Schlöben. Alte und neue Technik, Kuh-Kindergarten, Traktor fahren – was es am Wochenende beim Hoffest in Schlöben zu entdecken gibt.

Matthias Klippel, Vorstandsvorsitzender des Agrarunternehmens „Wöllmisse“ Schlöben, schaut wie immer durch ein schmales Zeitfenster. So hat es jedenfalls den Anschein. Eine kurze Absprache mit der Buchhaltung, schon klingelt wieder das Telefon, der Chef wird überall gebraucht. Doch dann bittet er in seinen karottenroten Opel und lädt zur kleinen, dennoch spannenden Betriebsbesichtigung ein – als Generalprobe für die Führungen, an denen am 1. Juni Besucher des Hoffestes teilnehmen können.

Wie die Stimmung unter den Landwirten derzeit sei? „Die Bürokratie wird sicher nicht abnehmen, aber das ist wohl überall so. Wir können deshalb die Köpfe nicht hängenlassen. Trübsal zu blasen, fände ich auch unseren Mitarbeitern gegenüber nicht fair“, sagt Klippel, der auf der kurzen Strecke vom Verwaltungssitz Gernewitz nach Schlöben eine Kostprobe seines landwirtschaftlichen Wissens gibt, mit der man locker vier Din A4-Seiten vollschreiben könnte.

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In Schlöben, An der Steinernen Brücke, wartet schon Mitarbeiterin Corinna Weiß, die mit der Organisation des Festes betraut ist. Auf dem Gelände dreht eine Kehrmaschine geräuschvoll ihre Runden, damit zum Hoffest alles picobello ist. Deshalb wird das Gespräch kurzerhand in die Halle verlegt, wo ein Mähdrescher der neuen Generation landwirtschaftliche Laien in Erstaunen versetzt.

„Das Besondere an dieser Maschine ist das über zehn Meter breite kanadische MacDon-Schneidwerk“, erklärt Matthias Klippel und fügt hinzu: „Gummibänder befördern das Getreide in die Mitte, das ist sehr effizient.“ Wer möchte, kann sich das gewaltige Fahrzeug am Samstag anschauen und wissenswerte Fakten erfahren. Zum Beispiel, dass die Getreidedreschmenge von einem Tag den Jahresbedarf einer Stadt von der Größe Stadtrodas decken könnte.

Matthias Klippel, Vorstandsvorsitzender des Agrarunternehmens „Wöllmisse“ Schlöben.
Matthias Klippel, Vorstandsvorsitzender des Agrarunternehmens „Wöllmisse“ Schlöben. © OTZ | Frank Kalla

Nach einer langen Pause – das Fest fand 2018 zum letzten Mal statt – soll es nun wieder alle zwei Jahre veranstaltet werden. „Trotz des vielen Wassers von oben fällt unser Fest nicht aus“, versichert Corinna Weiß. Drei Hallen mit stabilen Dächern schützten die Besucher vor den prognostizierten Wassermassen. Drinnen werden insgesamt 25 Informations- und Händlerstände aufgebaut sein, darunter auch ein Ausbildungsstand für junge Menschen, die sich über Ausbildungsberufe in der Wöllmisse informieren können.

Auf regionale Produkte setzt das Agrarunternehmen im eigenen Hofladen in Gernewitz. Insbesondere die gängigen Öle – Raps- und Leinöl – sind gefragt. Dazu Eier aus Tissa oder Wurst aus Weißbach und Bucha, Obst vom Gut Triebe, Säfte aus Crossen. Mittwoch und Freitag sind Brottage, alle zwei Wochen gibt es Fisch. „Wir führen nur saisonales Obst und Gemüse, das heißt, im Winter gibt es keine Erdbeeren“, sagt Corinna Weiß. Apropos Erdbeeren. Die werden es wohl in diesem Sommer nicht in die Regale des Hofladens schaffen. Weiß erklärt, weshalb. „Sie sind im Einkauf sündhaft teuer. Zwar geben die Menschen relativ viel Geld für frische regionale Produkte aus, doch alles hat seine Grenzen.“

Schlöben: Regionales steht im Mittelpunkt

Regionales soll auch zum Hoffest im Mittelpunkt stehen. Liköre, Detscher, Honig, Schmuck aus privater Fertigung, auch die Roda-Werkstatt wird mit einer Auswahl ihrer Erzeugnisse vertreten sein. Kinder können sich an der Bastelstraße kreativ ausprobieren oder auf der Hüpfburg austoben. Und natürlich müsse niemand verhungern oder verdursten.

Weiter geht es im karottenroten Corsa zum Kuhstall mit hochmodernem Melkroboter. „Wenn die Kuh zum ersten Mal mit dem Roboter in Kontakt kommt, scannt er ihr Euter und erkennt es in der Folge immer wieder“, erklärt Matthias Klippel. Erstaunlich, dass sich die Kühe geduldig anstellen, um endlich ihre Milch loszuwerden. Klippel verrät einen kleinen Trick. „Sie werden mit Futter gelockt, sonst würden sie nicht stehenbleiben.“

Flurfahrten zu den Kühen geplant

Auf der Rückfahrt noch ein kleiner Abstecher in den Kuh-Kindergarten. Die neugierigen Blicke der Kälbchen dürften in jedem Tierfreund Entzücken hervorrufen. „Wir bieten zum Hoffest Flurfahrten zum Melkroboter und zu den Kuhställen an“, verrät Klippel. Besucherinnen und Besucher könnten mit dem Blick hinter die Kulissen erfahren, was Landwirtschaft eigentlich bedeute und „was es heißt, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen.“

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Termin: 1. Juni, 10 bis 17 Uhr, Schlöben, An der Steinernen Brücke – Hoffest des Agrarunternehmens Wöllmisse, Programm: Unterhaltung, Auftritt der Musikschule Fröhlich und der Dos Toledos, Flurrundfahrten, Kinderbelustigung, Traktorfahrten, Händlermeile, Technik-Vorführung, Essen und Trinken.