Sorgenvoller Blick auf die Corona-Infektionen im Ilm-Kreis

Im Ilm-Kreis steigen die Fälle der Neuinfektionen.  Die Zahlen drohen, eine kritische Grenze zu überschreiten. Die Verwaltung tut alles, um einen zweiten Lockdown zu vermeiden.

Einkaufen nur mit Mundschutz – das machen auch die Arnstädter Ulla und Hans-Werner Maffert

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Foto: Hans-Peter Stadermann

Ein zweiter Lockdown im Ilm-Kreis wäre wohl für alle eine Katastrophe: Für die Industriebetriebe, für Gewerbetreibende, Händler, Gastronomen, Hoteliers, für Selbstständige. Viele Eltern fürchten sich vor einer zweiten langfristigen Schließung von Kindergärten und Schulen. „Das wochenlange Homeschooling vor den Ferien war für uns sehr schwer zu organisieren, bitte nicht noch einmal“, sagt ein Vater* aus Elxleben. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenfreien Corona-Liveblog

Großveranstaltungen sind eh erst einmal passe. Ob es im Ilm-Kreis die Rathausstürme und Karnevalsumzüge in der Form, wie man sie kennt, geben wird, ist mehr als fraglich. Momentan sieht es eher danach aus, dass am 11.11. eh schon wieder alles vorbei ist. Derzeit diskutiert man, was mit den Weihnachtsmärkten wird. Im Gespräch sind „abgespeckte Versionen“, wie man sie beispielsweise von den Wochenmärkten in Arnstadt kennt.

Experten – darunter viele führende Virologen – sind sich sicher: In Herbst und Winter wird die Corona-Gefahr in Deutschland größer werden, wenn sich alles in geschlossene Räume verlagert. Auch deshalb appelliert das Landratsamt eindringlich, sich noch sorgfältiger an den Infektionsschutz zu halten. „Die Zahlen drohen, eine kritische Grenze im Kreis zu überschreiten“, sagte Amtsärztin Renate Koch angesichts der elf neuen Fälle allein von Freitag zu Samstag.

Kritischer Wert bei Ansteckungen ist noch nicht erreicht

Mit Stand vom Montag sind dem Gesundheitsamt 210 bestätigte Fälle einer Coronavirus-Infektion bekannt. Derzeit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz im Ilm-Kreis bei 33 Fällen auf 100.000 Einwohner. „Eine kritische Grenze wäre bei 38 neuen Fällen in sieben Tagen erreicht. Vor genau sieben Tagen sind unter anderem neun neue Fälle gemeldet worden. Diese fallen ab morgen nicht mehr in die Sieben-Tage-Inzidenz hinein. Das Gesundheitsamt schaut dennoch mit Sorge auf die Entwicklung der Fallzahlen“, heißt es dazu aus dem Landratsamt. Unter den Neuinfektionen des Wochenendes – von Freitag bis Sonntag elf Fälle – befinden sich unter anderem Reiserückkehrende und Kontaktpersonen schon bekannter Fälle.

Das Gesundheitsamt hat am Montag mit der zweiten Abstrichrunde begonnen. Abgestrichen werden die Wohnstätte und Werkstatt für Menschen mit Behinderungen in Arnstadt sowie eine von Infektionsgeschehen betroffene Pflegeeinrichtung. Für diese Einrichtungen hat das Gesundheitsamt ein Betretungsverbot oder die Schließung (Werkstatt) verordnet. Auch mit den Pflegeeinrichtungen im Ilm-Kreis sei man im Gespräch, um für die Lage zu sensibilisieren. Die von einem Infektionsausbruch betroffene vierte Klasse der Grundschule Plaue kann ab Dienstag wieder die Schule besuchen.

In der vorigen Wochen sind die Infektionszahlen im Ilm-Kreis erheblich gestiegen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gibt an, dass bei 35 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen ein kritischer Wert erreicht ist. Das RKI meldete für den Kreis mit Stand Montag, 0 Uhr, 33,1 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen für den Ilm-Kreis. Er bleibt damit trauriger Spitzenreiter in Thüringen. „Wir ergreifen als Landkreis nun alle Maßnahmen, um weitere Ausbrüche zu verhindern. Doch das kann nur gelingen, wenn alle den Infektionsschutz ernst nehmen“, erklärt der Beigeordnete Kay Tischer.

Private Feiern entfalten negative Eigendynamik

Die Ausbrüche wurden in sensiblen Bereichen festgestellt. So sind ein Kindergarten, eine Schule, eine Werkstatt und Wohnstätte für Menschen mit Behinderungen, eine Pflegeeinrichtung und seit Freitag die TU Ilmenau betroffen. „Wir sind vor allem mit den Pflegeeinrichtungen im Gespräch und sensibilisieren sie für das Risiko eines Infektionsausbruches“, sagt Koch.

Sorgen machen ihr auch die Fälle, die im Umkreis privater Veranstaltungen aufgetaucht sind. „An die Bevölkerung im Ilm-Kreis appellieren wir deshalb noch mal eindringlich: Halten Sie die Hygieneregeln ein, tragen Sie unbedingt eine Mund-Nase-Bedeckung in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr, halten Sie den Mindestabstand zu anderen Menschen und vermeiden sie alle unnötigen Kontakte. Überlegen Sie genau, ob sich Besuche bei Angehörigen in Pflegeheimen aufschieben lassen, ob eine private Feier auch später nachgeholt werden kann und welche Angehörige aus Risikogruppen sie jetzt besonders schützen können“, sagt Kay Tischer.

Denn Privatfeiern entwickeln oft eine negative Eigendynamik: Nach eben einer privaten Geburtstagsparty mit etwas mehr als 30 Teilnehmern – bis 50 Personen sind auch im Ilm-Kreis in geschlossenen Räumen erlaubt – in Dettingen auf der Schwäbischen Alb wurden 14 Teilnehmer positiv auf das Coronavirus getestet. Hunderte weitere Personen befinden sich deshalb nun in Quarantäne.

* Name der Redaktion bekannt