Wenn Kunst und Liebe in Flammen aufgehen: Jenaer erinnern an Bücherverbrennung durch die Nazis von 1933

Jena  Mit einem symbolischen Feuer erinnerten gestern Schüler und Vertreter des Vereins „Recht in Europa“ an die Bücherverbrennung durch die Nazis von 1933.

Sabine Thümer-Bauereiß, Bernd Werner und Jens-Uwe Thümer (v. l.) erinnerten an die Bücherverbrennung 1933 und machten auf heutige Zensur aufmerksam. Foto: M. Groß

Sabine Thümer-Bauereiß, Bernd Werner und Jens-Uwe Thümer (v. l.) erinnerten an die Bücherverbrennung 1933 und machten auf heutige Zensur aufmerksam. Foto: M. Groß

Foto: zgt

Ein Feuer loderte gestern im Faulloch. Vorüber eilende Passanten konnten sehen, dass große Bücher im Feuer lagen, anderen davor aufgetürmten Büchern sollte das gleiche Schicksal drohen. Auf einem Buch stand Demokratie, auf einem anderen Menschenrechte, auf anderen Liebe, Kultur, Religion und Weltanschauung. Manche Passanten hielten verdutzt inne und fragten die Akteure, was hier vor sich gehe.

„Verbrannt“ heißt die Aktion, mit der gestern Nachmittag in der Jenaer Innenstadt an die auch in Jena 1933 stattgefundene Bücherverbrennung der Nazis erinnert wurde. Dazu zogen Schüler der 10. Klasse des Christlichen Gymnasiums mit Straßentheater die Johannisstraße entlang und schilderten die beklemmende Atmosphäre, in der Rassismus, Unfreiheit, Zensur und Meinungsmanipulation gedeihen können. Im Faulloch schließlich landeten die aus dünnem Holz gefertigte Hüllen mit den genannten Buchaufschriften in den Flammen.

Fortgesetzt wurde die Aktion dann gestern mit einer Podiumsdiskussion in der Mensa des Christlichen Gymnasiums, an der Schüler, Wissenschaftler, Politiker und Vertreter des in ­Jena beheimateten Vereins „Recht in Europa“ teilnahmen.

Zu diesem Verein, der in Kooperation mit dem Verein „Miteinander in Europa“ die Aktion veranstaltet, gehören auch Jens-Uwe Thümer, Bernd Werner sowie Sabine Thümer-Bauereiß. Sie wollten damit nicht nur aufmerksam machen auf das geschichtliche Ereignis 1933, sondern auch darauf, wie Zensur heute weiterlebt, zum Beispiel im Internet. Und auch wie Rassismus in seinen Spielarten in der Gesellschaft alltäglich ist.

Heute soll es im Rahmen dieses von der Europäischen Union geförderten Projekts Lesungen von verbotener und verbrannter Literatur in der Friedenskirche geben. Die Friedenskirche ist heute auch um 15 Uhr Schauplatz eines Vortrages „Die Bücherverbrennung am 26. August 1933 in Jena“ von Dietmar Ebert. Die Veranstaltung ist für alle Interessierten öffentlich.

Das Projekt „Verbrannt“ will an fünf verschiedenen Orten Europas emotional an die Bücherverbrennung 1933 erinnern. Veranstaltungen dazu haben bereits in Bulgarien und Rumänien stattgefunden.

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