Altenburger Land. Altenburger Land: Ein Schweizer ist neuer Besitzer des Wasserschlosses Dobitschen, plant vielfältige Nutzungsmöglichkeiten und sucht Fördermittel. Verbündete hat er schon.

  • Erwin Feurer erwirbt Wasserschloss Dobitschen.
  • Revitalisierung des denkmalgeschützten Hauses: Pläne und Probleme.
  • In Dobitschen regt sich nun Hoffnung.

Das Wasserschloss Dobitschen hat einen neuen Besitzer: Erwin Feurer aus der Schweiz, Kunst- und Kulturunternehmer. Er hat als Autor, Verleger und Herausgeber bis heute rund 100 Publikationen im Kunstbereich verfasst und für wenig bekannte Künstler publiziert.

Feurers Herz schlägt vor allem für Ausgegrenzte, Vergessene und Überflüssige. Zu deren Gunsten will er den International Burnout Fund in Dobitschen etablieren und damit einen Ort zur Vorbeugung, Behandlung und Erforschung der Krankheit Burnout sowie der ganzheitlichen, nachhaltigen Rehabilitation der Burnout-Betroffenen. Und dieser Ort soll nun Dobitschen werden, der Sitz das dortige Wasserschloss. Ziel ist, mit mindestens 100.000 Sympathisanten, Gönnern und Mitgliedern eine europaweite Selbsthilfeorganisation zu bilden

Das Wasserschloss Dobitschen hat einen neuen Besitzer: Erwin Feurer aus der Schweiz.
Das Wasserschloss Dobitschen hat einen neuen Besitzer: Erwin Feurer aus der Schweiz. © Funke Medien Thüringen | Jana Borath

Kurz nach dem Kauf steht das Nutzungskonzept fürs Wasserschloss Dobitschen.

Gekauft hat Feurer das Wasserschloss Dobitschen im Oktober 2023, kurz darauf verfasste er die Grobfassung des Nutzungskonzeptes. Das lässt eigentlich alles zu: Wohnnutzung, auch für begleitetes und altersgerechtes Wohnen, eine geschäftliche Nutzung als Büro und/oder Werkstätten und Ateliers, für Kultur, als Therapiezentrum, für Gastronomie oder auch als Gästehaus. Platz genug gibt es im Wasserschloss Dobitschen, zumal das dazugehörige Rittergut ebenfalls in Besitz Feurers ist. Gleichwohl: Getan werden muss viel, um das 1696 erbaute Wasserschloss zu retten, mehr noch für den dazugehörigen, nicht denkmalgeschützten Rittergut mit Park und Gutshof, dessen Bestand - vorsichtig ausgedrückt - stark restaurationsbedürftig ist.

Entrümpelungsaktion füllt 40-Kubik-Container mit Müll

Davon abschrecken lässt sich Feurer nicht. Er hat hohen Respekt vor diesem geschichtsträchtigen Ensemble und findet nur liebevolle Worte, wenn er von ihm und seinen Plänen dafür erzählt. Seit er Eigentümer ist, war er schon oft vor Ort. Für eine erste große Entrümpelungsaktion beispielsweise, die einen 40-Kubik-Container füllte. Zehn Tonnen Abfall liegen noch im Schloss, berichtet der Schweizer. Auch am ersten Juni-Wochenende 2024 war er in Dobitschen, um vom Sturm zerstörte Fenster im Wasserschloss abzudichten und Tauben im Turm einzufangen. Er bugsierte sie vorsichtig aus dem Haus, damit sie drinnen keinen Schaden mehr anrichten. Dafür legt er an zwei Tagen schon mal die vielen Kilometer von Frasnacht auf der schweizerischen Seite des Bodensees zurück für Hin- und Rückfahrt, am ersten Juni-Wochenende begleitet von sehr, sehr viel Regen.

Martin Burkhardt und Erwin Feurer im inzwischen trocken gelegten Keller des Wasserschlosses Dobitschen.
Martin Burkhardt und Erwin Feurer im inzwischen trocken gelegten Keller des Wasserschlosses Dobitschen. © Funke Medien Thüringen | Jana Borath

Im Dorf selbst empfing man Erwin Feurer mit offenen Armen. War doch die Dorfgemeinschaft jahrzehntelang dazu verurteilt, dem schleichenden Verfall ihres Wahrzeichens tatenlos mit ansehen zu müssen. Der Vorbesitzer hatte nicht viel am Hut mit Sanierung, Restaurierung oder gar dem Nötigsten für den Schlosserhalt. Mehrmals musste die Denkmalschutzbehörde Notsicherungsmaßnahmen anordnen. Am 4. November 2023 nun konnten die Bewohner von Dobitschen und Umgebung anlässlich eines Subbotniks seit rund 20 Jahren ein erstes Mal wieder in „ihr“ Schloss und am Abend fand bereits unter großer Anteilnahme der Bevölkerung ein erstes Konzert statt. „Es war das Wach-Küss-Konzert“, wie Feurer sagt.

