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Luxus-Reisen: Das sind die Urlaubs-Trends der Superreichen

Oliver Stöwing
| Lesedauer: 6 Minuten
Maskenpflicht im Flugzeug: Wo sie gilt und wo nicht

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Pünktlich zur Sommerzeit hat die EU beschlossen, die Maskenpflicht an Flughäfen und in Fliegern zu lockern. In welchen Ländern sie weiterhin gilt, erklärt das Video.

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Berlin.  Urlaub maßgeschneidert wie ein Designeranzug, abgeschottete Privatinseln: Wie Stars und Superreiche nach der Pandemie Urlaub machen.

342 Millionen Follower auf Instagram zu haben ist wundervoll. Nicht so wundervoll findet es Kylie Jenner, der Berufe wie „Selfmade-Milliardärin“, „Kosmetik-Unternehmerin“ oder „Reality-TV-Star“ zugeschrieben werden, wenn ihr nur ein Bruchteil dabei beim Bad im Meer zuguckt. Dass nach zwei Jahren Pandemie die halbe Welt wieder auf gepackten Koffern sitzt, sorgt bei Stars und Superreichen mitunter für Unbehagen.

Für sie heißt es nun: Ihr Urlaub muss noch exklusiver, noch abgeschotteter, noch komfortabler werden. Anbieter für Highend-Reisen bedienen gezielt diese Bedürfnisse. Einer der großen Luxus-Reisetrends: die Auszeit auf einer Privatinsel, die so schwer zu erreichen ist wie sonst nur der Mond. Saint-Barth fällt da nicht mehr darunter. Der langjährige Lieblingsspielplatz der Promis wurde durchgenudelt von Influencerinnen und Klatschpresse und geht für viele schon Richtung Rummelplatz.

Doch die Karibik bietet Alternativen: Berühmtheiten wie Jennifer Lopez, Nicki Minaj, Bill Gates oder Hillary und Bill Clinton schwören auf Provo, die zu den britischen Turks- und Caicos-Inseln gehört und sich schon einmal anfühlt wie eine Privatinsel. Denn wahre Größen checken dort nicht in eines der Luxusresorts ein, sondern in eine Villa des Anbieters The Source. Lesen Sie auch: Corona und Urlaub – was beim Reisen 2022 beachtet werden muss

Befindlichkeits-Manager umhegen den Gast in der Villa

Jedes Anwesen hat einen eigenen Befindlichkeits-Manager, der sich rund um die Uhr um das Wohlergehen der Gäste kümmert. Im Mai urlaubte Kylie Jenner mit Rapper-Freund Travis Scott und den zwei Kindern in der Villa The Tranquility, die so exklusiv ist, dass der Anbieter sie auf seiner Website verschweigt. Für 43.000 Dollar die Nacht darf man zwischen elf Schlafzimmern und 23 Badezimmern wählen. Lesen Sie auch: Milliardäre lieben Saint-Barth – auf der Insel der Promis

Nach den Erfahrungen in der Pandemie eröffnen immer mehr Luxushotel-Ketten wie Raffles private Insel-Residenzen mit dem gewohnten „intuitiven Service“. Auch das Restaurant Nobu in Malibu, Hollywoods Lieblings-Kantine, will dieses Jahr in den Mietvilla-Markt einsteigen.

Zu den exklusivsten Inseln der Welt gehört Necker Island. Der erlesene Fleck im Karibischen Meer ist Privatbesitz des Virgin-Unternehmers Richard Branson. Das Eiland gehört zu den Virgin Islands, die allerdings nicht nach Bransons Unternehmen benannt sind. 48 Erwachsene und nur sechs Kinder (Ruhe muss sein!) finden maximal Platz in den Gästehäusern im balinesischen Stil. Lesen Sie auch: Italien macht Strände dicht – wo man jetzt ein Ticket braucht

Boris Becker urlaubte auf Bransons Privatinsel

Aus Dankbarkeit für die Gastfreundschaft ließ Robert De Niro einmal eine riesige Holz-Buddha-Statue von Bali auf die Insel schippern, die allerdings 2011 einem Großbrand zum Opfer fiel. Kate Moss, Kate Winslet, Brad Pitt, Prinz Harry oder Paul McCartney profitierten hier schon von der Abgeschiedenheit.

