Altenburger Land. EU-Gelder bewirken keine Wunder im Altenburger Land. Wie sie jedoch große und kleine Projekte trotzdem voranbringen.

  • Altenburger Land profitiert von EU-Geldern.
  • Förderprojekte im Altenburger Land: Vielfalt und Wirkung.
  • Von großen Projekten und kleinen Initiativen.

An diesem Sonntag, 9. Juni, sind die volljährigen Bürger des Altenburger Landes aufgerufen, das Parlament der Europäischen Union mitzubestimmen. „Europa? – Interessiert mich nicht. Das ist so weit weg. Damit habe ich nichts zu tun“, mögen da einige denken. Doch das stimmt nicht.

Mit Fördermitteln aus der EU wurden im Altenburger Land ganz konkret viele Projekte unterschiedlichster Art finanziert. Einige dieser Projekte sind unübersehbar, andere ganz unscheinbar. Achten Sie mal darauf – zum Beispiel am Samstag vor der Europawahl.

Mittel der Europäischen Union für Projekte im Altenburger Land

„Mir geht das Herz auf, wenn ich sehe, was wir in den vergangenen Jahren im Altenburger Land alles bewegen konnten“, sagt Wolfram Schlegel vom Vorstand der Leader-Aktionsgruppe Altenburger Land, die mit dem Ziel gegründet wurde, Mittel der Europäischen Union an lokale Projekte zu vergeben. Gern erklärt Wolfram Schlegel die Vergabepraxis bis ins Detail und verweist immer wieder auf die Internetseite der Leader-Aktionsgruppe Altenburger Land: leader-rag-abg.de.

Etwa 500.000 Euro jedes Jahr fürs Altenburger Land

Zirka 500.000 Euro – Gelder aus der Europäische Union und vom Freistaat Thüringen – werden jedes Jahr vergeben. Bewerben können sich unter anderem Kommunen, Unternehmen, Vereine und Privatpersonen. „Um möglichst mehrere Projekte berücksichtigen zu können, haben wir inzwischen eine Obergrenze von 100.000 Euro für Einzelprojekte festgelegt“, erklärt Wolfram Schlegel. „Die Anträge werden dann gesichtet von der Wirtschaftsfördergesellschaft Ostthüringen mbH. Es wird eine Vorlage erarbeitet, die dann bei einer Präsentation der einzelnen Projekte zur Diskussion gestellt wird. Die Auswahl und Vergabe sind ein ganz offener und für alle Interessierten nachvollziehbarer Prozess“, betont Wolfram Schlegel.

Die Weiterführung der Beschilderung des Radwegenetzes im Altenburger Land gehört zu den Vorhaben, für die Fördergelder aus dem Leader-Programm gestellt wurden. 
Die Weiterführung der Beschilderung des Radwegenetzes im Altenburger Land gehört zu den Vorhaben, für die Fördergelder aus dem Leader-Programm gestellt wurden.  © Funke Medien Thüringen | Jana Borath

Was die Sache besonders attraktiv macht? „Vereine und Kommunen müssen nur einen Eigenanteil von 25 Prozent aufbringen. Dafür erhalten Sie dann 75 Prozent Förderung. Wo bekommt man so etwas heute noch?“ Wolfram Schlegel ist sichtlich zufrieden. Bei privaten Unternehmen sind es immer noch 50 Prozent Förderung bei 50 Prozent Eigenanteil.

„Genau genommen“, sagt Wolfram Schlegel dann nebenbei, „sind es ja keine geschenkten EU-Gelder, sondern es sind die Gelder, die wir vorher alle an die EU gezahlt haben, die nun über Förderprojekte wieder in die Region zurückfließen. Aber was die hier ermöglichen, ist einfach großartig.“

Mit Herzblut ehrenamtlich dabei im Altenburger Land

Zwei Sachen sind ihm zum Abschluss noch wichtig: „Wir vergeben hier richtig viel Geld an Projekte in der Region, aber unsere Arbeit ist absolut ehrenamtlich. Nicht eine Tasse Kaffee springt für uns raus. Und das ist auch ganz richtig so. Was ich sagen will: Wir sind hier alle mit Herzblut bei der Sache – für unsere Region. Anders ginge es gar nicht.“ Und das Zweite? „Bitte nennen Sie nicht nur die großen Projekte. Zeigen Sie die ganze Bandbreite dessen, was wir hier vorantreiben.“

2020 das meiste angestoßen im Altenburger Land

Wir haben uns von der Wirtschaftsfördergesellschaft Ostthüringen eine Liste mit Leader-Projekten der vergangenen fünf Jahre geben lassen. Allein die Zahl am Ende lässt einen staunen: Knapp 2.920.000 Euro wurden in den letzten fünf Jahren in Projekte im Altenburger Land investiert.

