Altenburger Land. Schülerinnen und Schüler im Altenburger Land organisieren und führen die Juniorwahl selbst durch - mit echten Wahlkabinen und -zetteln.

  • Schüler organisieren Wahl: Einblick in Politik.
  • Juniorwahl hautnah erleben.
  • 5,8 Millionen Jugendliche beteiligt, auch im Altenburger Land.

Am 9. Juni wird ein neues Europaparlament gewählt. Einige Tage davor wird dieselbe Wahl an einigen Schulen im Altenburger Land abgehalten – mit denselben Kandidaten auf den Wahlzetteln, nur dass hier ganz klein „Juniorwahl“ oben drüber steht und dass die Ergebnisse, die zeitgleich mit den Ergebnissen der „echten“ Europawahl bekannt gegeben werden, keinen direkten Einfluss auf die Politik haben.

In Thüringen beteiligen sich 138 Schulen an dieser Juniorenwahl

„Wir führen Juniorwahlen zu Europawahlen, Bundestagswahlen und Landtagswahlen durch“, sagt Florian Wolf vom Verein Kumulus. Der Verein hat die Juniorwahl initiiert, organisiert sie und stellt auch Unterrichtsmaterial zur Verfügung. „Die Wahl am 9. Juni ist inzwischen die 68. Juniorwahl bundesweit. Insgesamt haben sich bereits 5,8 Millionen Schülerinnen und Schüler beteiligt. Und bei der letzten Europawahl waren es 5500 Schulen – jede dritte Schule in Deutschland. Dieses Mal beteiligen sich allein in Thüringen 138 Schulen“, zählt er selbstbewusst auf. Empfohlen wird die Juniorwahl für Schülerinnen und Schüler ab der 7. Jahrgangsstufe, aber mit einem deutlichen Schwerpunkt auf den 9. und 10. Klassen. Kurz für alle Schulen und Schulformen, außer Grundschulen.

Lucas Böhme (vl.n.r.), Jasmin Richter, Johanna Bauer, Merle Gaida und Charlotte Schmidt sind Wahlhelfer bei der Juniorwahl zur Europawahl 2024 am Veit-Ludwig-von-Seckendorff-Gymnasium in Meuselwitz. Die Juniorwahl findet hier am Montag, 3. Juni, statt.
Lucas Böhme (vl.n.r.), Jasmin Richter, Johanna Bauer, Merle Gaida und Charlotte Schmidt sind Wahlhelfer bei der Juniorwahl zur Europawahl 2024 am Veit-Ludwig-von-Seckendorff-Gymnasium in Meuselwitz. Die Juniorwahl findet hier am Montag, 3. Juni, statt. © Veit-Ludwig-von-Seckendorff-Gymnasium | Veit-Ludwig-von-Seckendorff-Gymnasium

Teilnehmende Schulen erhalten Unterrichtsmaterial zu Themen wie Demokratie, unser Wahlsystem, wie das Europaparlament gewählt wird und wie es sich zusammensetzt und die Inhalte und Ziele der einzelnen Parteien. Außerdem Ansätze und Methoden zur Vermittlung des Wissens. Vier bis acht Unterrichtsstunden können mit dem Material gefüllt werden. Den Zeitpunkt der Wahl an ihrer Schule bestimmen alle eigenständig. „Die Schulen wählen in der Regel in der Woche vor dem Wahlsonntag der Europawahl, und zwar vom 3. Juni bis 7. Juni 2024. Manche beginnen aber auch schon davor, weil es beispielsweise Klassenfahrten, Praktika und dergleichen gibt“, erklärt Florian Wolf.

Jugendliche sollen direkt erfahren, wie Demokratie funktioniert

„Uns ist wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler selbst die Wahl organisieren und durchführen, also selbst ein Wählerverzeichnis erstellen, die Wahlbenachrichtigungen verteilen, Wahlkabinen aufstellen, den Ablauf organisieren und auch selbst die Zettel auszählen“, betont er. „Sie sollen so direkt wie möglich erfahren, wie Demokratie funktioniert.“ Die Ergebnisse werden am Sonntag, 9. Juni, um 18 Uhr auf der Internetseite der Juniorwahl bekannt gegeben. Wie die Ergebnisse der „richtigen“ Europawahl auch.

