Homeoffice

Zurück ins Büro trotz Corona: Das müssen Arbeitnehmer wissen

Beate Kranz und Miguel Sanches
| Lesedauer: 6 Minuten
Homeoffice-Pflicht endet: Was jetzt?

Homeoffice-Pflicht endet: Was jetzt?

Am 20. März soll es wieder einen Büroalltag geben, denn dann fallen viele Corona-Maßnahme weg. Darunter auch die Homeoffice-Pflicht. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will ein Recht auf Homeoffice durchsetzen.

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Berlin   Trotz steigender Coronazahlen ist die Homeoffice-Pflicht ausgelaufen. Arbeitnehmer müssen zurück ins Büro. Was sie beachten müssen.

  • Die Homeoffice-Pflicht ist offiziell am 20. März ausgelaufen
  • Doch aktuell steigen die Corona-Zahlen in Deutschland wieder
  • Was bedeutet das für Arbeitnehmer? Muss ich trotz hoher Zahlen ins Büro?

Die gesetzliche Pflicht zum Homeoffice ist ausgelaufen. Zurück ins Büro? Vielen Unternehmen gehen die Rückkehr wegen steigender Corona-Infektionszahlen behutsam an. Die wichtigsten Fragen im Überblick.

Welche Regeln gelten jetzt in den Betrieben?

Die neue Arbeitsschutzverordnung, die erst in der vergangenen Woche vom Bundeskabinett verabschiedet wurde, schreibt den Arbeitgebern einen Basisschutz vor: Betriebliche Hygienekonzepte, Abstandsgebote, einen kostenfreien Schnelltest in der Woche, Impfangebote und die Bereitstellung eines Mund- und Nasenschutzes, nicht zwingend FFP-2 – einfache OP-Masken genügen.

Es ist eine Übergangsregelung. Sie gilt bis zum 25. Mai. Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Steffen Kampeter, versichert, Gesundheitsschutz stehe aber "ganz oben auf der Tagesordnung in den Betrieben und Unternehmen".

Müssen alle zurück ins Büro?

Im Prinzip: Ja. Es gibt keine Pflicht mehr, möglichst zu Hause zu arbeiten. Die Länder können sie mangels Zuständigkeit auch nicht verlängern.

Aber die Arbeitgeber können es in jedem Betrieb anders angehen, zumal die Infektionslage regional unterschiedlich ist. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hofft auf flexible Lösungen. Zur Verminderung betrieblicher Personenkontakte gehöre auch Homeoffice, sagte er und warnte, "wir haben den Höhepunkt der fünften Welle noch nicht hinter uns und auch danach wird das Ansteckungsrisiko nur langsam abklingen."

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Kann man mobiles Arbeiten vereinbaren?

Das Arbeitsministerium weiß von mindestens 173 Tarifverträgen mit Regelungen zu Mobiler Arbeit und 106 Tarifverträgen mit Regelungen zum Homeoffice. Dazu kommen die vielen Betriebsvereinbarungen, die sehr unterschiedlich sein können. Darüber hinaus kann jeder Arbeitnehmer mit seinem Arbeitgeber individuelle Vereinbarungen treffen. Die unterschiedlichen Begriffe stehen für verschiedene Sachverhalte: Mobile Arbeit kann überall erbracht werden, Homeoffice zu Hause. Dann muss der Arbeitgeber auch dafür Sorge tragen, dass der Arbeitsplatz dort den gleichen Anforderungen wie im Betrieb entspricht.

Zwei Tage Arbeiten zu Hause sind eine Richtschnur. Selbst bei Apple und Co. gehen Betriebsvereinbarungen oft nicht darüber hinaus. Die Bürowelt hat sich gleichwohl in der Pandemie verändert: Mobile Arbeit hat sich weithin etabliert.

Was sagen die Arbeitgeber?

Sie hätten jetzt die Möglichkeit, "individuell auf die jeweiligen Herausforderungen zu reagieren", erläuterte Kampeter im Gespräch mit unserer Redaktion. Er schloss ausdrücklich Homeoffice ein.

