Berlin. Fast die Hälfte der Siedlungsgebiete in deutschen Städten ist zubetoniert. Wo es besonders schlimm ist – und warum Versicherer warnen

Fast die Hälfte des Siedlungsgebiets in Deutschlands Städten ist bebaut, betoniert oder asphaltiert. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 44 Prozent, so das Ergebnis einer aktuellen Studie im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), die unserer Redaktion vorab vorliegt. Untersucht worden war der mittlere Versiegelungsgrad in den Siedlungsgebieten von 134 Städten.

Nach Ansicht des GDV ist die zunehmende Versiegelung ein Problem. „Versiegelte Flächen verhindern das Versickern des Regenwassers. Dies kann bei extremen Regenfällen zu Überschwemmungen mit erheblichen Schäden führen“, sagt Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Eine weitere Gefahr des Flächenfraßes sei die zunehmende Hitze in den Städten. Asphalt und Beton absorbieren das Sonnenlicht und wandeln es in Wärme um.

Kommunen sollten deshalb die Starkregengefahr in ihrer Stadt- und Landschaftsplanung stärker berücksichtigen. Um dem Wasser mehr Raum zum Versickern zu geben, könnten Spiel- oder Fußballplätze temporär als Überflutungsflächen dienen

Städte sollten Spiel- und Fußballplätze zu Überflutungsflächen machen

„Auch die Entsiegelung von Flächen muss auf die Tagesordnung“, so Asmussen. Dies sei wichtig, um lokalen Überflutungen vorzubeugen. „Die Kanalisationssysteme in den Städten sind nur für bestimmte Wassermengen ausgelegt. Einem extremen Starkregen halten sie in der Regel nicht stand“, sagt Asmussen.

Starkregen in Bochum. Das Symbolbild stammt aus dem Jahr 2021. Die Kanalisation konnte die Wassermassen nicht mehr aufnehmen.
Starkregen in Bochum. Das Symbolbild stammt aus dem Jahr 2021. Die Kanalisation konnte die Wassermassen nicht mehr aufnehmen. © FUNKE Foto Services | Frank Oppitz

In Deutschland regeln das Raumordnungsgesetz und Nutzungspläne, welche Flächen bebaut werden dürfen. „Um weiterer Versiegelung vorzubeugen, sollte bei Baugenehmigungen immer eine verpflichtende Klima-Gefährdungsbeurteilung erfolgen“, sagt Asmussen. Bei Projekten mit großer Flächenversiegelung sollten zudem ökologische Ausgleichsflächen geschaffen werden. Auch interessant: Wo unsere Erde unbewohnbar wird

Baden-Württemberg ist laut Studie vorn

„Es gibt bereits Konzepte wie das der Schwammstadt, die Städtebau und Starkregenschutz miteinander in Einklang bringen“, so Asmussen. Dazu gehörten auch begrünte Dächer oder zusätzliche Rückhaltebecken, die das Wasser zwischenspeichern.

Die am stärksten versiegelte Stadt in Deutschland ist laut der Studie Ludwigshafen. Rund 67 Prozent des Siedlungsgebiets sind betoniert oder asphaltiert. Hinter Ludwigshafen folgen Mannheim und Rüsselsheim mit Versiegelungsgraden von 66 beziehungsweise 65 Prozent. Alle drei Städte haben eine hohe Versiegelungsrate, da große Industrieflächen der chemischen Industrie oder Automobilindustrie innerhalb der Siedlungsgrenzen liegen, erklärt der GDV.

Den nie­drigsten Versiegelungsgrad weist Suhl in Thüringen mit rund 30 Prozent auf. Im Vergleich der Bundesländer hat Baden-Württemberg den höchsten Versiegelungsgrad (50 Prozent), Brandenburg den niedrigsten (36 Prozent).