Ein besonderer Gast erinnert sich jetzt vielleicht mit großer Wehmut an seine Aufenthalte 2013, 2014 und 2015: Boris Becker, der derzeit in London in Haft ist.

Ähnlich luxuriös sind sonst nur noch Mustique, Lieblingskaribikinsel von Prinz William und Herzogin Kate, der Noonu-Atoll (Malediven) und Bora Bora im Südpazifik.

Superreiche im Urlaub: Abarbeiten der „Bucket List“

Abgeschiedenheit und Luxus reichen der anspruchsvollen Klientel aber nicht mehr, um sich von Massentouristen abzugrenzen. Der „personalisierte Urlaub“ ist angesagt. Hannah Free analysiert für das Beratungsunternehmen GlobalData das weltweite Reiseverhalten. Sie sagt, Luxustouristen verlangten immer häufiger nach „Einmal im Leben“-Abenteuern, die sie dann von ihrer „Bucket List“ streichen, also der Liste derjenigen Dinge, die man unbedingt noch erleben will.+

„Hyperpersonalisierte, einzigartige Erfahrungen stehen im Vordergrund“, sagt Free. Ein Picknick am rauchenden Vulkan von Stromboli oder ein Abstecher in die nördlichsten Sterne-Restaurants der Welt, das Roks auf den Färöer und das Koks in Grönland – alles ist möglich. „Authentizität, Ethik, Kreativität und Nachhaltigkeit“ stünden dabei im Vordergrund – sobald man dem Privatjet entstiegen ist.

So entsteht im Fairmont-Hotel auf den Malediven ein „Nachhaltigkeits-Labor“, in dem Gäste aus Plastikmüll, der aus dem Meer gefischt wurde, Geschenke und Souvenirs basteln können.

Neuer Beruf: der Reisedesigner

Der Personalisierungs-Trend lässt neuartige Berufe in der Reisebranche entstehen: „Reisedesigner“ nennt etwa der Anbieter Windrose seine Fachleute, die maßgeschneiderte Urlaube zusammenstellen, ausgehend von dem Persönlichkeitsprofil des Klienten. Das Versprechen: „Alles außer gewöhnlich.“

Lisa Frohlich wiederum packt reichen New Yorkerinnen die Koffer, damit die bei jedem Reiseabenteuer das passende, instagramtaugliche Outfit haben. 235 Dollar kostet ihr Service – pro Stunde.

„Die große Lust auf Fernreisen ist wieder da“, sagt Silvia Cannoni von „Edeltravel Luxusreisen“ in Düsseldorf. „Gerade sind Rundreisen durch Afrika oder Asien sehr gefragt – oder Erholung auf den Seychellen oder Mauritius.“ Trendziele für den personalisierten Urlaub sind Los Cobos in Mexiko, Mykonos und Santorini in Griechenland sowie die italienische Amalfi-Küste. An der Côte d’Azur gilt das neue The Maybourne Riviera als wegweisend in Sachen Hotelarchitektur. Wie ein Adlerhorst thront es am Felsen des Dörfchens Roquebrune – nur einen Steinwurf von Monte Carlo entfernt. Das Magazin Condé Nast Traveller kürte es gerade zu einem der besten Hotels der Welt.

Wenn eine Kardashian auf Island im Gewächshaus sitzt

Manchmal führt einen jedoch die maßgeschneiderte Reise an allzu absurde Orte. Reality-TV-Star Kourtney Kardashian etwa kommt nur Bio-Gemüse auf den Teller. Also buchten ihre gut informierten Reisedesigner ihr einen Geburtstagsausflug auf eine nachhaltige Tomatenfarm – im kalten Island. Die Wärme für die Gewächshäuser speist sich umweltfreundlich aus heißen Quellen.

Nachdem Kardashian und ihre Begleiter sich höflich durch das enthusiastisch servierte Tomatenmenü probierten, orderten sie etwas erschöpft einen Cappuccino: „Bitte ohne Tomaten.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.