Was sagen die Gewerkschaften?

DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel sagte unserer Redaktion, wo es möglich sei, bleibe Homeoffice ein nützliches Instrument, um Kontakte und damit das Infektionsgeschehen einzuschränken. Sie mahnte, Beschäftigte bräuchten bei der Arbeit zu Hause eine gesundheitsförderliche Ausstattung und moderne Technik. Sie bräuchten "dringend Regeln gegen Entgrenzung von Arbeit, um psychische Belastungen zu reduzieren."

Greift die gesetzliche Unfallversicherung zahlen?

Passiert ein Unfall bei der Tätigkeit im Homeoffice, muss die gesetzliche Unfallversicherung des Arbeitgebers zahlen. Das gilt beispielsweise für den Weg in die Küche, um Kaffee zu holen oder Mittagspause zu machen, oder für den Gang zur Toilette. Das geht aus einem Urteil des Bundessozialgerichts bereits vom Dezember 2021 hervor.

Es ging darum, ob schon der Weg in der eigenen Wohnung – im konkreten Fall: eine Treppe – zum direkten Weg zur Arbeit gezählt wird. Bei Homeoffice kommen die Wege innerhalb eines Haushalts den betrieblichen Wegen gleich, wenn sie in direktem Zusammenhang mit der Arbeit stehen.

Mit der Gesetzesänderung sind diese seit Juni 2021 endgültig versichert. Übrigens auch Unfälle auf dem direkten Weg zu Kita oder Kindergarten. wenn die Arbeit im Homeoffice erfolgt und eine Kinderbetreuung erforderlich ist.

Kann ich mein Homeoffice ins Ausland verlegen?

Grundsätzlich bestimmt der Arbeitgeber den Arbeitsort des Arbeitnehmers. Bei einer "klassischen Home-Office-Vereinbarung" ist der Wohnort auch der Tätigkeitsort, sagt der Hamburger Fachanwalt für Arbeitsrecht, Christian Oberwetter. Häufig werde jedoch "mobiles Arbeiten" vereinbart. Dann darf man auch außerhalb der eigenen Wohnung arbeiten. Wer im Ausland arbeiten möchte, muss in jedem Fall den Arbeitgeber informieren. Dieser muss zustimmen. Der Arbeitgeber kann die Tätigkeit aus dem Ausland verbieten, wenn seine Unternehmensinteressen beeinträchtigt werden, zum Beispiel wenn besonders sensible Daten per Computer ausgetauscht werden müssen.

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Wie gesund ist Homeoffice?

Vom Arbeiten im Homeoffice profitieren Frauen gesundheitlich offenbar stärker als Männer. Dies hat eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse ergeben, die dieser Redaktion vorliegt. Danach berichtet jede vierte Frau (24 Prozent), dass es ihr im Homeoffice körperlich und geistig besser geht – unter Männern sagte dies nur jeder sechste (17 Prozent). 70 Prozent beider Geschlechter schätzen vor allem, dass sie durch Homeoffice ihr Privatleben, Familie und Beruf besser vereinbaren können.

Doch die Heimarbeit hat laut Umfrage auch Nachteile: Bei jeder vierten Frau und jedem fünften Mann hat sich der Gesundheitszustand im Homeoffice verschlechtert. Insgesamt überwiegen jedoch besonders bei Frauen die positiven Effekte. 40 Prozent der befragten Frauen fühlen sich weniger erschöpft oder haben seltener das Gefühl, gestresst und ausgebrannt zu sein. Unter Männern teilen nur 28 Prozent diesen Eindruck. Bei jeder fünften Frau hat sich der Stress jedoch erhöht, ebenso bei 16 Prozent der befragten Männer. Zudem leiden im Homeoffice 35 Prozent der Frauen weniger unter Rückenschmerzen und Verspannungen, während dies nur 18 Prozent der Männer angeben. Gleichzeitig haben sich bei einem Drittel beider Geschlechter die Rückenschmerzen durchs Homeoffice verschlimmert.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de