Altenburger Land. Pfingstausflug enttäuscht im Altenburger Land: Besucher finden die Burgkirche Posterstein unerwartet geschlossen. Das sagen die Verantwortlichen.

  • Burgkirche Posterstein als Magnet für Kunstliebhaber.
  • Darum blieb das spätgotische Haus an Pfingsten verschlossen.
  • Diese Zeitung hat nachgehakt.

Die Kirche auf Burg Posterstein ist unter Kennern und Liebhabern ein Publikumsmagnet. Der hübsche spätgotische Bau ist vor allem bekannt für seine überaus reiche Innenausstattung mit dem barocken Holzschnitzwerk. Um die herrlichen Schnitzereien mit pflanzlichen Ornamenten und christlichen Symbole, die – handwerklich meisterhaft ausgeführt – Altar, Kanzel und Empore zieren, rankt sich die lokale „Sage des Johannis Hopf“. Klar, dass so eine Geschichte immer wieder Neugierige aus nah und fern anzieht, besonders, wenn dazu noch ausdrücklich Führungen angeboten werden.
Doch kürzlich erreichte unsere Zeitung der Brief einer Leserin, die zu Pfingsten die Kirche auf der Burg Posterstein besuchen wollte – und vor verschlossenen Türen stand.

Enttäuschte Touristen vor verschlossener Kirchentür

„Wir freuten uns auf die fabelhaften Pfingstangebote des schönen Altenburger Landes. Ein lohnendes Ziel sollte die Postersteiner Burgkirche mit ihrem beeindruckenden Holzschnitzwerk sein. Ist es doch das Ergebnis eines begnadeten Künstlers, der seine Aufgabe, die Burgkirche auszugestalten, meisterlich umsetzte und damit ein einzigartiges Kunstwerk schuf“, heißt es in dem Brief, und weiter: „In der Presse wurde für den Pfingstsonntag eine Führung in dieser bezaubernden Kirche angekündigt und dazu eingeladen. Leider standen zahlreiche Besucher aus Thüringen und Sachsen vor verschlossener Tür. Auf unsere Anrufe erfolgte keine Reaktion. Schade, gerade an Pfingsten dem Geburtstag der Kirche blieb sie für Christen und Nichtchristen verschlossen.“

Vorwürfe spontan zurückgewiesen

Diese Zeitung hakte nach und konfrontierte Wolfgang Göthe von der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde, die für die Burgkirche Posterstein verantwortlich ist, mit dem Leserbrief. Dieser weist die Vorwürfe zunächst spontan zurück und erklärt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir zu Pfingsten eine Führung in der Burgkirche angeboten haben. An den Pfingsttagen ist auf der Burg Posterstein das sehr gut besuchte Mittelalterspektakel. Eigentlich wollten wir die Kirche an Pfingsten nicht mehr für Besucher öffnen.“

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Danach gefragt, warum ausgerechnet an einem Tag, an dem so viele Besucher auf der Burg sind, die Kirche nicht besucht werden soll, erklärt Wolfgang Göthe: „Wir haben in den vergangenen Jahren zu Pfingsten leider ein paar wenige, aber doch sehr prägende, negative Erfahrungen machen müssen. Einige Besucher reagieren geradezu ausfallend, wenn sie – nachdem sie den Eintritt zum Mittelalterspektakel bezahlt haben – in der Kirche noch einmal um eine Spende gebeten werden oder gar Geld für eine Führung bezahlen sollen. Sie verstehen nicht, dass die Kirche zur Kirchgemeinde gehört und nicht zum Museum als Mitveranstalter des Mittelalterspektakels.“

Extreme Unruhe an den Pfingstwochenenden auf Burg Posterstein

Wolfgang Göthe verweist darauf, dass alle in der Burgkirche tätigen Personen, wenn diese geöffnet hat, Ehrenamtliche sind. „Und ich kann nicht zulassen, dass unsere Leute, die kein Geld bekommen und ihre Freizeit opfern, dann auch noch beschimpft werden – was leider sehr schnell passiert.“ Außerdem sei es zu Pfingsten fast unmöglich, dort in Ruhe eine Kirchenführung abzuhalten. „Es ist extrem unruhig. Es wird ständig an den Türen gerüttelt. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Das ist für alle Beteiligten sehr unschön.“ Und zu guter Letzt sei da auch noch die große Baustelle, die dem Charme der Kirche nicht unbedingt zuträglich sei.

Storniert und vergessen

Nach all diesen Ausführungen hält Wolfgang Göthe kurz inne, als sei ihm gerade etwas eingefallen. Er erbittet sich ein wenig Zeit, um etwas zu überprüfen. Kurz darauf meldet sich ein spürbar zerknirschter Wolfgang Göthe zurück. „Es stimmt leider. Ihre Leserin hat tatsächlich recht. Wir hatten zu Pfingsten eine Führung um 14.30 Uhr in der Burgkirche angekündigt. Ich habe es gerade wiedergefunden“, gibt Wolfgang Göthe dann ganz offen zu. „Eine Gaststätte hatte diese Führung für eine Gruppe bestellt. Und um noch mehr Teilnehmer dafür zu gewinnen, haben wir die Veranstaltung publik gemacht“, führt er aus.

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„Es ist niemand hingegangen. Wir haben es einfach völlig verschwitzt – bis uns sehr ungehaltene Anrufe erreichten. “

Wolfgang Göthe

„Dann wurde die Veranstaltung von der Gaststätte kurzfristig storniert, und wir haben tatsächlich unsere Ankündigung vergessen. Es ist niemand hingegangen. Wir haben es einfach völlig verschwitzt – bis uns sehr ungehaltene Anrufe erreichten. Da war es leider zu spät“, bedauert Wolfgang Göthe den Vorfall. Das sei so noch nie vorgekommen, versichert Wolfgang Goethe und verweist darauf, dass die Besucherzahlen vervierfacht wurden, seitdem die Kirchgemeinde die Burgkirche betreibt – auf 7000 Besucher im Jahr.

Einen kleinen Trost und eine kleine Wiedergutmachung hat Wolfgang Göthe zum Abschluss noch für alle Besucherinnen und Besucher, die an Pfingsten vor der verschlossenen Burgkirche standen: „Bitte rufen Sie uns an. Wir werden Ihnen gern eine kostenlose Führung in der Kirche anbieten. Das ist Ehrensache.“ Tief getroffen schien unsere Leserin von dem Vorfall glücklicherweise nicht zu sein, denn sie schreibt zum Schluss: „Die momentane Enttäuschung und Traurigkeit wich mit der Fortsetzung der Pfingstwanderung zur Rhododendrenblüte in den wunderschönen Tannenfelder Park.“

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