Mertendorfer setzen den 80. Maibaum

Mertendorf  Laut Überlieferungen geht die Tradition sogar bis weit vor 1900 zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg schlief der Brauch zeitweilig ein. Heute kümmert sich fast jeder fünfte Mertendorfer um das Fest.

Ein Bild vom ersten Setzen 1936, wo der Baum etwas hinter dem heutigen Standort gesetzt wurde. Foto: Sammlung Frank Treffer

Ein Bild vom ersten Setzen 1936, wo der Baum etwas hinter dem heutigen Standort gesetzt wurde. Foto: Sammlung Frank Treffer

Foto: zgt

Am 31. Mai 1936 kam der Bauer Paul Schöppe mit einem Pferdefuhrwerk nach Mertendorf – geladen hatte er einen Maibaum. 80 Jahre später hält die Maibaumgesellschaft Mertendorf die Tradition weiter hoch und lädt am Wochenende mit einem erweiterten Festprogramm zum Jubiläum ein.

Glaubt man Erzählungen und einzelnen Schriftstücken in Archiven, dann werden Maibäume in Mertendorf sogar schon viel länger gesetzt, die Tradition könnte bis weit vor 1900 zurück gehen. „Ein Pfingstfest wurde im Ort sogar schon im 18. Jahrhundert begangen, nach Fertigstellung der Kirche“, erzählt Stefan Treffer, der Vorsitzende der Maibaumgesellschaft. Über die Jahre wurde das Fest immer größer, mauserte sich schließlich zum Dorffest, das die Mertendorfer auf dem Dorfplatz organisierten. Später sei dann der Brauch entstanden, dass die Männer den Frauen zum Zeichen ihrer Stärke einen Baum auf den Dorfplatz stellten.

Verstärkung am Baum ist sehr willkommen

Bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde so Pfingsten in Mertendorf gefeiert. „Während des Krieges war es ja amtlich verboten, öffentliche Feste zu feiern“, so Stefan Treffer. Einige Orte feierten trotzdem – heimlich – weiter. „In Mertendorf ging das nicht, weil durch den Krieg fast keine Männer mehr im Ort waren.“ So kam es wie es kommen musste: Die Tradition schlief ein.

In den 1970er-Jahren entschlossen sich dann die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr, wieder einen Maibaum zu setzen. Später ist daraus die heutige Maibaumgesellschaft entstanden, die seit dem Jahr 2000 ein eingetragener, gemeinnütziger Verein ist. Dessen Aktivitäten erstrecken sich mittlerweile weit über das Maibaumsetzen hinaus. So kümmern sich die Mitglieder auch um die Ausrichtung von Straßen- und Lindenfest und den Weihnachtsmarkt.

Zudem organisiert der Verein Arbeitseinsätze in der Gemeinde und arbeitet an der Orts­chronik mit. 33 Mitglieder sind derzeit in der Maibaumgesellschaft aktiv, eine Teilnehmerzahl, die sich bei insgesamt 160 Einwohnern durchaus sehen lassen kann.

Das Wochenende nach Himmelfahrt ist ein fester Termin für das Mertendorfer Maibaumsetzen. Denn: „Am 1. Mai gehen wir gerne nach ­Rockau und zu Pfingsten nach Wetzdorf“, erklärt Treffer. Zum Jubiläum haben die Mertendorfer auch Nachbarvereine eingeladen. „Friedrichstanneck kommt zum Beispiel mit drei bis fünf Leuten vorbei, wir besuchen uns immer gegenseitig.“ Außerdem brauchen die Burschen auch ein wenig Verstärkung am Baum. „Dort brauchst du mindestens 20 kräftige Männer.“ Wer sich also am Sonnabend spontan zum Helfen entschließt, ist willkommen. Zum „Geburtstag“ haben sich die Mertendorfer das Blas-, Tanz- und Unterhaltungsorchester (BTU) Keramische Werke aus Hermsdorf eingeladen. Das begleitet auch den Frühschoppen am Sonntag, der extra zum Jubiläum stattfindet. „Der ist ausdrücklich für die ganze Familie“, betont Stefan Treffer. Eine Catering-Firma serviert zum Abschluss am Sonntag um 12 Uhr Rouladen und Klöße.

Festprogramm zum Maibaumsetzen

Freitag, 6. Mai:

  • 17 Uhr: Einholen des Maibaumes
  • 20 Uhr: Live-Konzert mit Felix Veit, bei dem auch getanzt werden kann

Sonnabend, 7. Mai:

  • 14 Uhr: Maibaumsetzen mit dem BTU Hermsdorf
  • Preiskegeln für Kinder und Erwachsene, Hüpfburg, Kinderspiele
  • Abendausklang mit der Diskothek „Hitbox“
  • Kaffee und Kuchen, der Rost brennt

Sonntag, 8. Mai

  • 10 Uhr: Frühschoppen mit dem BTU Hermsdorf
  • 12 Uhr: Mittagessen

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