Gera. Ein brutaler Übergriff in Gera gibt Rätsel auf: Wer hat einen 48-Jährigen übel zugerichtet?

Die Befragung erfordert Geduld. Immer wieder haken Richter und die Verteidiger über zwei Verhandlungstage nach bei einem 48-Jährigen, der in Gera lebt und Opfer eines schweren Übergriffs geworden ist. Eine Dolmetscherin überträgt seine Antworten: Was weiß er wirklich noch, was hat er aus anderen Informationen geschlossen?

Drei Bekannte aus Litauen sollen den Landsmann so heftig verprügelt haben, dass er ins künstliche Koma versetzt werden musste. Im Prozess wegen versuchten Totschlags hat Rechtsmediziner Hans-Peter Kinzl sein Gutachten erstattet. Die Gewalt führte zu Frakturen, zu Schädelinnenraumblutungen, zu einer Hirnprellung und zu massiven innerlichen Schwellungen, die zur Gefahr eines Atemstillstandes führten. „Es bestand unmittelbare Lebensgefahr“, sagte der Professor.

Schneller Rettungsdiensteinsatz rettet das Leben

Nur der schnelle Einsatz des Rettungsdienstes habe dem Mann das Leben gerettet. Das Opfer kann sich an das Geschehen in der Wohnung eines Angeklagten nicht erinnern, schildert aber den Tagesablauf beim Prozess. Schon im Knochenpark im Geraer Stadtzentrum soll es zu einem Übergriff gekommen sein.

Eine ehemalige Richterin aus dem Altenburger Land steht wegen Rechtsbeugung vor Gericht. Sie soll 2020 in einer Bereitschaftsschicht ihrem Vater Zugang zu einem Pflegeheim in Jena gewährt haben, um eine sterbende Frau seelsorgerisch zu betreuen. Dies verstieß gegen die damaligen Corona-Verordnungen. Eine Kollegin legt im Gericht dar, dass die Ausstattung der Bereitschaftsrichter mangelhaft war, beispielsweise die Diensttelefone unzuverlässig waren und der Fernzugang zu dienstlicher Software fehlte. Überraschend war, wie klein die Welt in der Justiz ist. Am Tag des Geschehens war die Ehefrau des Richters aus der Strafkammer, die nun entscheidet, als Vertretung im Bereitschaftsdienst vorgesehen.

Kriminalistin spricht über Ermittlungen am Oberlandesgericht

Bei einem Prozess am Landgericht Gera wurde das Verfahren gegen einen ehemaligen leitenden Regierungsdirektor des Oberlandesgerichts Jena und zwei Unternehmer durch eine Ermittlungsführerin des Landeskriminalamtes beleuchtet.

Oberlandesgericht Jena: Blick auf den Eingangsbereich
Oberlandesgericht Jena: Blick auf den Eingangsbereich © Tino Zippel

Ursprünglich verdächtigt, Rechnungen ohne Gegenleistung ausgestellt zu haben, zeigte sich der Kriminalistin zufolge stattdessen, dass Haushaltstitel zweckentfremdet worden sein sollen: Personaldienstleistungen wurden über die Titel für IT-Dienstleistungen und Bewirtschaftung abgerechnet, so ihre Erkenntnis. Der Regierungsdirektor sei vom üblichen Weg der Rechnungskontrolle abgewichen.

Der Newsletter für Gera

Alle wichtigen Informationen aus Gera, egal ob Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder gesellschaftliches Leben.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Eine wegen sexuellen Missbrauchs ihrer Tochter verurteilte Mutter geht in Revision. Sie will die Entscheidung, sie für elf Jahre und drei Monate in Haft zu schicken, überprüfen lassen. Jahrelang hatte sie sich an dem Kind vergangen oder es einem spirituellen „Meister“ überlassen, um ihm zu gefallen.

Ein verhängnisvolles Bild auf dem Handy gespeichert

Ein junger Mann aus Rudolstadt musste sich am Schöffengericht Rudolstadt verantworten, weil sich unter den 245.959 Bilddateien auf seinem Handy eines befunden hat, das einen kinderpornografischen Inhalt zeigt. Mit dem reformierten Strafgesetz droht eine Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis auf das Delikt – so hat das Gericht entschieden.

Ein 44-Jähriger aus Schleiz hatte einen anderen Tacho ins Auto eingebaut, bevor er dieses verkauft hat. Der Kilometerzähler zeigte gut 80.000 Kilometer weniger als die reguläre Laufleistung an. Das brachte ihn auf die Anklagebank im Amtsgericht Bad Lobenstein. Sein vollumfängliches Geständnis beeindruckte den Richter.

Weitere aktuelle Gerichtsberichte