterin steckt vor allem in tierischen Produkten wie Fleisch, Eiern oder Butter. Die Ernährungsexpertin und Buchautorin („Cholesterin im Griff“) Prof. Michaela Döll sagt allerdings: Wenn man nun versuche, auf alle Lebensmittel zu verzichten, in denen Cholesterin enthalten sei, sei dies nicht zielführend.

Eier sind nicht automatisch verboten.
Eier sind nicht automatisch verboten. © Christin Klose/dpa-tmn

„Wenn ich weniger Cholesterin zu mir nehme, indem ich mich zum Beispiel kasteie und ständig auf das heiß geliebte Hühnerei verzichte, dann produziert der Körper einfach von sich aus mehr Cholesterin, da er es braucht“, sagt Döll.

Ein Schlüssel: Ballaststoffe

Mit anderen Veränderungen in der Ernährung lässt sich mehr erreichen. Laut der Ernährungsmedizinerin Anne Fleck ist es notwendig, den Ballaststoffanteil in der Ernährung zu erhöhen. Grund: Ein Großteil des Cholesterins wird im Darm gebunden wird, wobei diese unverdaulichen Nahrungsbestandteile helfen. Dafür können zum Beispiel Flohsamenschalen und Akazienfasern in Mahlzeiten ergänzt werden.

Auch Haferkleie kann mit ihren Ballaststoffen, den Beta-Glucanen, den Cholesterinspiegel senken. Nach Berechnungen der Verbraucherzentrale stellt sich eine positive Wirkung auf den Cholesterinspiegel bei einer Portion von etwa 40 Gramm Haferkleieflocken ein.

Anne Fleck rät außerdem, die Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren zu erhöhen. Lieferanten dafür sind zum Beispiel Fisch oder Algenöle, die die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA enthalten. „Zudem ist es wichtig, den Gehalt an Transfettsäuren aus dem Essen möglichst gering zu halten“, sagt die Ernährungsmedizinerin. Heißt: Man sollte zum Beispiel lieber Olivenöl oder Rapsöl verwenden anstatt Sonnenblumen- oder Maiskeimöl.

Öl ist nicht gleich Öl.
Öl ist nicht gleich Öl. © Franziska Gabbert/dpa-tmn

Ganz generell ist es sinnvoll, sich an der mediterranen Kost zu orientieren - und viel Gemüse, Nüsse und Kräuter einzubauen. Ulrich Laufs zufolge ist entscheidend, dass die Menge der zugeführten Kalorien in etwa, der Menge der verbrauchten Kalorien entspreche. Und: „Nicht rauchen und körperliche Aktivität.“

Es ist nie zu spät, um etwas zu verändern

Für Veränderungen wie diese ist es übrigens nie zu spät: Auch mit über 70 Jahren könne man durch eine pflanzenbetonte Ernährungsumstellung und mehr Bewegung - und sei es im Sitzen - noch einiges erreichen, so Döll. Sie ist sich sicher, dass es vielen Menschen bereits deutlich besser ginge, wenn man statt der Einnahme von Tabletten eher auf mehr Bewegung und der Reduzierung von Übergewicht setzen würde.

Und wenn die Werte einfach nicht sinken wollen, man alles versucht hat? Dann ist es Zeit, die Strategie gegen die erhöhten Cholesterinwerte noch einmal zu prüfen und nachzuschärfen - und eventuell doch auf die Unterstützung von Medikamenten zu setzen.