Ahlendorf-Crossen. Beim Flößerfest am Elsterfloßgraben im Saale-Holzland-Kreis gab es viel zu sehen. Posthum geehrt wurde zudem der kürzlich verstorbene Wolfgang Maruschky aus Crossen.

Jürgen Fuchs hält erfreut einen großen Briefumschlag in den Händen. Erste Besucherinnen und Besucher sind auf dem Schwalbenhof in Ahlendorf, einem Ortsteil von Crossen, angekommen. Der Crossener Feuerwehrverein hat den Rost angeworfen. Kaffee, Kuchen, Schauflößen, Holzbearbeitung und mehr stehen auf dem Programm des Flößerfests, das wenig später durch den ersten Vorsitzenden des Fördervereins Elsterfloßgraben, Frank Thiel aus Magdeburg, eröffnet wird. Was sich in dem braunen Umschlag verbirgt? Es ist die Genehmigung eines Förderantrags für einen geplanten Rastplatz am Floßgraben, lässt Jürgen Fuchs vom Förderverein wissen. Nun stehe dem neuen Rastplatz nichts mehr im Wege, sagt er sichtlich froh. Entstehen soll ein naturbelassener Rastplatz mit Waldschenke, Mülleimer und Fahrradständer. Auch könnte dies der Startschuss für weitere Projekte, wie etwa das Pflanzen von Bäumen sein.

Beim Schauflößen in Ahlendorf wird demonstriert, wie Scheitholz geflößt wurde.
Beim Schauflößen in Ahlendorf wird demonstriert, wie Scheitholz geflößt wurde. © Funkemedien Thüringen | Julia Grünler

Flößerei zählt seit 2022 zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit

Warum es wichtig sei, das Flößerfest zu feiern und so an die Flößerei zu erinnern? „Weil es ein immaterielles Kulturerbe der Menschheit ist“, sagt Jürgen Fuchs. Der Elsterfloßgraben sei ein technisches Werk, ohne das Städte, wie zum Beispiel Leipzig oder Bad Dürrenberg nicht groß geworden wären. Unter anderem sei die Holzversorgung nach Halle wichtig gewesen, pflichtet Thiel bei. In Leipzig sei es das wichtige Brennholz für die Stadt gewesen. Der Elsterfloßgraben ist heute ein überregionales technisches Baudenkmal. Er erstreckt sich von Thüringen (Anfang in Crossen) über Sachsen-Anhalt bis nach Leipzig in Sachsen. Den Auftrag zum Bau eines Floßgrabensystems erteilte einst August I. von Sachsen.

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Ahlendorf: Maruschky posthum zum Floßgrabenmeister ernannt

Die letzten Vorbereitungen bevor das Schauflößen am Elsterfloßgraben in Ahlendorf beginnt.
Die letzten Vorbereitungen bevor das Schauflößen am Elsterfloßgraben in Ahlendorf beginnt. © Funkemedien Thüringen | Julia Grünler

In seiner Eröffnungsansprache erklärt Frank Thiel, dass mittlerweile auch der Biber am Floßgraben heimisch sei. So habe sich der Nager für seine Bauten ausgerechnet die Landesgrenze zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt ausgesucht. „Dadurch ist der Floßgraben fast ein stehendes Gewässer geworden“, sagt Thiel. Auch in übrigen Teilen des Floßgrabensystems sei der Biber mittlerweile beheimatet, so etwa im benachbarten Wetterzeube. Nun werde nach Lösungen gesucht, damit das Wasser auch weiterhin fließen könne – trotz Biberdämmen. Den kürzlich verstorbenen Wolfgang Maruschky aus Crossen ernannte er zudem posthum zum Floßgrabenmeister. Eine Urkunde sowie die hölzerne Figur eines Flößers sollen nun an Maruschkys Witwe übergeben werden.

Viel Einsatz beim Schauflößen in Ahlendorf nötig

Jürgen Fuchs vom Förderverein Elsterfloßgraben demonstriert zum Flößerfest, wie Scheitholz geflößt wurde.
Jürgen Fuchs vom Förderverein Elsterfloßgraben demonstriert zum Flößerfest, wie Scheitholz geflößt wurde. © Funkemedien Thüringen | Julia Grünler

Crossens Bürgermeister Herbert Zimmermann (BI Holzland) dankte insbesondere Jürgen Fuchs und seiner Familie für den unermüdlichen Einsatz, das Flößerfest trotz widrigen Wetteraussichten, auf die Beine zu stellen.

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Wenig später werden Flößerhaken geschultert und Holzscheite zum nur wenige Meter entfernten Floßgraben transportiert. Interessiert beobachten die Gäste, wie das Holz im Wasser landet und von den Flößern in Bewegung gesetzt wird. Da das Wasser kaum fließt, erfordert das Prozedere etwas mehr Einsatz als üblich.