Jenaer Wissenschaftler: „Hitler hatte keine Ahnung von Genetik“

Jena. Der Jenaer Wissenschaftler Uwe Hoßfeld kommentierte den biologisch-humangenetischen Teil in der Neuauflage von „Mein Kampf“.

Prof. Dr. Uwe Hoßfeld ist Institutsdirektor Arbeitsgruppe Biologiedidaktik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Foto: Jürgen Scheere/Uni Jena

Prof. Dr. Uwe Hoßfeld ist Institutsdirektor Arbeitsgruppe Biologiedidaktik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Foto: Jürgen Scheere/Uni Jena

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Sie haben an der Neuausgabe mitgearbeitet. Was genau war Ihr Part?

Ich bin vor drei Jahren vom renommierten Institut zur Zeitgeschichte in München angefragt worden, ob ich den biologisch- humangenetischen Teil kommentiere und ob ich mir vorstellen könnte, mitzuarbeiten.

Was ist Ihnen dabei aufgefallen?

Es hat mich gewundert, dass es in „Mein Kampf“ nur zirka 30 Seiten zu diesem Thema gibt, obwohl die Rassenkunde eigentlich einen zentralen Teil in der NS-Ideologie einnimmt. Hitler hatte keine Ahnung von Biologie und Genetik. Seine Sprache ist überzogen und verklausuliert – das zieht sich durch das gesamte Werk, deshalb wird in der Neuausgabe die Bedeutung von Begriffen zur Entstehungszeit des Buches erklärt und um ihre heutige Bedeutung ergänzt. So konnte Satz für Satz seziert werden.

Was hat Sie bei der Aufarbeitung am meisten überrascht?

Die schlechte Orthografie, die schlechte Ausdrucksweise und die primitive Sprache. Man muss sich zwingen, dieses Werk zu lesen, es verursacht Kopfschmerzen. Die Demagogie des Verfassers tritt klar zutage. Einige von Hitlers Aussagen enthalten im Kern „gewisse“ historische Wahrheiten und viele Halbwahrheiten, die er in seinem Sinne uminterpretiert und zugespitzt hat.

Was versprechen Sie sich von der Neuausgabe?

Es war an der Zeit, das Buch zu entmystifizieren, die einzelnen Aussagen auseinanderzunehmen und zu sehen, was sich dahinter verbirgt. Ich verspreche mir eine Diskussion, die anhand objektiv gestützter Quellen zeigt, wessen Geisteskind dieser Diktator gewesen ist.

Sollte die kommentierte Variante deshalb im Unterricht eingesetzt werden?

Ich denke ja. Das Buch war immer da. Wer Interesse daran hatte, konnte es sich mit wenigen Mausklicks im Internet hochladen oder im Ausland beschaffen. Jetzt ist die Neuausgabe verfügbar. Natürlich sollte es von Fachlehrern, nicht als Gesamtausgabe, sondern ausschnittsweise, zu bestimmten Themen eingesetzt werden, etwa im Geschichts-, Ethik- oder Biologieunterricht.

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