Jena. Redakteurin Jördis Bachmann über drei wunderbare Premieren an einem Abend

„In der Mathematik ist der Ricci-Fluss eine Deformation einer glatten riemannschen Mannigfaltigkeit und geometrischer Fluss auf der Metrik g.“ Diese Definition finde ich, wenn ich die unendlichen Weiten des Internets zum Titel einer Theaterperformance befrage: „Der Ricci-Fluss“ war eine von drei Premieren, die ich am Mittwochabend besuchen durfte.

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Der Definition von Ricci-Fluss vermag ich fachlich über die ersten drei Worte zu folgen: „In der Mathematik“. Und so brachte mich auch die Performance der Theaterhaus-Darstellerin Anna Seidel an meine kognitiven Grenzen, und war dabei gleichzeitig unglaublich unterhaltsam und witzig – vor allem, weil ein Roboterarm an der Seite der Schauspielerin agierte. Meine Begleitung, die mir den rauchenden Kopf am Ende des Stücks ansah, erklärte: Überforderung sei Entspannung fürs Gehirn, man müsse nur loslassen können. Ja vielleicht ist es so, dass man die Deformation der glatten riemannschen Mannigfaltigkeit loslassen muss, um Anna Seidel in ihr Universum zu folgen.

Premiere und Geburtstag in Jena gefeiert

Die holländische Schauspielerin Linde Dercon nach der Premiere von „Wie mein Freund im Fernseher verschwand“ am Mittwochabend mit ihrer Familie. Sie feierte an diesem Tag nicht nur die Premiere des Stücks, sondern auch ihren 26. Geburtstag.
Die holländische Schauspielerin Linde Dercon nach der Premiere von „Wie mein Freund im Fernseher verschwand“ am Mittwochabend mit ihrer Familie. Sie feierte an diesem Tag nicht nur die Premiere des Stücks, sondern auch ihren 26. Geburtstag. © Funke Medien Thüringen | Jördis Bachmann

Hinreißend war auch Schauspielerin Linde Dercon, die die Premiere ihres Stücks „Wie mein Freund im Fernseher verschwand“ präsentierte und das an ihrem Geburtstag. 26 Jahre wurde die Holländerin am Mittwoch. So war auch ihre Familie extra angereist. Bei Dercons kluger, humorvoller und schonungslos offenherziger Performance kehrte ein bisschen Vertrauen in meinen eigenen Horizont zurück: Es ging quasi um die Deformation der glatten derconschen Mannigfaltigkeit der Liebe.

Die dritte Premiere war eigentlich die erste des Abends: „Dinosaurier“ heißt die neue Show für Kinder und Erwachsene im Planetarium. Die riesigen Dinos vor dem Eingang des Sternentheaters locken schon seit Tagen Kinder an und versprechen eine große Show. Kleine Dinos für die Hosentasche gab es für die Premierengäste direkt beim Eintritt in die Kuppel, was meinen Jüngsten sehr gefiel. Die kleine Plastik-Urzeit-Echse findet nun Platz in der großen Plastik-Figürchen-Kiste in seinem Zimmer. Mit dabei war auch die Oma. Sie sei als Kind das letzte Mal im Jenaer Planetarium gewesen – mit der Schule, erinnert sie sich. Das dürfte Anfang der 1960er-Jahre gewesen sein. Ob ihre Begeisterung über das Gesehene damals oder am Mittwochabend größer war – es lässt sich nicht sagen. Die Deformation der glatten projektiven Mannigfaltigkeit von Dinosauriern machte jedenfalls Kinder und Oma sehr glücklich.

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