Altenburger Land. Weltfahrradtag im Altenburger Land: E-Bikes bleiben Trend. Trotz nachlassenden Corona-Booms steigt das Interesse an elektrischer Unterstützung im Alltag weiter.

  • Radwege-Ausbau: Bedarf und Verzögerungen im Altenburger Land.
  • Herausforderungen in der Region.
  • Unterstützung für Radwegbau Bohra - Altkirchen.

Der 3. Juni ist Weltfahrradtag, und unsere Zeitung wollte wissen, was Radexperten im Altenburger Land von diesem Aktionstag halten, und ob besondere Aktionen zu diesem Anlass geplant sind.

„Was für ein Aktionstag“, fragt man bei Zweirad Schulze in Schmölln fast schon ungläubig und meint dann nur: „Wir haben das Geschäft voll und müssen uns um unsere Kunden kümmern.“

Grüner Gedanke kommt im Altenburger Land immer mehr an

Auch bei Fahrrad Gerth in Schmölln überschlägt man sich nicht gerade vor Begeisterung. „Uns ist das, ganz ehrlich gesagt, relativ egal“, sagt Inhaber Andreas Gerth. „Was wir allerdings feststellen, ist, dass der grüne Gedanke und besonders die Nachhaltigkeit bei den Menschen immer mehr ankommt. Insofern sind solche Aktionstage natürlich nicht schlecht, um solche Ideen weiter in den Köpfen der Menschen zu verfestigen.“

Wenig Angebote - wenig Nachfrage

Friedrich Franke ist Vorsitzender des ADFC Gera-Ostthüringen und zuständig für die Stadt Gera und die Kreise Altenburger Land, Greiz und Saale-Orla-Kreis. Er sieht die Situation ganz nüchtern: „Der Raum Gera und Ostthüringen ist deutschlandweit gesehen einer, in dem mit am wenigsten Rad gefahren wird“, stellt er fest. „Das hat ganz einfach mit zwei Sachen zu tun: Es gibt keine große Nachfrage – und es gibt nicht genügend Angebote. Besonders in der Stadt Gera haben wir einen erheblichen Nachholbedarf am Ausbau von Radwegen. Das Altenburger Land steht da viel besser da.“ Auf den Weltfahrradtag konkret angesprochen, meint er: „Ich bezweifle ja den Sinn der meisten dieser Aktionstage. Und nein, es sind keine Aktionen zum Weltfahrradtag von uns geplant worden. Vor allem aber auch, weil der Montag, auf den der Tag in diesem Jahr fällt, für Aktionen denkbar ungeeignet ist. Zu Wochenbeginn haben die Menschen den Kopf voll mit anderen Dingen.“ 

Sprotte-Radweg als schöne Alternative im Altenburger Land

Nach der Situation für Radfahrer in der Region gefragt, fällt Andreas Gerth zunächst der schöne Sprotte-Radweg ein, der ein Teil des Radfernweges Thüringer Städtekette ist und für Radfahrer ideal sei. „Man muss nicht auf der B7 radeln. Wir haben hier schöne Alternativen“, sagt er. Aber dann nennt er auch andere Beispiele: „Wir hatten bei uns im Geschäft eine Petition für den Ausbau des Radweges von Bohra nach Altkirchen liegen. Der soll jetzt frühestens 2026 kommen. Das zieht sich immer so lange hin. Das ist schon ärgerlich.“ Auch das Radwegenetz zum Gewerbegebiet Nitzschka sei noch deutlich verbesserungswürdig, ergänzt er.

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Im Altenburger Land sind relativ viele Radler unterwegs

Fragt man Friedrich Franke nach Unterschieden zwischen der Stadt Gera und den Landkreisen, dann verweist er zunächst auf die natürlichen Gegebenheiten. „Dass bei uns vergleichsweise wenige Menschen Rad fahren hat vor allem auch topografische Gründe. So ist das Vogtland eine der Regionen mit den wenigsten Radfahrern überhaupt. Hinzu kommt, dass das Fahrradfahren bei uns in der Region viel zu lange unter rein touristischen Aspekten gesehen und der Blick auf die Bürger und ihren Alltag vernachlässigt wurde.“ Dass in einer Stadt wie Gera vergleichsweise viele Menschen Rad fahren sei nicht verwunderlich. Dann folge aber schon das Altenburger Land und mit Abstand die Kreise Greiz und Saale-Orla.

E-Bikes im Altenburger Land nach wie vor populär

Zur Corona-Zeit gab es einen wahren Ansturm auf Fahrradgeschäfte. Danach gefragt, ob das heute immer noch so sei, sagt Andreas Gerth: „Es ist nicht so stark wie zu Corona-Zeiten, aber es kommen mehr Menschen zu uns und vor allem sind E-Bikes, die zur Corona-Zeit richtig populär wurden, immer noch ein ganz großes Thema. Es ist einfach eine schöne Form, sich fortzubewegen. Viele testen das mal im Urlaub und sind dann so begeistert, dass sie auch im Alltag auf die elektronische Unterstützung nicht verzichten wollen.“ Auf das Thema Wartezeiten bei Fahrrädern angesprochen, sagt er: „Das ist gar kein Vergleich zu Corona-Zeiten. Es gibt andererseits natürlich Fahrräder, die man ganz individuell konfigurieren kann. Da kann es dann schon mal zu Wartezeiten von drei bis zwölf Wochen kommen.“

Gute Beratung ist das A und O

Danach gefragt, was ein gutes Fahrrad auszeichnet, meint Friedrich Franke: „Das ist letztlich Geschmackssache – und es kommt doch darauf an, ob ich auf der Straße oder im Gelände fahren will und ob es eher Kurzstrecken oder lange Touren werden sollen. Ich sage für mich immer: Ein gutes Fahrrad ist eines, das mir nicht ständig geklaut wird.“ Ihm wurden nämlich bereits zwei gute Sättel gestohlen, ärgert er sich.

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Andreas Gerth warnt als Fahrradhändler in diesem Zusammenhang vor unüberlegten Käufen im Internet. Die individuell richtige Fahrradgröße und Einstellung sei entscheidend, um Beschwerden wie Arme-, Bein- oder Rückenschmerzen zu vermeiden.

Beide Experten empfehlen einen individuelle Beratung, wenn man sich ein Fahrrad zulegen möchte, am besten in einem Fahrradfachgeschäft, dem man vertraut.

Aktuelle Nachrichten aus dem Altenburger Land

Zum Abschluss sollen Andreas Gerth und Friedrich Franke noch ein paar gute Gründe nennen, warum man heute alles stehen und liegen lassen und sich auf sein Fahrrad schwingen sollte.

„Gutes Wetter ist immer ein Argument“, findet Andreas Gerth. „Außerdem bewegt man sich gelenkschonend, nimmt die Natur und die Region ganz anders wahr und bekommt den Kopf ganz herrlich frei.“

„Ein Fahrrad bringt einfach Schwung ins Leben und man bringt seinen eigenen Kreislauf in Schwung, wenn man in die Pedale tritt“, ergänzt Friedrich Franke. „Außerdem hat man das gute Gefühl, umweltfreundlicher unterwegs zu sein und Abgase zu vermeiden.“ Natürlich gelte das vor allem auf kurzen Strecken: „Wenn wir heute Abend von Gera nach Weimar fahren, um dort ins Theater zu gehen, dann machen wir das natürlich nicht mit dem Fahrrad.“