Altenburger Land. Es gibt wichtigere Dinge als Gedenk- und Feiertage: Interview mit Tom Bauch, Chef des Kreisbauernverbandes im Altenburger Land.

  • Tom Bauch gibt Einblicke in den Kreisbauernverband im Altenburger Land.
  • Das sagt er zu Herausforderungen und Chancen der Branche.
  • Was von den Bauernprotesten im Altenburger Land geblieben ist.

Es ist gerade nicht leicht, Tom Bauch, den Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Altenburg, zu erreichen. Doch dann nimmt er sich Zeit, um uns einige Fragen zu beantworten. Denn: Der 1. Juni ist der Weltbauerntag, der weltweit seit dem Jahr 2000 gefeiert wird, um auf die wichtige Arbeit von Bauern hinzuweisen und daran zu erinnern, dass Bauern weltweit für die Erzeugung von Lebensmitteln sorgen.

Was bedeutet Ihnen der Weltbauerntag?

Nehmen Sie es mir bitte nicht übel, aber ich wusste gar nicht, dass wir jetzt den Weltbauerntag haben. Wir stecken mitten in der Produktion. Da gibt es wichtigere Dinge als Feier- oder Gedenktage. Aber es ist natürlich ein wichtiges Thema. Landwirt oder Bauer – das ist der wichtigste Beruf der Welt. Wir produzieren die Nahrungsmittel für die Menschen – und auch für sehr viele Tiere. Und das im Grunde an 365 Tagen im Jahr. Das gilt natürlich für die Milchbauern ganz besonders, die immer für ihre Tiere da sein müssen.

Wie ist die Situation der Bauern in der Region im Augenblick? Wie ist die Stimmung?

Die Landwirte bei uns ärgern sich nach wie vor über die völlig übertriebene Bürokratie, die uns Bauern deutschlandweit etwa 650 Millionen Euro jährlich kostet. Wir haben etwa gerade unseren Agrarantrag gestellt. Das ist wirklich sehr aufwendig, weil wir für jeden Quadratmeter unseres Betriebes deklarieren müssen, was wir dort wie genau anbauen. Das stresst einen wahnsinnig. Und manchmal hat man das Gefühl, mehr im Büro zu sitzen als auf dem Feld zu sein. Schön ist für uns Bauern, dass das Wetter in diesem Jahr bis jetzt gut für das Wachstum unserer Pflanzen war und dass es in der letzten Zeit viel geregnet hat. Wir hoffen natürlich, dass die für diesen Samstag angekündigten Unwetter nicht ganz so schlimm für uns ausfallen. Aber wir machen uns schon ein wenig Sorgen, dass es zu Schäden kommen könnte.

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Als Sie Anfang des Jahres mit Ihren Traktoren demonstriert haben, da war die Aufmerksamkeit groß. Was ist davon geblieben? Haben die Proteste etwas gebracht?

Die Proteste haben etwas gebracht. Es hat sich auch einiges getan. Vor allem haben wir jetzt ein Superwahljahr, und wir beobachten deutlich, dass wir bei vielen Politikern ein Thema sind. Auch bei solchen, die sich sonst kaum oder gar nicht um die Landwirtschaft gekümmert haben. Das ist positiv und auf unsere Proteste zurückzuführen.

Der 1. Juni ist auch Weltmilchtag. Wie ist die Situation der milchproduzierenden Betriebe im Altenburger Land?

Die Milchpreise waren in den letzten beiden Jahren in Ordnung, sodass die Betriebe kostendeckend produzieren konnten.
Aber jetzt haben wir das Problem, dass die Kosten für Personal und alle neuen Anschaffungen – gar nicht zu reden von neuen Melkrobotern – sehr steigen, der Preis für Milch aber gleichzeitig zurückgeht: Wir waren mal bei 58 also knapp 60 Cent pro Liter Milch. Jetzt sind wir bei etwas um die 40 Cent pro Liter Milch. Das sind fast 30 Prozent weniger. Da stellt sich bei einigen Betrieben die Frage, wie sie künftig kostendeckend produzieren sollen. Ich denke mir da immer nur: Wer noch mehr Tierwohl will, also große Ställe und eine Beschäftigung der Tiere, der muss auch bereit sein, einen höheren Preis für die Menschen zu zahlen, die diese Arbeit leisten.

Was macht den Landwirten in der Region am meisten zu schaffen?

Eindeutig die viele Bürokratie. Und dass ab 2026 die Subvention für den Agrardiesel wegfallen soll. Wir sehen darin die Chancengleichheit innerhalb der Europäischen Union gefährdet. In einigen Ländern dürfen die Bauern ihre Traktoren sogar mit Heizöl betreiben. Dürfen wir nicht. In einigen Ländern können die Landwirte viel günstiger produzieren, weil die Löhne viel geringer sind. Das machen wir nicht. Und jetzt will man uns auch noch den Agrardiesel wegnehmen. Das können wir nicht nachvollziehen.

Bitte vervollständigen Sie zum Schluss den Satz: Lieber als einen Weltbauerntag wünsche ich mir...

...vernünftige Preise, Wettbewerbsgleichheit und Frieden. Ich denke, letzterer ist überhaupt das Wichtigste für uns alle.

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