Jena ehrt Harald Seime – seinen leisen, aber starken Künstler

Jena  An einem Abend mit und für den berühmten Pantomime-Künstler Harald Seime konnte er sich in das Goldene Buch der Stadt Jena eintragen.

OB Albrecht Schröter und Harald Seime mit dem Goldenen Buch. Rechts Kristian Philler, Initiator des Harald-Seime-Abends. Foto: Michael Groß

OB Albrecht Schröter und Harald Seime mit dem Goldenen Buch. Rechts Kristian Philler, Initiator des Harald-Seime-Abends. Foto: Michael Groß

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Es stand so etwas wie Abschied im Raum, sagte OB Albrecht Schröter (SPD) am Dienstagabend gegen 21 Uhr. Und doch wollte keiner der Gäste im voll besetzten Saal des Theaterhauses Jena so recht daran glauben. Denn gerade, als der OB mit seiner Wortmeldung überleiten wollte zum feierlichen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Jena, hatte Harald Seime ein 90-minütiges Gala-Pantomime-Programm auf die Bühne gebracht und dabei ein Feuerwerk der lautlosen Kunst abgebrannt, so dass man ihm die 80 Lebensjahre gar nicht abnehmen konnte, die er am 3. März vollendet hat.

Es war eine Art Best of Harald Seime, was da zu erleben war. Ein Wiedersehen mit vielen Glanzlichtern aus seiner jahrzehntelangen Karriere als Pantomime, der sich stets in der Tradition der französischen Pantomime-Legende Marcel Marceau gesehen hat.

Da fehlte das Selbst-Porträt genauso wenig wie der Musikalien-Dieb oder der Zirkus, der Mann und das Huhn sowie der Angler im Kahn. Auch der seinen Hund ausführende Mann zog zwar ohne Leine und Hund, aber mit viel in Szene gesetzter Beobachtungsgabe über die Bühne. Nicht zu vergessen die von ihm durch Glasscheiben angedeuteten Grenzen, auf die der Mensch im Leben öfter stößt.

Ja, Harald Seime war ganz bestimmt so etwas wie der „Spiritus Rector“ der Pantomime im Osten, die er seit den 1960er-Jahren maßgeblich mitgeprägt hat. Auch nach der Wende blieb er der Pantomime und Jena treu. Mit den Pantomime-Tagen in Jena und seinem Pantomime-Studio hat er der Stadt ein Alleinstellungsmerkmal verliehen, sagte OB Schröter. Er selbst bewundere die Kunst von Seime, vor allem seine Körpersprache.

Dixieland, Jazz und Texte als Pantomime-Begleiter

So lud der OB den Künstler ein, sich ins Goldene Buch der Stadt einzutragen, weil er viel für das Ansehen von Jena getan habe. Nicht zuletzt sei Seime ja auch Ortsteilbürgermeister in Vierzehnheiligen gewesen.

Der Abend mit und für Harald Seime war möglich geworden, weil Kristian Philler ihn initiiert und mit Jenakultur und Theaterhaus organisiert hatte. Der Stadtrat und engagierte Kulturfan hatte gemeinsam mit Anneliese Seime, der Ehefrau des Künstlers, die Strippen gezogen, so dass es laut OB ein „unglaublich schöner Abend“ geworden war. Daran Anteil hatten auch die Old Time Memory Jazzband, das Dirk-Wasmund-Trio, die Pianisten Felix Reuter und Matthias Hessel, der Didgeridoo-Spieler Martin Herzog sowie die Rezitatorin Dagmar Kunze und nicht zuletzt Seimes recht talentierte Enkel Oskar und Esther, die als Nummern-Ankündiger aktiv waren.

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