Radurlaub daheim: Über die Sängerwiese ins Gradierwerk nach Bad Salzungen

Eisenach.  Wer es über die Berge schafft,wird in dieser Jahreszeit mit prachtvoller Natur belohnt. Am Ziel in Bad Salzungen lohnt sich der Besuch des Gradierwerkes.

Das Gradierwerk ist das Herzstück des Sole-Heilbads.

Das Gradierwerk ist das Herzstück des Sole-Heilbads.

Foto: Katja Schmidberger

Von Eisenach nach Bad Salzungen gibt es keinen Radweg. Das hängt sicherlich auch mit der Landschaft zusammen. Dazwischen liegen der Rennsteig mit seinen Höhenmetern und noch einige weitere Hügel. Es warten einige Steigungen auf dieser Etappe, am Rennsteig auch unbefestigte Wege.

Wie immer startet die Radtour am Markt. Ein Schild führt Richtung Wartburg in die Lutherstraße und Marienstraße. Weiter geht es auf der Hauptstraße ins Mariental. Ab dem Prinzenteich kann man auf die Wichmann-Promenade links neben der Straße ausweichen. An deren Ende überqueren wir kurz die Bundesstraße beim Eingang der Drachenschlucht und fahren den Fahrweg zur Sängerwiese hinauf.

Am Gasthaus Sängerwiese hat das Forstamt ein Arboretum mit zahlreichen exotischen Bäumen angelegt. Was auf den ersten Blick wie eine Spielerei aussieht, hat einen ernsten Hintergrund. Angesichts des flächendeckenden Baumsterbens möchten die Förster hier herausfinden, welche Baumarten sich für das veränderte Klima eignen.

Vor dem Gasthaus wird links abgebogen, gefolgt wird immer den Wanderwegweisern Richtung Wilde Sau. Vorsicht, jetzt wird es mal holprig. An einigen steilen und schlecht befestigten Stücken auf dem Wanderweg wird man ums Schieben nicht ganz herumkommen. Wenn der Radwegweiser nach rechts führt, geht es trotzdem geradeaus. Eigentlich müssten wir uns vor der Wilden Sau links halten. Die Wilde Sau ist ein Steinkreuz aus dem Jahr 1483, das die Abbildung eines auf einer Sau reitenden Jägers zeigt. Hier bietet sich eine erste Pause nach dem langen Anstieg an.

Nach dem Verschnaufen erreicht man den Rennsteig. Wir halten uns links und biegen nach wenigen Metern rechts ab in Richtung Unkeroda. Es geht geradeaus, immer bergab bis zur Straße „In der Struth“. Unten an der Hauptstraße geht es links und danach bergan rechts in Richtung Eckardtshausen. Im Ort fahren wir nicht nach Wilhelmsthal oder in die Marksuhler Straße, sondern bergauf in die Straße ohne Namen, die für Lastwagen verboten ist.

Auf der Höhe sehen wir Bäume, die mit einem „S“ bezeichnet sind. Hier ist die Straße kurzzeitig ein Teil des Sallmannshäuser Rennsteigs, der vom Ruhlaer Häuschen bis nach Sallmannshausen führt. Wer die Abfahrt nicht zu schnell nimmt, kann einen guten Blick auf die Rhön genießen. Wenn die Straße endet, geht es rechts nach Kupfersuhl. Ein kleiner Ort, idyllisch gelegen, erholsam die Stille in der satten Natur. Mitten im Dorf steht ein Saurier. Der entpuppt sich als Sensation. 1706 wurde hier weltweit der erste Saurierfund dokumentiert. Das Skelett befindet sich heute im Naturkundemuseum London. Im Ort erinnern nur das Denkmal und eine Infotafel an das 250 Millionen Jahre alte Tier. Direkt hinter diesem folgen wir der Straße „Im Winkel“ nach Möhra.

Das große Lutherdenkmal beherrscht den Ort

Möhra war der Heimatort des Vaters von Martin Luther. Das große Lutherdenkmal beherrscht den Ort. Wer will, kann auf dem Platz noch einen Blick in die Kirche erhaschen oder nebenan das Stammhaus bewundern. Luthers Besuch einen Tag vor seiner Entführung auf die Wartburg 1521 gehört zu den Sternstunden des Dorfes. Ein Weimarer Kupferstecher hat diesen Besuch in einem Gemälde festgehalten. Aus Anlass des Reformationsjubiläums wurde das Gemälde 2017 zum Leben erweckt. Über 50 Kinder und Erwachsene aus Möhra stellten die Szene erneut nach. Davon erzählt eine Infotafel. Zurück geht es links, rechts und gleich wieder links Richtung Gräfen-Nitzendorf.

Von nun an ist der Weg als Teil des Werra-Suhltal-Radwegs beschildert. Er führt nach Bad Salzungen. Am Ende der Tour lohnt ein Abstecher ins Gradierwerk. Wenn die gesättigte Sole von den Reisigwänden rieselt, tut man Gutes für die eigenen Atemwege. Wer genug vom Radfahren hat, kann mit der Süd-Thüringen-Bahn fahren. Ansonsten geht es den gleichen Weg zurück.

Eckdaten zur Tour

  • Start ist wie immer der Eisenacher Markt. Diesmal geht es über Lutherstraße, Marienstraße und Wichmann-Promenade aus der Stadt hinaus. Das Ziel ist die Kreisstadt Bad Salzungen.
  • Länge: 27 Kilometer
  • Höhenunterschied: 500 Meter.
  • Schwierigkeitsgrad: mittel bis schwer, es gibt doch einige Anstiege zu bewältigen
  • Anbindung: Wer will, kann mit dem Zug bis Eisenach anreisen und eventuell auch bis zum Bahnhof Förtha weiterfahren.
  • Orte an der Strecke: Wolfsburg-Unkeroda, Eckardtshausen, Wackenhof, Kupfersuhl, Möhra, Gräfen-Nitzendorf, Kloster Allendorf, Bad Salzungen
  • Sehenswertes an der Strecke: Wilde Sau, Ausblick auf Thüringer Wald und Rhön, Lutherstammort Möhra mit der Lutherkirche und dem Lutherdenkmal. Werraauen, wo sich Störche beobachten lassen, und die Kurstadt Bad Salzungen mit ihrem Gradierwerk und dem idyllischen Burgsee.
  • Einkehrmöglichkeiten: Gasthaus Sängerwiese, Gasthaus Waldesruh in Gräfen-Nitzendorf, zahlreiche Gaststätten in der Kreisstadt Bad Salzungen
  • Für Kinder ist, wenn sie klein sind, die komplette Tour eher nicht geeignet. Aber größere Kinder können die Route durchaus schaffen. Vielleicht bietet sich die unten beschriebene Variante an.
  • Wer die Tour variieren möchte, kann mit dem Zug bis nach Förtha fahren, um damit die etwas anspruchsvolle Rennsteigüberquerung zu vermeiden. Oder von Bad Salzungen weiter die Werra herauffahren. Mit der Süd-Thüringen-Bahn kommt man wieder zurück nach Eisenach. Bis Wasungen reicht dabei sogar das Hopper-Ticket aus.
  • Wer nützliche Infos zum Radfahren in der Region sucht kann unter www.adfc-thueringen.de/wartburgkreis viel über das Radfahren in der Region erfahren. In Eisenach gibt es auch einen Radfahrerstammtisch.

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