Generalprobe für 16-Jährige, die auch „richtig“ wählen dürfen

„Unsere Schule beteiligt sich schon jahrelang an der Juniorwahl. Ich selbst betreue sie seit 2018. Aber es gab schon vorher Juniorwahlen bei uns“, bestätigte Janine Kleszewski, Sozialkundelehrerin am Veit-Ludwig-von-Seckendorff-Gymnasium in Meuselwitz, auf unsere Anfrage. „Die Wahlbenachrichtigungen werden gerade verteilt.“ Mindestens zwei bis drei Stunden seien die etwa 100 Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 bis 11 auf die Wahl vorbereitet worden.

„Die älteren Schülerinnen und Schüler kennen die Juniorwahl ja schon aus vergangenen Jahren, aber für die 16-Jährigen, die dieses Mal erstmals auch ‚richtig‘ wählen gehen können, ist es so etwas wie eine ‚Generalprobe‘.“

Gewählt wird am Seckendorff-Gymnasium am Montag, 3. Juni. Und fünf Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse sind als Wahlhelfer tätig. Die Ergebnisse werden dann zeitnah nach den offiziellen Ergebnissen der Europawahl in der Schule veröffentlicht. „Ein schönes Projekt für die Schüler“, meint Janine Kleszewski abschließend.

Wahlkabinen der Kommunalwahl werden gern genutzt

„Bei uns wird am Freitag, 7. Juni, gewählt, aber das Unterrichtsmaterial ist schon da und wird in den Stoff der einzelnen Klassen eingebettet. Bei meinem Stammkurs Sozialkunde Klasse 11 etwas ausführlicher, weil wir schon seit dem Ende der Osterferien die Europäische Union als Unterrichtsthema haben, bei anderen etwas kurzfristiger“, sagt Andreas Bocek vom Lerchenberggymnasium in Altenburg. Er selbst betreut die Juniorwahlen an der Schule seit 2017 regelmäßig. Es gibt am Lerchenberggymnasium acht Klassen der Jahrgangsstufen 9 bis 11 mit je etwa 22 Schülern. „Also knapp 180 Wahlberechtigte“, überschlägt Andreas Bocek.

Der Newsletter für das Altenburger Land

Alle wichtigen Informationen aus dem Altenburger Land, egal ob Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder gesellschaftliches Leben.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

An seiner Schule gibt es eine kleine Besonderheit: „Das Lerchenberggymnasium war schon zur Kommunalwahl ein richtiges Wahllokal, und wir können die Original-Wahlkabinen für unsere Juniorwahl gleich weiternutzen. Es wird also ganz realistisch“, erzählt der Lehrer. Elf Schülerinnen und Schüler seines Stammkurses sind als Wahlhelfer tätig.

Die Ergebnisse werden aber auch hier erst am Montag nach der richtigen Europawahl per Aushang im Foyer und auf der Homepage bekannt gegeben.

Manchmal ist es nicht leicht, sich für eine Partei zu entscheiden. Das gehört dazu.
Manchmal ist es nicht leicht, sich für eine Partei zu entscheiden. Das gehört dazu. © www.juniorwahl.de | www.juniorwahl.de

Ausprobieren, wie es in einem Wahllokal zugeht

Auch am Roman-Herzog-Gymnasiums Schmölln sind die Vorbereitungen für die Juniorwahl fast abgeschlossen. „Die Wahlhelfer werden noch geschult“, berichtet Ute Itzerott. Etwa zehn bis 15 Schülerinnen und Schüler werden als Wahlhelfer tätig sein. Die Wahl findet hier am Dienstag, 4. Juni, statt.

Die Schüler der 10. und 11. Klassen sind zur Teilnahme an der Wahl aufgerufen, und „Wahlen als Mittel der politischen Partizipation sind im Sozialkundeunterricht besprochen worden. Die Schüler können nun selbst ausprobieren, wie das eigene Abstimmungsverhalten entsteht und wie es ‚im Wahllokal zugeht‘“, erklärt Ute Itzerott. „Die Ergebnisse werden nach der offiziellen Wahl für alle Schüler sichtbar im Schulhaus ausgehängt und im Unterricht ausgewertet.“

Die nächste Juniorwahl findet vor den Landtagswahlen statt

Eine spannende Zeit für die Schüler – aber auch für die offizielle Politik, denn mit einem Auge schauen die Politikerinnen und Politiker schon ganz genau, wie ihre künftigen Wählerinnen und Wähler bei der Juniorwahl abstimmen.

Übrigens: „Zur Landtagswahl im September wird es in Thüringen ebenfalls eine Juniorwahl geben. Hierfür können sich Schulen noch anmelden“, muntert Florian Wolf vom Verein Kumulus e.V. auf.

Alle weiteren Informationen zur Juniorwahl sowie Anmeldungen unter: www.juniorwahl.de

Aktuelle Nachrichten aus dem Altenburger Land