Die weitere Gestaltung des Platzes in Saara (einst Alte Mühle) wird ebenfalls mit Fördergeldern aus dem Leader-Programm unterstützt. 
Die weitere Gestaltung des Platzes in Saara (einst Alte Mühle) wird ebenfalls mit Fördergeldern aus dem Leader-Programm unterstützt.  © Funke Medien Thüringen | Jana Borath

Im Jahr 2020 war es besonders viel Geld und noch ohne eine Deckelung für Einzelprojekte. So erhielt das Vereinshaus für das Jugendblasorchester Lucka e.V. fast 124.000 Euro. Der kleine Festplatz am Großen Teich in Altenburg wurde sogar für 247.000 Euro umgestaltet. Das Haus der Geowissenschaften und das Geoportal im Kunstturm Altenburg erhielten mehr als 150.000 Euro. Für die Sanierung Sanitär- und Technikgebäude am Freibad Vollmershain kamen fast 154.000 Euro von EU und Land. Die Barbarossa Stiftung erhielt für die „Inszenierung Altenburg 1180 - Die Belehnung Bayerns“ knapp 100.000 Euro. Das Vereinshaus Fuchs in Nobitz wurde für 68.000 Euro ausgestattet. Und das waren nur die ganz großen Projekte 2020. Es gab noch 17 andere Projekte, die bedacht wurden, viele fünfstellig.

Brückenbau in Schmölln und Brauereiplatz in Altenburg

2021 waren es dann „nur noch“ 14 Projekte, von denen die Brauerei Altenburg GmbH mit knapp 104.000 Euro für die „Gestaltung eines multifunktionalen Wirtschafts- und Veranstaltungsplatzes“ den größten Batzen abbekam. Knapp 62.000 Euro wurden in die Mühlenscheune der Bockwindmühle Lumpzig investiert. Knapp 50.000 Euro flossen in die Sanierung der Hermannsbrücke in Schmölln. Ein Investitionsbeispiel, das man heute noch gut nachvollziehen kann, ist die Touristische Erschließung des Hainbergsee in Meuselwitz, die mit gut 33.000 Euro unterstützt wurde.

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Insgesamt 13 Projekte wurden dann 2022 unterstützt. Der größte Posten ging an das Projekt Altenburg zukunftssicher mit gut 122.000 Euro. In die Touristische Erschließung des Hainbergsee in Meuselwitz flossen noch einmal knapp 23.000 Euro. Mit gut 92.000 Euro wurde der weitere Ausbau der Bahnhöfe Meuselwitz und Haselbach für den historischen Betrieb der Kohlebahn unterstützt.

2023 war das Jahr der Spielplätze im Altenburger Land

Von den 15 Projekten, die 2023 unterstützt wurden, waren sehr viele Spielplätze. Das meiste Geld ging nach Gößnitz für die Erweiterung des Kinderspielplatzes „Am alten Malzwerk“ – 73.500 Euro. Für die Erneuerung des Spielplatzes am Prößdorfer See bei Lucka wurden knapp 52.000 Euro bereitgestellt. In der Gemeinde Starkenberg wurde der Spielplatz Neuposa für knapp 22.000 Euro erweitert. In Altenburg gingen über 73.500 Euro in den Sozialen Ankerpunkt Kletterspielplatz Altenburg-Nord. Der Kunsthof Niederarnsdorf erhielt gut 57.000 Euro für die Teilprojekte „Kunst und Kulinarik“ und „Erschließung Dachgeschoss für Künstler-Residenz und Workshops“. Und die Lebenshilfe Altenburg e.V. erhielt gut 65.000 Euro für die Anschaffung eines Fahrstuhles für die besondere Wohnform in Schmölln. Und um auch zwei kleinere Projekte zu nennen: Der Kreisbauernverband Altenburg e.V. erhielt gut 3700 Euro für den Außenauftritt beim Berufsverband Landwirtschaft. Und der Verein Altenburger Bauernhöfe e.V. knapp 8000 Euro für das Buch-Projekt „Chronologie des ländlichen Fachwerkbaus im Altenburger Land“. Auch so etwas geht.

Für 2024 sind neun Projekte aufgelistet. 100.000 Euro gehen nach Altenburg an den Mehrgenerationentreffpunkt Liebermannstraße für eine Kletteranlage, Fitnessparcours und Lernbereich. Über 70.500 Euro gehen an den Landschaftspflegeverband Altenburger Land e.V. für die Erstellung einer Wanderwege- und Beschilderungskonzeption für die Region Altenburger Land. In der Gemeinde Nobitz wird der Platz der Erinnerung „Alte Mühle Saara“ für gut 27.000 Euro mit einem Lehrpfad und einer Naturoase umgestaltet. Und das sind, wie gesagt, nicht alle Projekte.

Weitere Tipps und Informationen zu Förderungen finden Interessierte unter: leader-rag-abg.de