Erwin Feurer will mit seinen Ideen in Dobitschen ankommen

Blick auf die Dächer des Rittergutes Dobitschen.
Blick auf die Dächer des Rittergutes Dobitschen. © Funke Medien Thüringen | Jana Borath

Erwin Feurer wertschätzt das Ensemble und seine Geschichte, die Menschen im Ort, die sich um die Historie so sehr bemühen. Denn, und das hat der kunstbeflissene Schweizer schnell herausgefunden, das Schloss, auch das Bachhoffsche Schloss genannte, hat eine bedeutende historische und kulturelle Vergangenheit. Musikerinnen, SchriftstellerInnen, KünstlerInnen, bedeutende Politiker, alle mit berühmten Namen haben hier gewirkt und gelebt. „Es ist eines der schönsten Wasserschlösser Thüringens“, schwärmt er. Klar, dass Feurer, der auch ein Verleger ist, schon ein Buch über das Ensemble herausgebracht hat. „Gleich bei meinem ersten Besuch habe ich über zweihundert Fotos geschossen, das Buch war quasi schon gemacht“, sagt er und lacht.
Für ihn bietet sich mit seinem neuen Besitz die Chance, seinen Traum International Burnout Fund wahr werden zu lassen. „Es wäre so schön“, sagt er. Er, der 1951 geboren ist. „Ich werde auch nicht jünger. Ich würde gern hier ankommen mit meiner Vision“, fügt er hinzu. In seinem Geschäft in Frasnacht hat er schon allerhand Mobiliar ausgewählt, mit dem er die Räume im Wasserschloss einrichten möchte. Ein Teil davon ist schon vor Ort.

Hilfe und Partner in Dobitschen und dem Altenburger Land gefunden

Blick auf das Wasserschloss in Dobitschen.
Blick auf das Wasserschloss in Dobitschen. © Funke Medien Thüringen | Erwin Feurer

Derzeit, so sagt er, laufen Planungs- und Sicherungsarbeiten, der Aufbau eines Netzwerks ist im Gange. In den Mitgliedern des Vereines Altenburger Vierseithöfe fand er bereits Partner, die ihm bei den anstehenden Arbeiten unter die Arme greifen. Bei der großen Entrümpelungsaktion waren sie mit dabei. Jüngst sorgten sie dafür, dass der seit Jahren geflutete Keller des Schlosses vom Wasser befreit und trockengelegt wird.

„Die Ideen für Dobitschen sind gut. Wir wollen sozial Positives gestalten, der Menschheit etwas Gutes tun.“

Erwin Feurer

Er arbeitet mit Vereinschef Martin Burkhardt zusammen und auch mit Architekt Philipp Hesse, der sich schon für die Wiederherstellung des Halben Schlosses in Langenleuba-Niederhain engagiert. Für Feurer sind beide Männer die Garanten, das alles ordnungsgemäß abläuft und auch im dichten Dschungel der Fördermitteltöpfe Gelder für Dobitschen akquiriert werden können. 20.000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sind schon in Aussicht für das Dach, das laut Feurer ein echter Krisenpunkt ist. Bereits im 1. November 2023 begannen Studenten der Universität Weimar im Rahmen eines Reallabors mit Projekt- und Konzeptarbeiten über Chancen und Möglichkeiten dieser Gegend insgesamt und zu Dobitschen und dem Wasserschloss im Besonderen.

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Und was sagt Architekt Philipp Hesse? „Die Vision für die Anlage des Schlosses ist zu unterstützen, jedoch natürlich abhängig einer Bereitstellung der notwendigen Finanzmittel.“  Durch seine bundesweite Tätigkeit sei ihm bekannt, dass aktuell die Realisierung und Finanzierung von Bauprojekten schwierig sei, daher sollten belastbare Grundlagen aufgebaut werden, um ein realistisches Abbild der Kosten und notwendigen Maßnahmen zur Revitalisierung des Schlosses für etwaige Förderer darzustellen. „Diese Phase des Projektes werde ich mit meinem Büro unterstützen“, versichert er.

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Was jetzt nötig ist? „Wir brauchen vor allem Geld“, fasst Erwin Feurer zusammen. Neben Förderung aus öffentlicher Hand schwebt ihm auch Sponsoring vor. „Mercedes, VW, Würth - warum nur immer einen Fußballverein fördern?“, fragt er. Denn: „Die Ideen für Dobitschen sind gut. Wir wollen sozial Positives gestalten, der Menschheit etwas Gutes tun.“ Und: „Es geht dabei nicht um mich, mich kann man auswechseln. Es geht um das Kulturgut Bachhoffsches Schloss.“

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